Zweibrücken Kurt Werle hat schon immer viel Druck gemacht – auch als Kicker
Die Stadt Zweibrücken hat schon einige lokale Legenden hervorgebracht. Kurt Werle, der am 25. Januar seinen 85. Geburtstag feiert, ist sogar eine doppelte: als Fußballer und in seinem Handwerk, der sogenannten Schwarzen Kunst. Für die hat er unter anderem als selbstständiger Schriftsetzermeister Unvergessliches geleistet.
In Saarbrücken geboren, kam Kurt Werle schon im zarten Alter von zwei Monaten nach Zweibrücken, wo er bis heute lebt. Nach dem Besuch der Pestalozzi-Schule absolvierte er zu Beginn der 1950er-Jahre in der damaligen Druckerei Wilms seine Ausbildung zum Schriftsetzer. In Saarbrücken legte er 1965 die Meisterprüfung ab. Als Inhaber der ehemaligen Druckerei Merkur Druck Werle in der Luitpoldstraße – dort befindet sich heute das Druckmuseum – war der Jubilar von 1983 bis 1999 selbstständig tätig. Dort hat er etliche Setzer und Drucker ausgebildet. Nach 1999 übertrug Kurt Werle die Firmenleitung an seine Tochter Heike. Ihr stand er noch bis vor gut zehn Jahren mit Rat und Tat zur Seite.
Nachdem die EDV-Pioniere Steve Jobs (Apple) und Bill Gates (Microsoft) das klassische Drucker- und Schriftsetzerhandwerk mit nicht minder epochalen Erfindungen abgelöst hatten, schuf der Zweibrücker Jubilar in den vergangenen Jahren einige einzigartige Kunstwerke aus Relikten aus dem Gutenbergschen Zeitalter – etwa Bleibuchstaben und typografischem Material jeglicher Art und Größe. Hierbei handelt es sich um gewissermaßen bleischwere Unikate aus der Vergangenheit; eigentlich bestimmt für die Ewigkeit. Unzweifelhaft werden diese Schöpfungen von Kurt Werle eines Tages zum Vermächtnis Zweibrückens als einer der ältesten Druckerstädte der Welt gehören. In deren Historie hat sich Kurt Werle als einer der würdigsten Repräsentanten erwiesen.
Lokale Fußball-Legende
Neben dem Setzkasten war der Fußballsport ständiger Begleiter auf dem Lebensweg des Jubilars. Bereits als Achtjähriger hatte Kurt Werle beim SV Bubenhausen gekickt, einem Vorläuferverein des TSC Zweibrücken. In den 1960er- und 1970er-Jahren bestritt Werle im Trikot des TSC Zweibrücken auf dem Wattweiler Berg als Ausnahmespieler manche Fußballschlacht. Kurios verlief 1996 ein Torwandschießen nach ZDF-Sportstudio-Maßstäben im Hause Möbel Martin: Sechs Treffer hatte bis dato noch keiner geschafft, aber Kurt Werle versenkte das runde Leder fünfmal in die Löcher und hat somit quasi gleichgezogen mit den Weltstars Günter Netzer und Rudi Völler. Vor 38 Jahren hat er mit dem Fußballseniorenclub Zweibrücken eine sozial agierende Organisation regionaler Fußballfamilien gegründet, die schon in Funk und Fernsehen gewürdigt wurde.
Die Schar seiner Gratulanten am 25. Januar ist zwar altersbedingt kleiner geworden. Sie ist aber immer noch groß genug, um seiner Geltung als Fußballer, Druckerzunft-Koryphäe, Familienvater und Freund gerecht zu werden. Gratulanten an erster Stelle sind seine Ursel, mit der er seit 58 Jahren verheiratet ist, Tochter Heike, Sohn Andreas, Enkelin Laura, Karl Koyne und der Schriftsetzermeister Dieter Bischoff: Letzterer war sein dankbarer Lehrling von 1963 bis 1966 und Mitspieler beim TSC von 1966 bis 1969.