Hintergrund Kritik an DFB-Statistik zu Gewaltvorfällen im Fußball
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) frohlockt und teilt dies seiner Basis mit: „Im zweiten Jahr in Folge sind die Gewalt- und Diskriminierungsvorfälle zurückgegangen. In der Saison 2024/2025 wurden 829 gewalt- oder diskriminierungsbedingte Spielabbrüche im organisierten Spielbetrieb registriert. Das sind neun Prozent weniger als im Vorjahr und bedeutet den niedrigsten Stand seit Ende der Corona-Pandemie vor vier Jahren. Bezogen auf die Gesamtzahl von rund 1,286 Millionen Partien mit abgeschlossenem Spielbericht waren 0,06 Prozent der Spiele von einem Abbruch betroffen.“ Das gehe aus dem „Lagebild Amateurfußball“ hervor.
Grundlage der Statistik sind die Spielberichte der Schiedsrichter – und auch nur die. Der Deutsche Fußball-Bund sieht die zu Beginn der vorigen Saison eingeführte „Kapitänsregel“ und das DFB-Stopp-Konzept als zentrale Maßnahmen zur Gewaltprävention an. Auch die Wertschätzung der Schiedsrichter sei deutlich angestiegen, heißt es.
Organisation „Roots“ widerspricht deutlich
Dem widerspricht indes „Roots“ – eine Organisation, die sich gegen Rassismus im Sport stark macht. Sie unterstellt dem DFB, dass sein „Erfassungssystem versagt“ habe. Die Arbeit von Roots mit Rassismus-Betroffenen mache deutlich, wie groß die Lücke zwischen Statistik und Realität sei. Viele „selbst eindeutige Fälle“ würden erst gar nicht angezeigt, aus Misstrauen den Sportgerichten gegenüber und auch beispielsweise aus Angst, sofort Antisemitismusvorwürfen ausgesetzt zu sein. „Hinter den gemeldeten Fällen verbirgt sich ein enormes Dunkelfeld für verschiedene Diskriminierungsformen, das es gemeinsam mit Betroffenen und der Zivilgesellschaft zu erhellen gilt“, teilt Roots in einer Pressemeldung mit.
Wie sieht es im Fußballkreis Pirmasens/Zweibrücken mit Blick auf Gewalt- und Diskriminierungsvorfälle aus? „Bei uns gibt es recht wenige Fälle dieser Art“, sagt Kreisvorsitzender Reiner Ehrgott dazu. Und es seien in der Tat in den letzten beiden Jahren auch weniger geworden. Fakt sei, dass „der Fußball sehr viel gegen Rassismus tut und Menschen in die Gemeinschaft integriert“. Gleichwohl sei jeder einzelne Fall einer zu viel, sagt Ehrgott. „Schade“ findet es der Chef des Fußballkreises dagegen, dass die sehr fairen Gesten im Fußball nicht die gleiche Beachtung finden.
Im Kreis: Wenige Fälle, aber wohl hohe Dunkelziffer
Sascha Geisler, Obmann der Schiedsrichter im Kreis, vermutet indes schon, dass die „Dunkelziffer wohl hoch“ sein könnte, denn „nur was wir Schiedsrichter mitbekommen, können wir ja auch weitergeben“. Und für einen alleine verantwortlichen Schiedsrichter, so wie überall in den „Buchstabenklassen“ A, B, C, und D, sei es unmöglich, alles zu registrieren. Die Kapitänsregel habe sich mittlerweile gut bewährt, so Geisler. Doch daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, sie für einen Rückgang der Gewalt- und Diskriminierungsvorfälle heranzuziehen, sei zumindest fraglich.
Wie Geisler weiter anmerkt, ist der Umgangston „rauer“ geworden. Die Hemmschwelle gegenüber den Schiedsrichtern sei noch mal gesunken. Schiedsrichterbeleidigungen seien keine Seltenheit. Geisler findet: „Da greifen nur harte Strafen der Sportgerichte.“
Von einer „viel zu hohen Grauzone“ spricht indes auch Christoph Wolf, der Sportvorstand des SV Palatia Contwig. Zuletzt war eine junge Linienrichterin verbal von Contwiger Fans angegangen worden. Wolf: „Das ist ein heikles und sensibles Thema, das wir in unserem Verein noch nie hatten.“ Am Ende hätten sich die Spieler gegen die eigenen Fans gestellt. So ließen sich Diskriminierungsfälle effektiv bekämpfen.
Fussball im Kreis am Wochenende
Landesliga West, 12. Spieltag: u.a. SG Rieschweiler - SG Meisenheim/Desloch/Lauschied (Samstag, 17 Uhr), TuS Bedesbach/Patersbach - TSC Zweibrücken (So, 16)
Bezirksliga Westpfalz, 14. Spieltag: u.a. VfB Reichenbach - SV Palatia Contwig, SV Battweiler - SV Mackenbach (beide Sonntag, 15 Uhr)
A-Klasse PS/ZW: TuS Erfweiler - SVN Zweibrücken (Freitag, 19.45 Uhr), SV Lemberg - SV Hermersberg II (Sa, 16), SG Rieschweiler II - SG Heltersberg/Geiselberg (So, 13.15), FC Fehrbach - TV Althornbach, FK Petersberg - SG Rimschweiler/VB Zweibrücken, SV Trulben - FK Clausen (alle So, 15), SG Maßweiler/Höhmühlbach - TSC Zweibrücken II (So, 15.15, in Höhmühlbach), SG Weselberg/Linden - SV Martinshöhe (So, 16)
A-Klasse KUS-KL: u.a. SG Bechhofen/Lambsborn - FV Weilerbach (Sonntag, 15 Uhr)
B-Klasse PS/ZW West: SV Hochstellerhof - SG Rimschweiler/VB Zweibrücken II (Samstag, 15 Uhr), SV Battweiler II - Hilster SV (So, 12.45), TuS Winzeln - SV Obersimten, SV Hornbach - SV Martinshöhe II, SV Bottenbach - SG Knopp/Wiesbach, SSV Höheinöd - SV Großsteinhausen, FC Höheischweiler - SV Gersbach (alle So, 15), SV Ixheim - SC Stambach (So, 15.30)
C-Klasse PS/ZW West: FK Petersberg II - SG Knopp/Wiesbach II (Sonntag, 12.45 Uhr), SV Palatia Contwig II - SV Ixheim II, TuS Wattweiler - SV Großsteinhausen II, FC Kleinsteinhausen - SG Thaleischweiler-Fröschen, SG Höhfröschen/Rieschweiler III - SVN Zweibrücken II, TSG Mittelbach - SG Maßweiler/Höhmühlbach II (alle So, 15)
Frauen Landesliga Mitte: u.a. TuS Münchweiler/Alsenz - SG Stambach/Ixheim/Rimschweiler (Samstag, 18 Uhr).