ZWEIBRÜCKEN Medizintechnikprofis von morgen: Neuer Hochschul-Studiengang

Alexey Tarasov erklärt seinem Studenten Nasralla Nasseredine (links) im Labor einen hochauflösenden Biosensor.
Alexey Tarasov erklärt seinem Studenten Nasralla Nasseredine (links) im Labor einen hochauflösenden Biosensor.

Nasralla Nasseredine an der Zweibrücker Hochschule ist bundesweit einer der Ersten, die einen Bachelor im Biomedical Micro Engineering anstreben.

Von Tatjana Klöckner

Er wollte etwas studieren, das Biologie, Medizin und Technik verbindet: Deshalb ist Nasseredine aus dem Libanon nach Zweibrücken gekommen.

Das zweite Semester läuft gerade, da schreibt die Hochschule Kaiserslautern am Standort Zweibrücken zum zweiten Mal den neuen Bachelor-Studiengang aus, der – so erklärt der dafür verantwortliche Professor, Alexey Tarasov – als Bindeglied zwischen den etablierten Fachrichtungen Applied Life Science und Informatik- und Mikrosystemtechnik steht. Die Absolventen werden hoch spezialisierte Ingenieure sein, die Mikrosysteme für biomedizinische Anwendungen entwickeln. Diese Systeme, so Tarasov, würden immer kleiner und komplexer, die Entwicklung gehe rasant voran. Als Beispiele nennt er Mikrochips, die Vitaldaten eines Patienten direkt von zuhause in eine Arztpraxis übermitteln können. Während der ersten beiden Semester lernen die Studierenden des Micro- und Nanoengineerings noch gemeinsam mit denjenigen, die sich fürs Biomedical Micro Engeneering eingeschrieben haben, naturwissenschaftliche Grundlagen. Rund 20 junge Menschen sind das momentan; davon hat die Hälfte mit dem Vorsatz begonnen, den biomedizinischen Zweig zu absolvieren. Es geht also fast familiär zu, sehr fokussiert, wie Nasralla Nassereddine erzählt.

Eine Herausforderung mit Zukunft

Der 21-jährige Libanese war auf der Suche „nach etwas, was interdisziplinär ist, was eine Herausforderung ist und eine Zukunft hat. Biomedical Micro Engineering verbindet Diagnostik, Therapie und Technik. Wir sind die Ersten, die das studieren.“ Im Internet fand er vergangenes Jahr die Ausschreibung des Studienganges, bewarb sich und lernte dafür Deutsch. Es ist sein Erststudium nach dem Abitur, bei dem er in seiner Heimat bereits die Biologie als Schwerpunktfach belegte, wie er im Gespräch mit der RHEINPFALZ erzählt. Wenn er vom Studienalltag auf dem Campus erzählt, strahlen seine Augen: „Dass wir im ersten Semester schon in den Reinraum konnten, habe ich so nicht erwartet. Alles ist gut organisiert. Der Kontakt mit den Dozenten ist sehr, sehr gut: Alle Probleme, die auftauchen können, werden gelöst.“ Dass er auf dem Campus im Wohnheim unterkommen konnte, empfindet er als großen Vorteil: „So können wir uns ganz auf das Studium konzentrieren“, sagt er über die Gemeinschaft, in der es sich einfach besser lernen lasse. Und so möchte er auch den nächsten Anfängern seines Studienganges gerne helfen.

Mit Nassereddine zusammen sind junge Leute unter anderem aus Deutschland, Israel, Ägypten, Marokko und Syrien in den Vorlesungen und bei den Laborveranstaltungen, Frauen sind in der Minderheit. Dass es in einer derart heterogenen Gruppe durchaus Unterschiede beim Grundlagenwissen gebe, dessen sei man sich bewusst, so Tarasov. Dank der Überschaubarkeit könne man aber solche Dinge direkt angehen. Zugangsbeschränkungen gebe es auch für den zweiten Jahrgang nicht, für den die Anmeldung laufe. Alles, was sich im zweistelligen Bereich bewege, könne die Hochschule aufnehmen. Limitiert sei die Anzahl lediglich durch die Kapazitäten der Labore und des Reinraumes. „Die ersten Anmeldungen liegen bereits vor. Wir freuen uns auf die zweite Generation“, so Tarasov, der betont, dass es jahrelanger Vorarbeit zum Aufbau der fächerübergreifenden Expertise bedurfte.

Beste Zukunftsaussichten

Sieben Semester beträgt die Regelstudienzeit bis zum Bachelor, weil viel Wert auf der Praxisphasen gelegt werde: „Wir haben regelmäßig Anfragen von Firmen, die mit uns kooperieren möchten“, erzählt Alexey Tarasov. Es zeichne sich ab, dass die Zweibrücker Absolventen aufgrund der immer weiter voranschreitenden Miniaturisierung und Digitalisierung in der Medizintechnik beste Zukunftsaussichten haben. Und für alle, die wie Nasralla Nassereddine nach dem Bachelor weitermachen und in die Forschung möchten, bereitet die Hochschule den passenden Masterstudiengang vor.

Alle Infos zum Studiengang und zur Bewerbung finden sich auf der Website der Hochschule.

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