Zweibrücken
Kunstvoll Kürbislampen schnitzen: Zweibrücker erklärt, wie’s geht
Konzentriert hantiert Wolfgang Gros mit einem großen Kürbis im Wintergarten seiner Nachbarn. Gespannt beobachtet ihn Nachbarstochter Soe. Es ist Halloween und Gros wird für die Neunjährige einen gruseligen Kürbis schnitzen, der am Abend die Besucher vor ihrem Wohnhaus im Zweibrücker Stadtteil Bubenhausen zum Staunen bringen wird. Die RHEINPFALZ hat dem Kürbiskünstler dabei zugesehen und sich die einzelnen Schritte erklären lassen.
Zuerst hat Soe die Qual der Wahl, denn sie soll ein Motiv auszusuchen, das den Kürbis später zieren soll. Eine Hexe? Eine Spinne? Oder doch lieber eine Kuh? Der Vorlagen-Fundus, den Gros über die Jahre angesammelt hat, bietet eine große Auswahl. Immerhin schnitzt Gros nicht zum ersten Mal eine Kürbis-Lampe. „Ich habe damit vor rund 20 Jahren angefangen, als uns eine Mitarbeiterin gezeigt hat, wie das geht“, erinnert sich der ehemalige Head-Greenkeeper vom Golfplatz am Hitscherhof.
Bei speziellen Halloween-Turnieren seien dort sogar Kürbisse in den Parcours eingebaut worden. Gros befasste sich immer mehr mit dem Kürbisschnitzen und stellte mit der Zeit einfach seinen Nachbarn in Bubenhausen an Halloween Kürbisse mit unterschiedlichen Motiven vor die Tür.
Messer schräg halten beim Deckel abschneiden
Soe entscheidet sich schließlich für eine Katze. Doch bevor sich Gros mit dem Motiv befasst, zeichnet er eine Linie auf den oberen Teil des Kürbisses, an der er den Deckel ausschneidet. „Dabei muss man das Messer schräg ansetzen, damit es eine schräge Kante gibt. Sonst fällt der Deckel später in den Kürbis“, betont er. Dann wird der Kürbis ausgehöhlt. Das funktioniert mit einem Küchenlöffel. Er sollte einen kurzen Stiel haben, damit man im Inneren gut hantieren kann.
Der Kürbis müsse gründlich ausgeschabt werden. „Dann hält er länger. Bleiben Fäden drin, faulen sie schnell.“ Die Innereien landen nicht zwangsläufig im Müll: „Die Kerne kann man in der Pfanne rösten, aus dem Fleisch kann man Kürbissuppe kochen“, sagt Gros.
Motiv wird erst in Kürbis gestochen
Als Nächstes wird die Vorlage mit Tesafilm auf den Kürbis geklebt. Mit einem spitzen Gegenstand, zum Beispiel einem dünnen Schraubenzieher, werden dann Löcher entlang der Konturen durch das Papier in den Kürbis gestochen. Die werden später mit einem Stift verbunden. „Je dichter die Löcher beieinander sind, umso genauer wird die Kontur zum Schnitzen.“ Das ist ganz schön viel Arbeit und man braucht viel Geduld und ein ruhiges Händchen dafür.
Sind alle Löcher fertig, zieht Gros die Vorlage ab. Das Ergebnis: ein Gemüse mit vielen kleinen Löchern. Von einer Katze ist da nichts zu erkennen. Die Löcher sollen aber mit einem Stift verbunden werden zu einer Linie, entlang derer Gros die Katze herausschneiden kann. Damit er weiß, welches Loch er mit welchem verbinden muss, spitzelt er dabei oft auf die Vorlage.
So ist am Ende doch noch eine Katze auf dem Gemüse zu erkennen und Gros greift zu einer kleinen Handstichsäge.
Doch einfach drauflos sägen kann er nicht. Da das Sägeblatt so dünn ist, kommt es nicht durch die harte Kürbisschale. Deshalb bohrt Gros zuvor Einstichlöcher mit einem dünnen Bohrer hinein. Sind alle Teile ausgesägt, werden die Kanten mit Zewa abgewischt und als letzter Schliff: „Den Kürbis gründlich mit Haarspray einsprühen, dann hält er länger“, empfiehlt Gros. Nach rund drei Stunden übergibt er sein fertiges Kunstwerk der strahlenden Soe. Glücklich bestückt sie es mit einem Teelicht und drapiert es erstmal auf dem gruselig dekorierten Tisch im Wintergarten.
Je nach Wetterlage beträgt die Lebensdauer des Kürbislichts laut Gros zwei bis vier Tage. Dann fault das Gemüse.