Winterbach / Battweiler / Wallhaben
Mehr Unfälle: Wo Zeitumstellung in der Tierwelt Probleme macht
Ab dem 30. März gilt wieder die Sommerzeit bei uns in Europa. Die Uhren werden eine Stunde vorgedreht, sodass alle die zur Arbeit gehen eine Stunde früher aus den Federn müssen. Das fällt nicht jedem so leicht, sodass er dieses Uhrenspiel auch verteufelt. Den Tieren auf dem Bauernhof bereitet das weniger Probleme.
Der Landwirt Jörg Klein aus Winterbach berichtet, dass seine Kühe den Melkroboter nutzen, wenn sie es für nötig halten. Die Kühe mit der Hand zu melken gehört für ihn weitgehend ins Zeitalter seiner Eltern. Damals habe man sich auf ihrem Hof einfach der Zeitumstellung zum Wohle des Viehs angepasst. Da sei es aber nicht auf eine halbe Stunde angekommen, um Unruhe im Stall zu vermeiden. „Nein, die Kühe mussten eigentlich auf keinem Bauernhof leiden“, sagt Klein.
Umstand und Kosten durch Zeitumstellung
Für die Kälber sei es eh egal gewesen. Sie bekamen ihre Milch, dabei sei es nie auf die Minute angekommen. Als man noch Schweine hatte, sei es denen auch egal gewesen. Eigentlich findet Klein, man müsse einfach aufstehen, wenn man seine Arbeit erledigen möchte. Ihn werfe die Umstellung der Uhr im Frühjahr und Herbst nicht aus der Bahn. Er meint eher, dass es ein Unsinn sei, der mehr Umstand und Kosten mit sich bringe. Schließlich müssten alle technischen Regelungen und Schaltuhren nach dieser Nacht mitspielen, damit wieder ein Rädchen in das andere greift.
Hahn kräht unabhängig von Uhrzeit
Hilde Kau aus Battweiler liebt ihre Eier aus der eigenen Hühnerhaltung. Sie merke nicht, ob die Hühner sich nun beim Eierlegen anders verhalten oder gar weniger Eier in den Nestern sind. Die Hühner und ihr Hahn seien einfach munter, wenn das frühe Tageslicht den neuen Tag einläutet. Sie würden deshalb schon ganz zeitig an der Stalltür warten bis sie von ihr ins Grüne gelassen werden. Sie seien putzmunter, wenn es endlich wieder hell und sonnig ist. Der Hahn melde sich auch ohne angezeigte Uhrzeit.
Mehr Unfälle durch Wildwechsel
Andere Erkenntnisse hat der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) gesammelt. Bei dämmerungsaktiven Tieren wie Wildschweinen und Rehen würde sich der Zeitpunkt des Wildwechsels an den Straßen zumindest für einen kürzeren Zeitraum genau in die Hauptverkehrszeit verschieben, was die Ursache für zunehmende Wildunfälle sei. Dies sei bei der Umstellung im Herbst ausgeprägter als im Frühjahr.
Manche Verkehrsteilnehmer hätten durch die Umstellung der Zeit Schlafprobleme, was sich auf ihre Konzentrationsfähigkeit auswirken würde, sodass es vermehrt zu Unfällen käme. Kinderpsychologen und Ärzte sind sich sicher, dass bei vielen Kindern die Umstellung Schlafmangel auslöst, was die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt. Die Herzinfarktgefahr würde mit der Zeitumstellung ebenfalls ansteigen, so die Beobachtungen in der Medizin.
Küsterin spricht sich für Zeitumstellung aus
Die Küsterin der Dorfkirche Battweiler, Margret Dannigkeit, ist sich sicher, dass die Kirchturmuhr zum richtigen Zeitpunkt umspringt auf die Sommerzeit. Sie findet diese Zeitumstellung gut, denn in den kommenden Monaten würde die Sommerzeit einiges an Gemütlichkeit in die Abendzeit hinein bringen.
Die Zeitumstellung in dieser Form gilt bei uns seit 1980. Auslöser war die weltweit propagierte Ölkrise. Durch den Uhrendreh war es abends nun länger hell. Dadurch sollten die Menschen Energie sparen, denn sie würden länger auf künstliches Licht verzichten. Dieser erhoffte Spareffekt blieb jedoch aus. Es ergibt sich eine kaum nennenswerte Energieeinsparung.
Eigentlich wollte die Europäische Kommission 2018 die Zeitumstellung wieder abschaffen. Das Europäische Parlament hatte dies schon abgesegnet, aber die Mitgliedstaaten zogen nicht alle mit. Seitdem hat es keinen neuen Vorstoß mehr für die Abschaffung gegeben.