Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Kurt Werles neue Collage: Hommage an Sepp Semar

Kurt Werle und seine neue Collage, 115 mal 100 Zentimeter groß, in die historische Elemente eingearbeitet sind. Es kann in der L
Kurt Werle und seine neue Collage, 115 mal 100 Zentimeter groß, in die historische Elemente eingearbeitet sind. Es kann in der Luitpoldstraße 28 nach Absprache (Telefon 06332/43951) besichtigt werden. Spiegel mitbringen!

Eine so ungewöhnliche Hommage gab es in Zweibrücken noch nie: Kurt Werle (81) nahm das, was Sepp Semar (1901-1971) übrig ließ und macht ein neues Kunstwerk draus. Und er baut Zweibrücker Geschichte mit ein. Natürlich spiegelverkehrt – wie immer – denn der gelernte Schriftsetzer denkt anders.

Ein Schweißer an der Stange und ein Metallarbeiter am Rad zieren das Verwaltungsgebäude von Tadamo Demag in der Dinglerstraße. Es ist ein Wandschmuck mit Brandeisen und Malerei von Zweibrückens berühmtestem Grafiker Sepp Semar. Es gibt noch mehr Semar-Kunst an Zweibrücker Hausmauern – und jetzt ein Relief als Hommage. Es heißt schlicht „Geschichtsdaten“ und stammt von Kurt Werle.

Auch die Brandeisenfigur mit dem tanzenden Harlekin und der Blume hing einst an einer Wand: im Haus des Merkur, erzählt Kurt Werle. Weil ihm die Figur gefällt, hat er sie genommen und weiterbearbeitet, als Hommage an Sepp Semar. Er füllt den Umriss mit Buchstaben und Bildern und ergänzt ihn.

Werle, gelernter Schriftsetzer und Inhaber der ehemaligen Druckerei Merkur Druck Werle, warf nach dem dem Ende der Druckerei 2013 die alten Buchstaben, Klischees und die anderen Hilfsmittel zum Drucken (alle in Spiegelschrift, also seitenverkehrt, weil sie ja Druckvorlagen sind) nicht weg, sondern sammelte sie. „Ich habe etwa 200 Schriftkisten“, sagt er stolz. Weitere 200 hat er schon dem Museum geschenkt. Heute sind diese Setzbuchstaben Raritäten, sie werden nicht mehr hergestellt und erzielen Preise von sechs bis acht Euro pro Buchstabe, weiß Werle. Er macht aus seinen Buchstaben Setzbildkunst, Collagen: Wörter und kurze Sätze. „Wichtige Ereignisse aus der Stadtgeschichte aus 700 Jahren sind mit einem kleinen Erklärungstext drin, zum Beispiel, wann der Rosengarten in Dienst gestellt wurde.“

„Sepp Semar hatte auch zehn Zeichnungen als Klischees, die ich eingebaut habe“, sagt Werle, der Sepp Semar persönlich kannte. Werle weiß auch, dass Semar wegen seiner Nazi-Vergangenheit in der Nachkriegszeit in Zweibrücken nicht sehr beliebt war, „aber die Briefmarke, die er für Hitler entwarf, hat er schön gemacht.“ Doch die ist nicht drin, dafür gibt es andere kleine Kupferklischees wie ein Kreuz, die Fleurop-Figur und andere Entwürfe, von denen viele nicht wissen, dass sie von Semar stammen.

Zu den weiteren Fundstücken zur Zweibrücker Geschichte, die Werle verarbeit hat, gehört eine Urkunde in Würdigung des Besuches von König Leopold von Bayern in der alten Herzogstadt Zweibrücken angesichts des ersten königlich-bayerischen Frühlingsfestes von 2010 (Duplikat), und eine handschriftliche Rechnung des Zweibrücker Druckers Georg Ritter von 1643 für Rimschweiler Wahlzettel. Die nächste Collage hat Kurt Werle schon im Blick: seine eigene Grabplatte – in Spiegelschrift natürlich.

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