Zweibrücken Lob für Schmitshauser Schnaps
Der berühmte Autor Salman Rushdie erinnert in seinem Nachruf zum Tod von Günter Grass daran, dass er vor Jahren schon Journalisten gesagt habe, sie werden viel zu spät merken, was für ein großer Mann der Verstorbene war. In Zweibrücken hätte es einer solchen Mahnung nicht bedurft: Nämlich dann nicht, als Grass nach dem Erscheinen des „Butt“ im Jahr 1977 Gast bei einem Redaktionsgespräch der RHEINPFALZ in Zweibrücken war.
Alle Anwesenden waren sofort beeindruckt, wie nett und bescheiden der Gast war, der mit seiner Frau Ute in die damalige Redaktion in der Hauptstraße gekommen war. Und da der ehemalige Verlagsleiter Dr. Noe als Gastgeber auch Gäste vom „Pfälzischen Merkur“ dazugeladen hatte, erwies sich Grass einmal mehr als der „Erzieher“, wie man ihn kannte und schätzte: Zeitungen, Mitbewerber, könne es nie genug geben, und man müsse sich vielfach informieren, und sich eine eigene Meinung bilden. Und sie dann auch sagen, meinte er. Natürlich fehlte es in der Journalistenrunde nicht an Lob für die „Blechtrommel“, die ja schon lange Jahre ein Riesenerfolg, ein Welterfolg, war. Grass hörte es gerne. Auch damals fehlte nicht die Anmerkung des Danzigers, wie wichtig für alle in Europa ein aufrichtiger Kontakt zu Polen sei. Sein Jahrhundertwerk hat für diese Freundschaft wirklich getrommelt, das lässt sich im Nachhinein bestätigend sagen. Salman Rushdie vergisst in seiner Erinnerung nicht, darauf zu verweisen, dass zu Beginn seiner Freundschaft mit Grass auch Schnaps getrunken wurde. Das war bei dem Redaktionsbesuch des Autors in Zweibrücken nicht anders: Von dem „Fachmann“ gab es höchstes Lob für den Inhalt der Flasche, welche die Journalisten vorsorglich besorgt hatten. Der langjährige Redaktionsleiter Christian Schweppenhäuser wusste, was er anbot: Aus Schmitshausen war der Klare, der Grass bei dieser überaus angenehmen Gesprächsrunde so mundete. Dem Redaktionsbesuch am Vormittag schloss sich eine Autorenlesung vor Schülern im Hofenfels-Gymnasium an: Routiniert las Grass aus seinem „Butt“, er hatte dabei aufmerksame Zuhörer. Und manch nachdenklichen dazu, was für Günter Grass, den „Unruhestifter“, auch wichtig war. (red)