Zweibrücken Kroh: Stadt soll mehr Bauplätze schaffen

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Der frühere Zweibrücker Baudezernent Jürgen Kroh hat seit geraumer Zeit Bauchschmerzen. Im übertragenen Sinne. Seiner Meinung nach erschließt die Stadt zu wenig Baugebiete und kann den Bedarf junger Familien an Bauplätzen nicht mehr erfüllen. Vor dem Hintergrund der schrumpfenden Einwohnerzahl und der Überalterung der Gesellschaft sei dies eine Fehlentwicklung. Kroh: „Die Stadt muss rechtzeitig gegensteuern.“

Neue Baugebiete im Außenbereich auf der grünen Wiese zu erschließen, sei in der Stadtpolitik seit einigen Jahren passé. Der Blick richte sich von der Peripherie nach innen. Die Vorgabe laute, verstärkt Baulücken zu schließen und auf Leerstände hinzuweisen. Wobei Kroh sich auch vorstellen kann, leerstehende innerstädtische Häuser abzureißen und dort neu zu bauen. Doch das sei die Theorie, verweist der ehemalige Ortsvorsteher von Wattweiler auf Beispiele aus seinem Wohnort. „In Wattweiler gibt es seit mindestens 40 Jahren die gleichen Leerstände.“ So lange wohnt Kroh bereits in dem Zweibrücker Stadtteil. Wenn er sich anschaue, warum dies so ist, dann komme er zu der Überzeugung, dass die Eigentümer zum einen nicht verkaufen wollen, zum anderen aber auch keine marktgerechten Preise verlangen. Und überwiegend handele es sich um alte Häuser mit Zimmergrößen, die heutzutage nicht mehr nachgefragt sind. Kroh regt an, dass die Stadt ein Programm auflegen könnte, um solche alten, leerstehenden Häuser gezielt aufzukaufen und die Gebäude abzureißen, um dort schließlich neue Bauplätze ausweisen zu können. Die Leerstände in Wattweiler beschränken sich nach Krohs Angaben fast ausschließlich auf die Hauptverkehrsstraße durch den Vorort – also die Bliestalstraße. Diese Häuser seien teils „richtige Schandflecke“. Kroh, der lange Jahre bis zu den letzten Kommunalwahlen dem Zweibrücker Stadtrat angehörte, erinnert sich, dass die Stadt in den 80er Jahren mal ein Baulückenkataster erstellt hat, das alle Grundstücke erfasste. „Es waren über 500 Baulücken.“ Die Stadt habe die Eigentümer der Grundstücke damals alle angeschrieben und darauf hingewiesen, dass dort noch gebaut werden darf. „Objektiv kann dort gebaut werden, aber subjektiv kommt man da nicht weiter“, sagt Kroh. Viele hätten die Bauplätze für ihre Kinder oder Enkel reserviert oder betrachteten das Grundstück als Geldanlage. „Da spielt auch Spekulation mit rein, dass der Grundstückspreis steigt.“ In der Vergangenheit sei das auch immer so gewesen. Kroh ist daher skeptisch, dass es ausreicht, den Bedarf an Bauplätzen über Baulücken schließen zu können. In den 80er Jahren habe schon mal die Überzeugung vorgeherrscht, keine neuen Baugebiete mehr auszuweisen. „Dies hat dazu geführt, dass die jungen Zweibrücker in die umliegenden Dörfer gingen, um dort ihr Eigenheim zu bauen“, so Kroh. Dann sei die Stadt umgeschwenkt, und Mitte der 90er Jahre sei das Neubaugebiet Beckerswäldchen mit 237 Bauplätzen entstanden. „Da gibt es keine Baulücken“, betont Kroh. Danach habe die Stadt nur noch in den Vororten Baugebiete ausweisen wollen. Es habe ewig gedauert, bis das Gebiet „Auf dem Sand am Hasensteig“ in Ernstweiler baureif war. Die Grundstücke „Auf Äckerchen“ in Mittelbach-Hengstbach seien zuletzt ruckzuck verkauft gewesen. Innerhalb eines halben bis dreiviertel Jahres sei das Gebiet schon fast zugebaut. Auch das Baugebiet „Am Bohnrech“ in Contwig sei stark nachgefragt. Kroh: „Daran sieht man, dass in der Stadt und im Umland ein großer Bedarf an Bauplätzen besteht.“ Es gebe viele Leute, die keine Baulücke als Grundstück wollen und auch kein altes Haus kaufen würden. „Wenn einer 300 000 bis 500 000 Euro in die Hand nimmt, dann will er das neue Haus selbst planen und bauen und kein älteres kaufen“, meint Kroh. Deshalb sei es wichtig, Neubaugebiete auszuweisen. Geschehe dies nicht, gingen der Stadt Bauwillige verloren. „Vor allem jungen Familien muss man Bauplätze anbieten können. Die brauchen wir, um den rückläufigen Bevölkerungszahlen entgegenzuwirken“, sagt Kroh. Das sei auch wichtig für den Erhalt der Kindertagesstätten und Grundschulen. Wenn die Stadt selbst Grundstücke in einem Baugebiet besitze – wie „Auf Äckerchen“ in Hengstbach –, sei dies ein Vorteil, weil sie dann die Bebauung besser steuern könne. Im Kaufvertrag könne man dann festlegen, dass innerhalb von zwei Jahren gebaut werden muss, sonst falle das Grundstück wieder zurück an die Stadt. So vermeide man Baulücken, denn dann kaufen nur Bauwillige – und keine Spekulanten. Die Weichen müssen laut Kroh schon bald neu gestellt werden, „denn ein Bebauungsplanverfahren dauert heute mindestens acht Jahre“. Wenn keine neuen Verfahren eingeleitet würden, könne die Stadt bei Interessenten nur auf Baulücken und den Altbestand an Häusern und Wohnungen verweisen. „Junge Familien ziehen dann ins Umland.“ Kroh sieht derzeit zwei mögliche Neubaugebiete in Zweibrücken: am Eitersberg und am Ölkorbberg. Das größere Baugebiet könne sich vom Eitersberg in Richtung Kreuzberg ziehen. Am Ölkorbberg könnten 40 Bauplätze entstehen. Dort waren die städtischen Pläne schon recht weit gediehen – bis man Scherben einer alten römischen Villa fand und dann die Pläne begrub.

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