Radsport
Luxemburger Kockelmann gewinnt 34. Saarland Trofeo
Als der Schwede Ville Merlöv am Sonntagnachmittag ins Gersheim ins Ziel der 116 Kilometer langen Schlussetappe der Saarland Trofeo fuhr, wurde er von den zahlreichen Zuschauern besonders beklatscht. Aber nicht etwa, weil er die letzte Etappe des viertägigen A-Junioren-Rennens gewonnen hätte – sondern weil er breit lachte und tatsächlich noch einen „Wheelie“ machte. Der Etappensieger war da bei drückender Hitze schon minutenlang im Ziel: Der Pole Hubert Grygowski hatte sich auf der 300 Meter langen, engen Zielgeraden im Sprint bergauf gegen seinen Landsmann Michal Zelaszowski und den Deutschen Louis Leidert (Regionalteam Thüringen) durchgesetzt. Zelaszowski war am Samstag auf der zweiten Tagesetappe ins französische Bitche schon Zweiter geworden – hinter dem Luxemburger Mathieu Kockelmann.
Polen gewinnt Schlussetappe vor Landsmann
Kockelmann, der am Samstagabend ins grüne Trikot des Gesamtführenden geschlüpft war, ließ am Sonntag auf der heißen, unruhigen Etappe mit ganzen vielen Attacken und Ausreißversuchen nichts mehr anbrennen, gewann den Sprint des Hauptfeldes und durfte den Trofeo-Siegerpokal aus den Händen von Ministerpräsidentin Anke Rehlinger in Empfang nehmen. Zweiter wurde der Franzose Thibaud Gruel vor dem Norweger Jørgen Nordhagen, der auch das rote Trikot des besten Fahrers des jüngeren A-Jugend-Jahrgangs gewann.
Der eifrigste Trikotsammler der 34. Saarland Trofeo war indes ein Deutscher: Mauro Brenner. Der Fahrer des deutschen Nationalteams gewann das Bergtrikot, das des besten Sprinters und auch die Kombinationswertung dieser beiden Kategorien.
Rennleiter Walzer zieht zufriedenes Fazit
„Ich kenne ja schon viele Seiten des Radsports, aber meine erste Trofeo als Rennleiter war schon aufregend“, zog Ex-Weltmeister Andreas Walzer sein Fazit. Ab dem zweiten Tag sei es perfekt gelaufen, „ich bin absolut zufrieden“. Auch mit dem anspruchsvollen, 14 Kilometer langen Einzelzeitfahren am Samstag rund um Zweibrücken. Den beiden dabei schwerer verletzten Fahrern gehe es den Umständen entsprechend gut. Der kurz vorm Ziel gestürzte Niederländer habe nachmittags schon wieder an der Strecke gestanden, so Walzer. Der schwerer gestürzte Schwede habe sich wohl das Schlüsselbein, zwei Rippen und einen Finger gebrochen.
Beim Zeitfahren am Samstag war auch der frühere Kontinental-Profi beim Team Lotto-Kuota, Felix Drumm aus Mörsbach, Zaungast am Start. Der heute 27-jährige Polizeikommissar im Wechselschichtdienst, der in Saarbrücken lebt und in Kaiserslautern arbeitet, war genau vor zehn Jahren ins Peloton gerutscht – als Ersatzmann im älteren Jahrgang des deutschen Nationalteams. „Unglaublich, dass das schon zehn Jahre her ist. Ich hab’ schon Gänsehaut, wenn ich hier stehe“, bekannte Drumm, der von 2014 bis 2016 Deutscher Meister im Crossfahren war. Seit er 2017 seine Ausbildung bei der Polizei begonnen hatte, macht er sich auf dem Rad „keinen Stress mehr“. Was nicht heißt, dass er nicht noch vier- bis fünfmal pro Woche in den Sattel steigt und morgens vor dem Spätdienst mal eben 50 bis 60 Kilometer unter die Pedale nimmt.
Großen Organisationsaufwand betrieben
Auch Felix Drumm sah den Briten und späteren Sieger des Einzelzeitfahrens, Joshua Tarling, am Samstag lange auf dem „Hot Seat“ des Führenden sitzen. „Den haben wir rein zufällig im Archiv gefunden, hinten ist sogar das Stadtwappen drauf“, sagte Kulturamtsleiter Thilo Huble lachend zum dem thronartigen Sessel mit Holzschnitzereien.
Oberbürgermeister Marold Wosnitza, der vom Balkon des Rathauses auch mal das Treiben auf dem Herzogplatz fotografierte, hatte den ersten Fahrer auf die Reise geschickt. Wosnitza freute sich über das tolle Sportereignis, „ich hätte mir nur ein paar mehr Zuschauer gewünscht“, sagte er hinterher. „Wir werden uns jetzt mal zusammensetzen und das auswerten. Sicher können wir auch in Zukunft mal wieder Start- oder Zielort der Trofeo sein“, meinte er. Der organisatorische Aufwand für das von der Stadt gewünschte Einzelzeitfahren sei aber enorm gewesen. Allein rund 90 Helfer aus verschiedenen Ortsverbänden des Technischen Hilfswerks (THW) und 20 Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) haben an der Strecke Posten gestanden, die Helfer des RSC Zweibrücken und der „Luftpumpen Contwig“ nicht eingerechnet.