Zweibrücken
Mannlichs Lithografien entdecken
Bei der Vortragsreihe zum 200. Todestag des Zweibrücker Hofmalers und Architekten Johann Christian von Mannlich (1741-1822) im Jahr 2022 hatte ein Vortrag gefehlt: der Mannlichs Lithografien. Das Versäumnis wird nun nachgeholt: Heinrich Rittershofer, seit 2024 Vorsitzender der Zweibrücker Kulturgutstiftung, erklärt in einem Diavortrag am 30. Januar, was es mit Mannlichs Lithografien auf sich hat, die im Gegensatz zu seinem Ölgemälden nicht so bekannt sind. Dabei kann man sie im Zweibrücker Mannlichhaus in der Dauerausstellung der Kulturgutstiftung bewundern. Zuletzt gab es 2013 im Mannlichhaus eine große Schau mit Mannlichs Lithografien, denn alles kann allein schon aus konservatorischen Gründen nicht permanent gezeigt werden.
Wie Mannlich dazu kam, Lithografien anzufertigen, erklärt Heinrich Rittershofer in seinem Vortrag. 1796 bis 1798 trat in München Alois Senefelder mit einer neuen Drucktechnologie, dem Steindruck (Lithografie), an die Öffentlichkeit, mit Landkarten, Noten und Gebrauchsgrafiken. Für das neue Druckverfahren nahm er Solnhofener Kalkstein und nutzte die chemischen Eigenschaften von Substanzen, die fetthaltige Farben annahmen beziehungsweise abstießen. In kommerzieller und künstlerischer Hinsicht begann damit ein neues Zeitalter für die Drucktechnik – vergleichbar mit der Erfindung des Buchdrucks oder der Entwicklung des Kupferdrucks im 15. und 16. Jahrhundert mit Albrecht Dürer und Martin Schongauer.
Mit der Technik in München konfrontiert
Mannlich kam 1799 zusammen mit seinem Dienstherrn, dem Herzog von Zweibrücken und frisch gekürtem Pfalz-Bayerischen Kurfürsten Max Joseph nach München. Neben den ihm dort als Zentralgaleriedirektor aufgetragenen Aufgaben wurde er dort mit der neuen Drucktechnik konfrontiert. Er erkannte deren Potenzial für eine im großem Stil mögliche Darstellung der ihm unterstehenden Museumsbestände.
Zusammen mit zwei jungen Künstlern – Johann Nepomuk Strixner aus Altötting und dem in Homburg geborenen n Ferdinand Piloty – erarbeitete Mannlich 1810 bis 1816 ein Werk, das 432 Darstellungen aus dem Königlichen Zeichnungskabinett (Grafische Sammlung) als Lithografien wiedergab. Es wurde unter dem Namen „Oeuvres lithographiques“ herausgebracht und berücksichtigte Künstler der italienischen Renaissance wie auch der deutschen und niederländischen Schulen. Mannlich tat das auch, um seinen Zeichenschülern die Kunst der großen Meister und deren Umgang mit Details, zum Beispiel der Anatomie des menschlichen Körpers, zu zeigen.
Mit einer weit größeren Zahl von Mitarbeitern aus dem Münchner Künstlerkreis veröffentliche Mannlich 1816 bis 1820 den „Königlich Baierischen Gemäldesaal zu München und Schleißheim“. Er umfasste 200 Lithografien von dort ausgestellten Werken, die heute zu den Flaggschiffen der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gehören, darunter Wiedergaben von Gemälden, die Mannlich vom Homburger Schloss Karlsberg vor den französischen Revolutionstruppen rettete.
Die Herausgabe dieser Werke fand großen Anklang beim Bürgertum, das nicht nur in den großen Museen Kunstwerke der Meister sehen wollten, sondern auch zu Hause. Goethe gab ihnen den Namen „Inkunabeln der Lithografie“. Mit den „Oeuvres lithographiques“ und dem „Baierischen Gemäldesaal“ gebührt Mannlich das Verdienst, die Erfindung Senefelders als einer der ersten für die reproduktive Darstellung von Kunst genutzt und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben. Die Zweibrücker Kulturgutstiftung Gehrlein-Fuchs besitzt über 150 dieser Inkunablen der Lithografie, viele sind in der Dauerausstellung zu sehen.
Info
- Heinrich G. Rittershofer: Vortrag: „Johann Christian von Mannlich und die Lithografie“, Zweibrücken, Herzogsaal, Herzogstraße 9-11, der Eintritt ist frei.
- Dauerausstellung Johann Christian von Mannlich, Kulturstiftung Gehrlein-Fuchs, Herzogstraße 8, zu besichtigen nach Vereinbarung unter Telefon 06332 49333.