Sportsfreunde RHEINPFALZ Plus Artikel Medaille und Preise für ein Multitalent des Hofenfels-Gymnasiums

Johanna Maurer aus Hornbach hat nach dem Abitur ganz schön viel auf dem Zettel.
Johanna Maurer aus Hornbach hat nach dem Abitur ganz schön viel auf dem Zettel.

Johanna Maurer hat nicht nur viele Preise abgeräumt, sie ist auch noch Landesmeisterin, Bademeisterin und will jetzt eine Bibelschule besuchen.

Johanna Maurer erlebt gerade spannende Tage: Am vergangenen Wochenende trat sie in Worms zu ihren ersten Rheinland-Pfalz-Meisterschaften als Turnerin an, holte woanders sogar einen Titel. Und zu Beginn der vergangenen Woche hat die Abiturientin am Zweibrücker Hofenfels-Gymnasium einen nicht ganz alltäglichen neuen Job angefangen. Befristet, denn das nächste Abenteuer wartet bereits ab September auf sie.

„Es war ein langer Weg dahin“, sagt die 18-jährige Hornbacherin zu ihrem Auftritt bei den Landestitelkämpfen der Turnerinnen beim Landesturnfest in Worms. Diesmal hatte sie sich qualifiziert, im Vorjahr war sie noch knapp daran gescheitert. Am Freitag erreichte die Turnerin der VT Contwig mit 49,25 Punkten einen starken vierten Platz unter neun Teilnehmerinnen der LK2 (Jahrgänge 1997 bis 2010).

Ist gerade im Mehrkampf Landesmeisterin geworden: Johanna Maurer (VT Contwig).
Ist gerade im Mehrkampf Landesmeisterin geworden: Johanna Maurer (VT Contwig).

Landesmeisterin im Deutschen Achtkampf

Einen anderen Erfolg hatte sie einen Tag zuvor da schon eingefahren. „Durchaus eher überraschend“, wie sie selbst fand. Denn sie konnte die Konkurrenz im Vorfeld nicht einschätzen. Aber Maurer gewann gleich ihren ersten Deutschen Achtkampf in der Altersklasse 18/19 gegen drei Konkurrentinnen und wurde mit 86,727 Punkten Landesmeisterin. Zuvor hatte sie immer nur den Deutschen Sechskampf bestritten. Nun aber bewältigte sie den Wettkampf – bestehend aus den Turngeräten Sprung, Stufenbarren, Schwebebalken und Boden sowie den leichtathletischen Disziplinen 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen (mit der Vier-Kilo-Kugel) und Schleuderball – am besten und freute sich riesig über den Titelgewinn.

Ob das letztlich auch für die deutschen Mehrkampfmeisterschaften am 19./20. September in Heide (Schleswig-Holstein) reicht, ist aber noch nicht sicher. „Ich bin trotz des Landesmeister-Titels nicht automatisch qualifiziert. Ich habe die B-Qualifikation geschafft, es dürfen jetzt deutschlandweit nicht zu viele die A-Quali erreichen“, erklärt sie.

Vom Kinderturnen in Stuttgart zur VT Contwig

Noch in Stuttgart hatte sie mit dem Kinderturnen begonnen, setzte das nach dem Umzug ihrer Familie mit Papa Martin, Mama Caroline, den Geschwistern Julie, Thilo und Noemi sowie Hund Riley nach Hornbach fort, um schnell in die neue Umgebung reinzufinden. Sie fand Freundinnen in der Grundschule, die nahmen sie in Fahrgemeinschaften mit ins Training bei der VT Contwig. Seitdem geht sie ihrer Leidenschaft in dem Verein nach, seit 2011 ist Milena Carius ihre Haupttrainerin. Wegen der Abiturprüfungen hat sie im Januar ein bisschen pausiert, aber grundsätzlich will sie weiterturnen. „Weil es einfach so viel Spaß macht“, unterstreicht sie.

So sieht die Coubertin-Medaille aus, die Johanna Maurer bekommen hat.
So sieht die Coubertin-Medaille aus, die Johanna Maurer bekommen hat.

Ihr turnerisches Können half ihr auch in ihrem Sportleistungskurs (neben Englisch und Mathematik) von Lehrer Marcel Brauer am Hofenfels-Gymnasium. Für das beste Sportabitur, ihre Betreuertätigkeiten bei „Jugend trainiert für Olympia“ und als Schülersprecherin in der Stufe 12 sowie Jahrgangsstufensprecherin der Stufen 11 bis 13 erhielt sie bei der Abiturfeier die Coubertin-Medaille. „Ich hab’ es nicht gewusst, aber geahnt und gehofft, weil Lina Meister die vor mir schon mal bekommen hatte“, äußerte sie. Meister kennt sie vom gemeinsamen Turnen in der Mannschaft der VT Contwig und der VT Zweibrücken. Und neben dem Coubertin-Preis sahnte Johanna Maurer noch weiter mächtig ab: Sie erhielt Preise in den Fächern Informatik, Englisch und Religion, für die Schülervertretung, den besonderen Einsatz in der Jahrgangsstufe und für die beste Gesamtleistung (Notendurchschnitt 1,0).

Der erste Halbmarathon

Und eine „Schwäche“ im Leistungskurs Sport hat sie nebenbei noch ausgemerzt. „Laufen“, verdeutlicht sie, warum sie anfing, gemeinsam mit ihrem Vater zu trainieren. Mittlerweile läuft sie dreimal pro Woche, lief am 10. Mai sogar beim Gutenberg-Marathon ihre erste Halbdistanz. Und Johanna Maurer schloss zu dieser Zeit auch ihre Ausbildung zur Rettungsschwimmerin Silber mit Theorie- und Praxisprüfung ab. „Im Sport-LK hab’ ich den Spaß am Schwimmen gefunden“, verdeutlicht sie. Seit 1. Juni arbeitet sie nun mit einer Vollzeitstelle für drei Monate im Zweibrücker Freibad an der Schließ.

Danach folgt ab September gleich das nächste Abenteuer. Maurer wird für sechs Monate eine internationale Bibelschule (Capernwray Hall) in Carnforth, nördlich von Lancaster/England besuchen. Ihre ältere Schwester Julie hat gerade den Abschluss an einer Bibelschule in Bethel/Kalifornien gemacht. „Ich will dort im Glauben weiter wachsen, internationale Leute kennenlernen, Sport treiben und Pause machen“, macht sie ihre Beweggründe klar. Woher kommt dieser Wunsch? „Meine Familie ist stark im Glauben verwurzelt, aber eher freikirchlich. Wir besuchen Online-Gottesdienste auf Englisch“, sagt sie. Sie selbst wurde auch durch kirchliche Freizeiten mit 3000 bis 4000 Jugendlichen inspiriert. Meist in Deutschland, 2022 aber wegen Corona auch einmal in Spanien.

Und danach? „Vielleicht geht es in Richtung eines Sportwissenschaftsstudiums. Im Leistungskurs hab’ ich einmal eine Facharbeit über Sportpsychologie geschrieben, das hat mir auch viel Spaß gemacht.“

Der französische Pädagoge, Historiker und Sportfunktionär Pierre de Coubertin (1863-1937) gilt als Begründer der modernen Olympi
Der französische Pädagoge, Historiker und Sportfunktionär Pierre de Coubertin (1863-1937) gilt als Begründer der modernen Olympischen Spiele.
Stichwort: Coubertin-Medaille

Der Abiturpreis Sport „Pierre de Coubertin“, in Form einer Medaille und einer Urkunde, wird seit dem Schuljahr 2001/02 vom Landessportbund Rheinland-Pfalz landesweit an rheinland-pfälzische Abiturienten (2026 bisher an 74) verliehen – als Auszeichnung für sportliche Leistungen, gepaart mit sozialem Engagement. Die Medaille wurde vom Mainzer Bildhauer Karlheinz Oswald geschaffen. Auch Fairness und Engagement außerhalb des Sports sind nachzuweisen. Mit der Auszeichnung soll die Bedeutung des Fachs Sport hervorgehoben werden.

Der französische Pädagoge, Historiker und Sportfunktionär Pierre de Coubertin (1863-1937) gilt als Begründer der modernen Olympischen Spiele, die erstmals wieder 1896 in Athen stattfanden. Er gründete 1894 das Internationale Olympische Komitee, war dessen zweiter Präsident von 1896 bis 1925. Er entwarf auch die Olympischen Ringe. Begriffe wie „Fair Play“ und „Olympischer Gedanke“ hat Coubertin entscheidend mitgeprägt.

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