Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Militärische Großübung: Zweibrücker Soldaten proben in Australien den Ernstfall

In der Niederauerbach-Kaserne sind die Soldaten mit Packen für Australien beschäftigt.
In der Niederauerbach-Kaserne sind die Soldaten mit Packen für Australien beschäftigt.

Die Zweibrücker Fallschirmjäger nehmen an einer internationalen Militärübung in Australien teil. Beim Einsatz in Wüste und Dschungel müssen sie auf besondere Gefahren achten.

Überall auf dem Boden der Mehrzweckhalle in der Niederauerbach-Kaserne liegen Gepäckhaufen. Soldaten und Soldatinnen laufen eilig zwischen den Haufen aus Badsachen, Socken, khakifarbenen T-Shirts und Unterwäsche hin und her. Alles läuft zügig, aber genau koordiniert. Die Soldaten wirken konzentriert. Manche knien vor einem Haufen auf dem Boden, schauen sich ihre Kleidungsstücke und Habseligkeiten ganz genau an, drehen Socken auf links und entfernen Fusseln, manche hantieren dafür mit einer Fusselbürste. Jedes Stück muss perfekt gesäubert werden, denn sie stellen ihr persönliches Gepäck zusammen für ihre Reise nach Australien. Am Freitag geht’s los. Dann startet für sie die bedeutendste und aufregendste Übung, an der sie jemals teilgenommen haben: Talisman Sabre. Die Übung wird von den USA und Australien organisiert. 16 Nationen üben dort gemeinsam verschiedene Manöver in der Umgebung der Küstenstadt Townsville.

Socken, T-Shirts – alles muss von Fusseln befreit werden.
Socken, T-Shirts – alles muss von Fusseln befreit werden.

„Für die jungen Soldaten ist das ein Ausbildungs-Highlight“, sagt Major Jannik. Sein Nachname soll aus Sicherheitsgründen nicht in der Zeitung genannt werden. Er ist seit knapp drei Jahren Chef der VI. Kompanie in der Niederauerbach-Kaserne. Aus dieser stammen 100 der 135 Zweibrücker Fallschirmjäger, die für vier Wochen nach Australien fahren. Dort werden sie zusammen mit den US-Truppen zwei Luftlandeoperationen durchführen, informiert Jannik.

Die Kampfausrüstung ist schon in Australien. Jetzt räumen die Soldaten noch ihre persönlichen Sachen zusammen.
Die Kampfausrüstung ist schon in Australien. Jetzt räumen die Soldaten noch ihre persönlichen Sachen zusammen.

Kilometerlange Märsche durch Dschungel und Wüste

Dabei springen sie aus Flugzeugen ab und legen einen kilometerlangen Marsch bis zu einem Zielgebiet zurück – mit etwa 30 Kilogramm schwerem Marschgepäck. „Der Marsch kann bis zu zwei Tage dauern“, sagt der Major. Übernachten in der Wildnis ist also inklusive. Haben sie ihr Zielgebiet – beispielsweise ein Flugplatz oder ein Verkehrsknotenpunkt – erreicht, müssen die Soldaten dieses angreifen, einnehmen und gegen „Feinde“ verteidigen. Jede der beiden Übungen dauert etwa vier Tage, plus die Planung vorher und die Nachbesprechung. „Zwischen den beiden Operationen müssen die Soldaten regenerieren, ihre Waffen reinigen und Munition nachladen“, ergänzt der Kompaniechef.

Keine Erde, Fusseln oder Tierhaare... die Kleidung muss von sämtlichen Fremdkörpern gesäubert werden. Dafür müssen sogar die Soc
Keine Erde, Fusseln oder Tierhaare... die Kleidung muss von sämtlichen Fremdkörpern gesäubert werden. Dafür müssen sogar die Socken auf links gedreht werden.

Während aller Operationen im Outback sind die Zweibrücker Fallschirmjäger einem amerikanischen Fallschirmjägerbataillon unterstellt, das heißt: Jannik erhält seine Befehle und Aufträge von einem US-Bataillonskommandeur, sagt er. So erhalten die Zweibrücker auch Einblicke in die Planungsprozesse der amerikanischen Soldaten. „Die sind ein wenig anders als unsere. Aber bei der multinationalen Zusammenarbeit geht es ja darum, Neues zu lernen und Erfahrungen zu sammeln.“

Giftige Tiere erschweren Manöver

Eine außergewöhnliche Erfahrung werden für die Soldaten die Umstände der Übung im Outback sein: „Dort herrschen andere Temperaturen, andere Luftfeuchtigkeit als in Deutschland. Auch die Pflanzen und die Tierwelt werden unser Vorgehen beeinflussen. Man muss zum Beispiel wegen Skorpionen und Giftschlangen besonders aufpassen“, erklärt der Kompaniechef. Damit sie für all das gut vorbereitet sind, erhalten die Soldaten nach ihrer Ankunft in Australien zuallererst eine Einweisung in die Verhaltensregeln und die Grundsätze von Dschungel- und Wüstenkämpfen.

Kompaniechef Jannik reinigt sogar das Profil seiner Schuhsohlen mit einer Zahnbürste.
Kompaniechef Jannik reinigt sogar das Profil seiner Schuhsohlen mit einer Zahnbürste.

Eine große Sache für die Zweibrücker Soldaten. Schließlich repräsentieren sie das deutsche Heer in Australien. Das beteiligt sich an der Übung zum einen wegen des Lerneffekts und des Erfahrungsaustauschs, zum anderen aber auch, um den Partnernationen seine Unterstützung und Loyalität im Ernstfall zu demonstrieren.

Deutsche im Sudan evakuiert

Und warum wurden genau diese Soldaten für die Übung auserwählt? Das hänge mit dem Übungsrhythmus der Kompanien zusammen, erklärt Major Jannik. So werde darauf geachtet, dass alle Soldaten regelmäßig an Übungen teilnehmen und keiner überlastet wird.

Die Fallschirmjäger nehmen den Vorbereitungsstress gerne auf sich – schließlich ist das für sie der Höhepunkt ihrer bisherigen D
Die Fallschirmjäger nehmen den Vorbereitungsstress gerne auf sich – schließlich ist das für sie der Höhepunkt ihrer bisherigen Dienstzeit.

Für den Major und seine VI. Kompanie ist das die weiteste Strecke, die sie je für eine Übung zurücklegten. „Zuletzt war ich mit der Kompanie 2023 im Sudan im Einsatz und habe geholfen, deutsche Staatsbürger und Verbündete zu evakuieren“, erzählt Jannik, der gerade mit einer Zahnbürste das Profil seiner Schuhe abbürstet. „Wir müssen alles, was wir mitnehmen, sauber machen. Alle Fussel entfernen. Wir dürfen keine Gräser, Samen, Tierhaare oder Erde mit nach Australien bringen“, erklärt er. Das sind die Hygienemaßnahmen, die alle einhalten müssen, die nach Australien reisen.

Die Packaktion ist durch und durch strukturiert. Jeder Kleiderhaufen hat seinen Platz.
Die Packaktion ist durch und durch strukturiert. Jeder Kleiderhaufen hat seinen Platz.

Die Kampfausrüstung der Soldaten – Schutzwesten und -brillen, Helme und Gefechtskleidung – ist bereits verschickt. Am Freitag kommen die Soldaten mit ihrem „Handgepäck“ nach. Auch für Jannik als Chef hat die Übung eine ganz besondere Bedeutung. Denn anschließend verlässt er die Niederauerbach-Kaserne, weil die Kompaniechefs alle drei Jahre wechseln. „Da das meine letzte Übung als Kompaniechef ist, ist das meine sogenannte Goldene Übung“, sagt er mit ein wenig Stolz in den Augen.

Alles muss gut verstaut werden.
Alles muss gut verstaut werden.
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