Zweibrücken
Kranbauer: Endfertigung zieht komplett an Standort Zweibrücken
Bereits im Frühjahr 1993, als das Kran-Produktionswerk auf dem Zweibrücker Wallerscheid in Flugplatznähe in Dienst gestellt wurde, hatte es Pläne für den Bau eines zweiten Haupttors gegeben. Elmar Potdevin, seinerzeit Werkleiter der ersten Stunde, durfte am Dienstagnachmittag als Ehrengast miterleben, wie seine 30 Jahre alte Idee jetzt doch noch Wirklichkeit wurde.
Die Manager Jan Wieser, Benjamin Schaal und Werkleiter Peter Orfey, die heute Verantwortung für den Zweibrücker Tadano-Standort tragen, hatten den Pensionär Potdevin zur Öffnung des neuen Ausfahrtstores eingeladen. Dieses ermöglicht, dass die bis zu sechsachsigen Kran-Ungetüme ab sofort im Einbahnverkehr die Ringstraßen auf dem Werksgelände befahren. „Das dient auch der Sicherheit unserer Mitarbeiter“, sagt Europa-Vizepräsident Jan Wieser. Vor allem aber fließe der Verkehr der fahrenden Hebemaschinen effizienter, die Tadano hier bald auf neuartige Weise produzieren wird. Die Zweibrücker Kranbauer fertigen Hebefahrzeuge für den Straßen- und Geländeeinsatz an. Mit Tragleistungen je nach Modell von 45 bis zu 300 Tonnen.
Chassis aus Franken, Ausleger und Montage in Zweibrücken
In zwei deutschen Städten stellt die japanische Gesellschaft Tadano Krane her: in Zweibrücken in der Dinglerstraße und am Wallerscheid sowie im fränkischen Lauf/Pegnitz. Letztere Adresse soll sich künftig ganz aufs Anfertigen der Fahrzeugchassis nebst Fahrgestell und Führerhaus konzentrieren. Diese sogenannten Unterwagen fahren dann nach Zweibrücken auf den Wallerscheid, wo die hier am Ort produzierten Ausleger-Arme aufmontiert werden. „Die Endmontage unserer Maschinen soll komplett in Zweibrücken erfolgen; und hier werden sie auch an die Endkunden ausgeliefert“, erläuterte Jan Wieser am Dienstag. Mit der Endfertigung zweier erster Kran-Typen aus dem Tadano-Sortiment soll das neue Produktionsverfahren Ende 2022 in Serie gehen. Eine Strategie, für die das Einbahn-System mit dem zweiten Werkstor auf dem Wallerscheid eine grundlegende Voraussetzung ist. Wie Benjamin Schaal auf Nachfrage erläutert, sind einige wenige erste Prototypen bereits nach dem neuen System montiert worden. „Um unsere Teams in Lauf und Zweibrücken zu trainieren und die Abläufe zu optimieren.“ Mittelfristig, ergänzt Schaal, werde Tadano Deutschland all seine Ausleger nur noch in Zweibrücken anfertigen. Die letzten Ausleger-Produktionslinien, die es heute noch in Lauf gibt, würden dort dann nicht mehr gebraucht.
Schrittweise werde die Kranen-Endmontage in den nächsten Jahren nach Zweibrücken verlegt – Modell für Modell. „Damit erzielen wir ein viel höheres Produktionsvolumen, denn unsere Krane werden gebraucht“, ist sich Jan Wieser sicher. Bedarf wachse nicht zuletzt an den turmhohen Raupen-Gitterkranen für den Einsatz beim Windräder-Bau, die auf dem Dingler-Gelände hergestellt werden. „In Deutschland hatte der Ausbau der Windenergie in den vergangenen Jahren gestockt“, sagt der Manager. „Aber jetzt zieht’s deutlich an. Das sehen wir daran, dass sämtliche Maschinen, die wir im Markt haben, derzeit im Arbeitseinsatz sind.“ Mit Blick auf die Energiewende schätzt Wieser die Zukunftsperspektiven für große Kranfahrzeuge deutlich besser ein als die Aussichten der klassischen Auto- und Zulieferindustrie. „Deshalb werden wir hier weiter investieren.“
Geld in die Hand nehmen möchten sie bei Tadano auch, um eine Wasch- und Inspektionshalle für frisch endgefertigte neue Krane zu bauen. Ob die ausgelagerte Endabnahme-Plattform im ehemaligen Dinglerwerk Bierbach – dort ist Tadano zurzeit noch eingemietet – auf längere Sicht benötigt wird, sei noch nicht entschieden.
Umstellung auf Photovoltaik
Aktuell wird bei Tadano in Zweibrücken im Ein-Schicht-Betrieb gearbeitet – täglich von 6 bis 14 Uhr. „Auch, um Energie zu sparen“, blickt Jan Wieser gespannt dem 21. Juli entgegen, an dem sich entscheiden soll, ob wieder russisches Erdgas nach Deutschland geliefert wird. Sollte sich das Gas weiter verknappen, „wären wir als produzierendes Unternehmen ja nicht in der ersten Priorität, um weiter damit beliefert zu werden“, sagt der Vizepräsident. Tadano versuche derzeit, gemeinsam mit John Deere eine Anerkennung als „systemkritische Infrastruktur“ zu erwirken. Dann hätte man auch in Notzeiten das Recht, weiter mit Erdgas versorgt zu werden. „Andere Firmen versuchen das natürlich ebenfalls.“
Um unabhängiger zu werden, beginne man in der Dinglerstraße, auf Photovoltaik umzustellen. „Der Wallerscheid bietet sich dafür ebenfalls an“, erinnert Wieser an die „fast 16.000 Quadratmeter Werksdach, die wir hier haben“.
Zehn Ausbildungsplätze noch unbesetzt
An den beiden Zweibrücker Tadano-Standorten verdienen zusammen etwa 1200 Beschäftigte ihre Brötchen; knapp 40 davon als Leiharbeiter. Zehn der 36 zum September verfügbaren neuen Ausbildungsplätze sind nach Schaals Worten noch vakant. „Wir suchen immer noch nach Lehrlingen; deshalb haben wir noch mal in den Schulen geworben. Junge Leute hatten bei uns noch nie so gute Chancen auf eine gute Berufsausbildung mit derart hervorragenden Aussichten auf Übernahme.“
Für Samstag, 10. September, plant Tadano Zweibrücken einen öffentlichen „Tag der Ausbildung“, bei dem das Unternehmen jetzt schon seine Angebote für das Lehrjahr ab Herbst 2023 vorstellen möchte.
Zitiert
„So einen großen Kran könnte die Stadt Zweibrücken gut gebrauchen. Da könnten wir unsere Schulden schön von einem Eck ins andere rüberheben.“
Oberbürgermeister Marold Wosnitza als Zuschauer bei der ersten Kran-Einfahrt durch das neue Tor bei Tadano