Zweibrücken Luft anhalten mit Pepe y Bravo
Seit Anfang des Jahres ist der 62-Jährige im Ruhestand. Weil er es nach wie vor gerne mit Kindern zu tun hat, will er jetzt seine zwei Enkel, eineinhalb und drei Jahre alt, in München öfter besuchen. „Ich bin ein stolzer Opa.“ Als solcher mache er mit den Kindern seines ältesten Sohnes das, was andere Opas auch machen: spielen, toben, Quatsch. „Als der erste Enkel unterwegs war, meinte meine Tochter: Der Papa will ein Kind, das gleich bespielbar ist“, sagt Franck und lacht. Ganz unrecht habe die Tochter nicht. In der Praxis habe er die Babys gerne betreut, „aber die sind noch nicht so individuell“. Interessant habe er es gefunden, wenn die kleinen Charaktere und Temperamente zum Vorschein kamen. „Dann macht’s richtig Spaß, wenn sie so drei bis sechs Jahre alt sind, anfangen mit Lego, Playmobil und Ähnlichem zu spielen und einem ihre Welt erklären.“ Das fasziniere ihn bei allen Kindern. Als Arzt habe er sich auch immer gefreut, wenn 15- bis 18-Jährige, die er schon als Kind behandelt hat, später ohne Eltern zu ihm kamen, „weil sie Vertrauen zu mir gefasst hatten“. Auch die Pubertät sei eine spannende und durchaus lustige Zeit, das Stereotyp vom übellaunigen Teenager stimme nicht. „Sie entwickeln und verändern sich, das ist alles.“ Er habe immer Freude daran gehabt, Familien über Jahre und Jahrzehnte zu begleiten und eben jene Entwicklungsschritte mitzuerleben. Zuletzt seien viele Eltern, die selbst schon seine Patienten waren, mit ihren Kindern gekommen. Er freue sich, wenn ehemalige Patienten ihn in der Stadt anquasseln oder ihm zuwinken. An die Gespräche mit den Eltern erinnert sich der Kinderarzt im Großen und Ganzen auch gerne. „Es ist nicht so, dass die alle inkompetent und unsicher sind. Die meisten haben ein Gespür für den richtigen Umgang mit ihrem Kind.“ In den Medien gehe es bei Erziehungsfragen oft um Extremfälle, und da entstehe oft ein falscher Eindruck. „Grundsätzlich hat jeder das Recht, bei der Erziehung kleine Fehler zu machen“, sieht der Vater von zwei Söhnen und einer Tochter die Sache nicht so verbissen. An den Rändern der breiten Mitte, in der es unauffällig zugeht, werde es aber tatsächlich extremer, das sei auch ihm als Arzt aufgefallen. „Es gibt immer mehr Eltern, die nur auf das eigene Kind fixiert sind, rechts und links davon nichts und niemanden sehen und keine Verantwortung mehr für Gemeinschaften und letztlich die Gesellschaft übernehmen wollen.“ Das sei fatal, vor allem für die Kinder. Am anderen Ende der Skala nehme auch die Zahl der Eltern zu, „denen alles egal zu sein scheint, die sich um die schulische oder auch sonstige Entwicklung ihrer Kinder nicht kümmern.“ Das sei noch schlimmer als die sogenannten Helikopter-Eltern, die ständig über dem Nachwuchs kreisen. Was hat sich noch geändert seit 1990? Als er anfing, so Franck, seien ausländische Kinder in seiner Praxis noch eine Rarität gewesen. „Zuletzt hatten wir Patienten aus 40 Herkunftsländern.“ Früher sei er mit Englisch und Französisch gut durchgekommen, doch dann habe das nicht mehr gereicht, „da habe ich mir auch mal noch zwei, drei Brocken Arabisch angeeignet“, sagt der Pragmatiker. Manchmal habe auch ein Übersetzer mit in die Sprechstunde kommen müssen. Er habe sich bei allen immer um eine verständliche Sprache bemüht, „es nutzt ja nichts, wenn ich den Leuten Fachausdrücke um die Ohren haue und sie nichts verstehen“. Ab und zu mussten auch Bilder her. Oder Comics. Um etwa den kindlichen Affektkrampf – Wegschreien, bis die Luft wegbleibt – zu veranschaulichen, habe er „Asterix und Obelix in Spanien“ in der Praxis liegen gehabt. Darin hält der kleine Spanier Pepe y Bravo regelmäßig so lange die Luft an, bis die Römer tun, was er will. Und was macht der Arzt im Ruhestand noch, außer die Enkel in Bayern besuchen? „Mit meiner Frau und unserem Boxer Hugo spazierengehen. Bluesrock hören. Und Sport gucken: Handball, American Football, Fußball natürlich auch.“ Und ab und zu an seine 20 000 jungen Patienten zurückdenken. Die Nachfolge Die Nachfolge von Michael Franck tritt die Kinderärztin und Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche Anette Koschela an. Sie wird unterstützt von den Kinderärztinnen Sabine Moser und Nicole Semar, die sich einen Versorgungsauftrag teilen