Zweibrücken Malerische Hirten und geniale Beamten

„Ich konnte fast alle Lieder mitsingen, ganz toll haben Sie das gemacht – das war sehr schön,“ bedankte sich Rentnerin Anneliese Stark bei Chorleiterin Claudia Hoyer nach dem Konzert des Liederkranzes Contwig am Samstag im Haus Sarepta.
Im Foyer saßen etwa 60 Senioren, auf der Empore stand sogar ein Bett mit einer Zuhörerin, als der gemischte Chor des Liederkranzes Contwig mit dem Lied „Das Licht kommt in die Welt“ sein Publikum auf den vierten Advent einstimmte. Nach leichten anfänglichen Unsicherheiten bei „Die Hirten von Bethlehem“ überzeugte der Frauenchor mit einheitlichem Klang und schönem Ausdruck bei der Verkündigung „Seht den Stern am Himmelszelt“. Malerisch, in ausdrucksvoller Phrasierung und Textausdeutung sangen die Damen den Ruf „Auf, auf ihr Hirten.“ Spontaner Applaus würdigte auch den weichen, innig-gemütvollen Vortrag des Volksliedes „Immer wenn es Weihnachten wird“. Und auch die „Brennenden Kerzen am Weihnachtsbaum“ nahmen in der klangschönen, ergreifenden Interpretation des Frauenchores mit den jubelnden „Gloria“-Rufen Gestalt an. Die Herren betonten ihre Aktivität in den Chorliedern „Weihnachtsjubel“ und „Jetzt fangen wir zu singen an“, bevor sie in der einfachen, volkstümlichen Weise „Zündet die Lichter der Freude an“ dazu aufriefen, die frohe Botschaft überall in der Welt zu verkünden. Zart-verhalten und ungemein ausdrucksvoll gestalteten die Herren auch die mehrstrophige Ballade „Ein Stern strahlt“. „Seid ihr alle da?“, fragte Dirigentin Claudia Hoyer, als sie zum Einstimmen ein paar Töne am Klavier anschlug, bevor Damen und Herren gemeinsam die „Fröhliche Weihnacht“ besangen und mit dem Evergreen „Süßer die Glocken nie klingen“ zu Akkordeonbegleitung den musikalischen Teil des Nachmittags mit einer stimmungsvollen, folkloristischen Note ausklingen ließen. Für gute Unterhaltung sorgten auch lustige Geschichten wie die von der alten Dame, die sich zur vorweihnachtlichen Geschenke-Hochsaison aufgrund ihrer kleinen Rente in einer prekären finanziellen Situation befand und sich daher in einem Brief hilfesuchend an das Christkind wandte mit der Bitte um 120 Euro, damit sie Geschenke für ihre sechs Urenkel kaufen könne. Der Postbeamte war zunächst etwas irritiert wegen der Empfängeradresse, entschied sich dann aber mangels ihm geeigneter scheinender Alternativen, ihn persönlich zum Finanzamt zu bringen. Auch der dortige Beamte staunte zunächst nicht schlecht. Dann kam er auf die Idee, die Belegschaft zu Spenden aufzurufen, und so kamen 90 Euro zusammen, die er an die alte Dame schickte – in einem Kuvert, das den Stempel des Finanzamts trug. Nach dem Kauf der Weihnachtsgeschenke schrieb die Oma einen Dankesbrief an das Christkind – verbunden mit der Bitte, eine künftige Finanzspritze nicht mehr übers Finanzamt zu schicken: „Die Lumpen haben mir 30 Euro abgezogen.“ Lachen und gute Stimmung herrschten nach dem Konzert bei dem Zusammensein in geselliger Runde, bei dem sich auch viele Freunde und Verwandte eingefunden hatten. Die 88-jährige ehemalige Kindergärtnerin Liesel Linn, im Heim liebevoll „LL“ genannt, wie Altenbegleiterin Gudrun Knerr lächelnd erzählte, strahlte über das ganze Gesicht: „Ich singe selbst so gern, seit meinem sechsten Lebensjahr – und ich habe früher in Einöd so oft auf der Bühne gestanden, sogar ein paar Mal in Berlin am Kudamm,“ erinnerte sich die Seniorin mit aufmerksamen, leuchtenden Augen. „Singen und Theater spielen war immer meine große Liebe, ich war immer auf der Bühne daheim. Und so ein Nachmittag wie heute – das tut mir einfach so gut.“ Und der inzwischen 84-jährige Gipser Otto Kiefer, der früher Mitglied des Liederkranzes Contwig war, hat vom Rollstuhl aus spontan mitdirigiert.