Fußball
Meisterporträt: Der SG Knopp/Wiesbach half ein Warnschuss
Mit einem „Warnschuss, wahrscheinlich zum bestmöglichen Zeitpunkt“ startete die SG Knopp/Wiesbach in die Saison 2023/24 der C-Klasse West im Fußballkreis Pirmasens/Zweibrücken. Denn bereits am ersten Spieltag verloren sie ihr eigenes Kerwespiel in Knopp überraschend mit 1:3 gegen den TuS Wattweiler.
Freiwillig in die C-Klasse
Dabei ging die Spielgemeinschaft, nach dem freiwilligen Rückzug ihrer Bezirksliga-Mannschaft vor dem Start, als auserkorener Titelkandidat in die Spielzeit. Zwar verließen viele Spieler die Mannschaft, die noch in den Aufstiegsspielen zur Landesliga mitgewirkt hatten. Mit Lukas Müsel, Albert Beqiri, Zeqir und Fatlum Begu sowie Florian Reiter, blieben aber auch einige an Bord. „Diese erste Niederlage, die hat uns alle gefrustet. Aber trotz allem Negativen folgte daraus eine positive Signalwirkung“, beschreibt Spielertrainer Steffen Martin, in Personalunion Vorsitzender des SV Wiesbach, die Situation in der Rückschau. „Von da an ist es so richtig in den Köpfen angekommen. Nämlich dass man auch in der C-Klasse keine Spiele einfach so gewinnt, ohne alles zu geben“, ergänzt er.
Wie sich Aufstiege anfühlen und was es für eine erfolgreiche Spielzeit braucht, das weiß der 38-Jährige ganz gut. Als sein Heimatverein noch eigenständig war, gelang ihm bereits ein Aufstieg in die B-Klasse. Bei der SG gehörte er als fester Bestandteil zu dem Team, das es von der A-Klasse bis in die Bezirksliga (2017/18) schaffte.
Reiter springt kurzfristig ein
Nach den Hausdurchsuchungen der Steuerfahndung im vergangenen Sommer (gegen zwei Beschuldigte beantragte die Staatsanwaltschaft Zweibrücken inzwischen Strafbefehle) wagte der Verein den Neuanfang ganz unten. Auf der Trainerposition übernahm der 25-jährige Florian Reiter die Zügel im Spielertrainergespann mit Steffen Martin. „Dass Florian so kurzfristig eingesprungen ist, als die Vereine sich für dieses eine Mannschaftsmodell entschieden hatten, dafür gilt es ihm der größte Dank“, sagt Martin. Er habe es geschafft, die Spieler bei Laune zu halten, auch wenn einer mal im Gegensatz zur Vorwoche außen vor war oder wegen der Verletztensituation auf einer ungewohnten Position auflaufen musste.
Dennoch wird Reiter den Meister verlassen. „Wir möchten etwas Neues probieren. Wer es wird, das kann ich noch nicht sagen; auch nicht, wo es Florian Reiter hinzieht. Er hätte als Spieler bleiben können, das wollte er nicht. Aber wir gehen nicht im Bösen auseinander“, stellt Martin fest.
Der personelle Aderlass vor der Saison wurde indes genutzt: Die dagebliebenen Spieler der früheren ersten Mannschaft sorgten für eine Blutauffrischung im Kader der bisherigen Zweiten. „Das war schon ein wichtiger Kernpunkt, dass die jungen Spieler, bei denen es in der Bezirksliga nicht immer so rund lief, sich hier entfalten konnten. Und die ,Altgedienten’ dagegen nun regelmäßig ins Training kommen mussten, wenn sie einen Stammplatz haben wollten“, urteilt Martin. Auch Rückkehrer Julian Wagner habe als Abwehrchef für viel Stabilität und gute Innenharmonie gesorgt. Am Ende hatte die SG so in 22 Spielen mit 19 Siegen 57 Punkte (zwei mehr als der SV Hornbach) eingesammelt und wies ein Torverhältnis von 85:16 Treffern auf.
Image wieder aufpoliert
Bis auf Reiter (Ziel unbekannt) und Lukas Müsel (SG Rieschweiler) bleibt der Kader für die B-Klasse zusammen. Zum kommenden Jahresanfang werden einige Jugendspieler aus der JSG mit der Palatia Contwig dazustoßen. „Die meisten in der SG sind Wiesbacher, die waren auch in der Vergangenheit schon mal bei uns im Training dabei. In die setzen wir viel Hoffnung für die Zukunft.“ Apropos Zukunft: Die soll zunächst in der B-Klasse liegen. „Wir wollen uns dort stabilisieren, mit dem Abstieg nichts zu tun haben und uns Stück für Stück weiter hocharbeiten“, bekundet Steffen Martin.
Der Fokus der SG lag in den vergangenen zwölf Monaten aber nicht nur auf den sportlichen Darbietungen. Auch am Image das Team versucht zu arbeiten. „Das ist uns, denke ich, auch ganz gut gelungen, denn wir sind ohne Platzverweis durchgekommen“, sagt der Verwaltungsbeamte aus Schopp. „Sieht man mal von dem abgebrochenen Spiel in Kleinsteinhausen ab. Dieser Abbruch wurde aber von einem Zuschauer herbeigeführt. Ohne die Verurteilung und die Strafpunkte wären wir die fairste Mannschaft in der Tabelle mit 21 Gelben Karten in 22 Spielen gewesen.“ Nach Martins Ansicht „können wir uns überall wieder blicken lassen“.
Der Meisterkader
SG Knopp/Wiesbach: Paul Anderson (13 Einsätze/2 Tore), Christian Beck (1/1), Fatlum Begu (22/7), Zeqir Begu (22/17), Albert Beqiri (21/17), Dieter Burkart (22/1), Marcel Burkart (7/0), Sascha Burkart (13/4), Rainer Burkart (5/3), Pascal Burkart (18/1), Alexander Dierkes (21/0), Dominik Dierkes (3/1), Harry Freisdorfas (1/0), Erik Gauter (2/0), Leonard Hadasch (11/7), Lukas Hawrylow (4/1), Lukas Müsel (9/6), Steffen Martin (17/2), Thorsten Martin (21/6), Benjamin Mayer (9/1), Tristan Mayer (19/6), Peter Rausch (1/0), Dominic Reiter (16/0), Florian Reiter (22/6), Pascal Reiter (15/2), Luca Schmidt (6/1), Angel Vasquez (3/0) und Julian Wagner (20/0).