Zweibrücken Lydorf dirigiert von der Seitenlinie, Wild auf dem Spielfeld

ZWEIBÜCKEN. Zwei Minuten waren in der Frauen-Oberliga zwischen dem SV 64 Zweibrücken und der HSG Hunsrück noch zu spielen, als SV-Spielmacherin Anne Wild das 30:25 erzielte. An den SV-Sieg wollte noch keiner recht glauben. Auch nicht, als Torfrau Jana Specht 30 Sekunden später mit Unterstützung des Pfostens einen Strafwurf parierte. Erst als Laura Witzgall Sekunden vor dem Abpfiff den 31:26 (16:12)-Endstand markierte, brach auf Zweibrücker Seite der verdiente Jubel aus (wir berichteten gestern kurz).
„Man hat schon gemerkt, wie groß die Verunsicherung nach der Niederlage in Mundenheim war“, resümierte SV-Trainer Rüdiger Lydorf, den die Fans kaum wiedererkannten. Der sonst an der Bank so introvertiert wirkende Lydorf war 60 Spielminuten lang lautstark dirigierend unterwegs. Auf dem Spielfeld übernahm die Dirigenten-Aufgabe im Verlauf des ersten Abschnittes Anne Wild. Sie lieferte eine starke Partie ab, nutzte die Lücken in der HSG-Abwehr, um sich immer wieder erfolgreich im Eins-gegen-Eins-Spiel durchzusetzen, selbst Tore zu erzielen oder Räume für die Mitspielerinnen zu schaffen. Dazu holten sie und Kreisläuferin Laura Witzgall wichtige Siebenmeter raus. Ein weiterer Grund, warum die Zweibrückerinnen dieses Mal gewannen, hieß Ina Sohns. Die verwandelte traumhaft sicher jeden der sieben Strafwürfe. Mangelhafte Siebenmeterverwertung war zuletzt ein Riesenproblem. „Ich habe gestern Marc-Robin Eisel zugeschaut“, bestätigte Sohns lachend, dass sie dessen Siebenmeterstärke am Samstag bei den Drittliga-Herren inspiriert habe. Nach dem Erlebnis von Mundenheim, als auch sie vom Siebenmeterpunkt in der Schlussphase nicht traf, „habe ich mir heute vor jedem Strafwurf geschworen, dass ich nicht den entscheidenden Siebenmeter verwerfe“, verriet sie ihre Gedanken vorm Gang an die Siebenmeterlinie. Die Beziehungen zwischen Zweibrücken und HSG-Trainer Sascha Burg sind seit dessen früherer Trainertätigkeit in Konz, freundlich ausgedrückt, unterkühlt. Sportlich fair erkannte Burg nach dem Abpfiff an, dass der Zweibrücker Sieg in Ordnung gehe. Seine Mannschaft habe zu viele individuelle Fehler gemacht. Die HSG war motiviert gestartet, ging mit 3:1 in Führung. Zweibrücken fing sich, Sohns sicher verwandelter Strafwurf zum 2:3 gab Sicherheit. Im ersten Abschnitt sorgte Levke Worm mit Distanzwürfen dafür, dass sich die HSG-Abwehr bewegen musste. Platz gab es für die Außenspieler – auf beiden Seiten. Die Zweibrücker Abwehr konzentrierte sich auf den starken HSG-Rückraum. „Auf Linksaußen konnten wir die Chancen nicht ganz so gut nutzen, aber rechts hat es gut geklappt“, freute sich Lydorf über die Tore von Lara Schlicker und Miriam Schöneich. Das Tor, das erstmals die Hoffnung keimen ließ, dass es etwas mit dem Sieg und dem Verlassen der Abstiegsränge werden könnte , fiel allerdings von links: Katharina Handermanns Treffer zum 28:24 (54.). Mit dem hatte der SV seine kurze Schwächephase überwunden. So spielten sie SV 64 Zweibrücken: Specht, Huber (Siebenmeter) - Sarah Witzgall, Koch (3), Worm (3) - Schöneich (3), Handermann (3) - Laura Witzgall (2) - Sohns (8/7), Schlicker (4), Wiegand, Wild (5), Paquet HSG Hunsrück: Igokin, Born, Kirst - Reuter (5), Sülzle (5), Jost (5/2) - Annika Frank (3), Meike Frank (2) - Wies - Endel, Mohr (4), Kappes (2), Mandernach Spielfilm: 2:3 (6.), 6:3 (12.), 7:6 (16.), 13:9 (26.), 16:11 (Halbzeit), 20:16 (39.), 20:20 (43.), 24:23 (50.), 28:24 (54.), 31:26 (Ende) - Zeitstrafen: 3:7 - Rote Karte: Sülzle (57., dritte Zeitstrafe) - Siebenmeter: 7/7 - 5/2 - - Beste Spielerinnen: Wild, Sohns - Reuter, Sülzle - Zuschauer: 100 - Schiedsrichter: Kull/von Wolff (HV Rheinhessen). |add