Zweibrücken Macht Spaß wie Wutz

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Bei der Musik-Tour am Samstag schnappen sich im Zweibrücker Erdgeschoss die Frauen von Peaches & Cream die lederbejackten Kerle. Mit frech gespieltem Rock, frei Schnauze, voller Spaß an der Freude. Vielleicht etwas zu ernst, dabei original am Klang der englischen Pop- und Rockmusik, bleibt Toe Jam im Beisl. Beides verdient Anerkennung.

Jetzt mal im Ernst, ihr lieben Rockröhren von Peaches & Cream: Warum sind die Youtube-Videos auf eurer Homepage eigentlich so schlecht? Das soll doch Werbung für Konzerte sein. Nach dem Schreck traut man sich zur Kneipen-Tour eigentlich gar nicht so recht ins Erdgeschoss, um sich die Musik mal genauer anzuhören. Wer annähernd ehrlich bleiben will, kommt leicht ins Schleudern. Denn nichts ist so unbeliebt unter Künstlern und deren Freunden wie Kritik oder gar ein unter Umständen angebrachter Verriss. So manchem Musiker hat das zwar nicht geschadet. Sollte sich Erdgeschoss-Musikveranstalter Peter Rohr bei der Verpflichtung einer Band zur Kneipen-Tour wirklich so geirrt haben? Warum geht er ausgerechnet mit den Frauen aus St. Wendel in das Rennen um die Publikumsgunst? Die Antwort ist denkbar einfach: Weil Peaches & Cream Spaß macht wie Wutz. Beispielsweise beim Song „Tainted Love“ von Soft Cell. Aus dem Elektro-Hit wird eine Rockabilly-Frechheit, die als Gag wunderbar funktioniert. Die Mädels von Peaches & Cream sind nicht nur nett anzusehen, sie können auch was. Da ist zum Beispiel Vanessa Klasen. Mit ihren roten langen Zöpfen scheint sie zwar einem Manga entsprungen zu sein, und manchmal ist sie so begeistert von ihrem Schlagzeugspiel, dass sie für Songs gerne mal den Takt viel zu früh vorgibt. Aber sie hat einen peitschenden Beat. Und da ist Tina Backes, die erotische Powerfrau, die mit ihrem Bass Songs wie „Tainted Love“, einen Stempel aufdrückt. Dabei geht Sängerin Fabienne Massone auf den ersten Blick fast ein wenig unter. Aber souverän, wie „Tainted Love“, schiebt sie Cheap Tricks’ „I Want You to Want Me“ nach. Nur um sich die harten Jungs im Publikum – um die 40 sind da – mit „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen endgültig zu schnappen. Ja, das ist in der Tat nicht immer perfekt. Aber an Dios „Holy Diver“ würden eh 90 Prozent aller Sänger so grandios scheitern wie Fabienne. Trotzdem ist dieser Einsatz für die gute alte Rockmusik aller Ehre wert und dazu noch Freude erregend. Es geht um den Spaß. Und der ist riesig! Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Toe Jam aus Homburg, die in der Kneipe Zum Beisl auftraten. Nicht nur der Union Jack am Pult von Keith Mayr, Sänger und Bassist, verrät: Hier kommt die Musik von der Insel. Akustisch scheint das Quintett im 60er und 70er Jahren stecken geblieben zu sein. Wie authentisch das bei „Day Tripper“ von den Beatles klingt, verdient Respekt. Denn damals war die Musik ehrlicher. Lug und Trug auf Bühnen mithilfe von kleinen Biestern wie Tablets mittlerweile für jeden möglich. Doch das ist Toe Jam fremd. Deshalb hält man sich bei Klassikern wie „Jumping Jack Flash“ von den Rolling Stones an die Instrumentierung der Erstfassungen, ohne neuzeitlichen Schnickschnack. Das ist wohl mit ein Grund, weshalb zum Zeitpunkt der Stippvisite im Beisl keine 20 Zuhörer anwesend sind. Angesichts der Tatsache, das hier die Kunst der Hommage im Kleid von damals ein wenig untergeht, ist das aber auch ein wenig schade.

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