Zweibrücken
Krachleder: Jetzt erst recht – bis der Regen es anders will
Etwas kühl war es am Donnerstagabend auf dem Flughafen, kühler jedenfalls, als man es Anfang August erwarten sollte. Doch das trübte weder die Stimmung des Publikums noch die der Künstler. Denn über das Thema Liebe und alles drumherum kann man immer singen, egal wie das Wetter ist. Feschen Jungs in kurzen Lederhosen wird dabei allemal warm.
Zum pulsierenden Beat von Matthias Reims „Verdammt ich lieb’ dich“ gingen die Hände der Besucher in die Höhe zum Mitklatschen. Liebeslust und Liebesfrust kamen in den kraftvoll-trotzigen Klängen sehr gut zum Ausdruck, der groovige E-Basssound harmonierte wunderbar mit den metallischen Blechbläsern.
Fetziger Rocksound
Die Jungs der rheinland-pfälzischen Band, die seit 2013 gemeinsam spielen, sorgten mit ihrer Mischung aus Bierzeltmusik und fetzigem Rocksound sehr schnell für steigende Temperaturen bei ihren Zuhörern, und rissen sie zum Mitmachen mit.
Sehnsuchtsvoll-nostalgisch begann die Band David Hasselhoffs „Looking for Freedom“. Wie in einer Ballade erzählt der Sänger mit heller, klarer Stimme von sich selbst und davon, dass er alles hatte, was man für Geld kaufen konnte, und dass sein Leben dennoch unerfüllt war. Doch schnell schlug die Stimmung um, hart pochender Beat setzte ein, Paare tanzten spontan vor ihren Strandkörben, andere bewegten sich am Platz.
Bläser bringen Dynamik
Ballade, Rock und Schlager verband Krachleder in dem Song „Es tut mir leid, Pocahontas“ (2016) von Annen May Kantereit. In dem Arrangement mit Blechbläsern gewann der Song eine neue Dynamik, der fetzige Sound ließ Schmerz und Trotz der Entschuldigung über die verpatzte Beziehung umso unmittelbarer wirken und schlug bei den schnellen Rhythmen in eine „Jetzt erst recht“-Partylaune um.
Immer wieder forderte die Band ihre Besucher zum Mitsingen auf. Doch das funktionierte weitaus weniger gut als das Mitklatschen, nur wenige beteiligten sich, die Klänge waren entsprechend zart und kaum verständlich. Vor allem bei dem Almklausi-Song „Wie heißt die Mama von Niki Lauda“ wollte es mit dem Mitsingen nicht klappen. Aber davon ließen sich die Profis von Krachleder nicht aus dem Konzept bringen: Schwungvoll donnerten sie die Antwort „Mama Laudaaa“ über das große Areal des Flugplatzes, klar verständlich bis auf den letzten Platz.
Ungezwungener Plauderton
Auch die Moderationen von Krachleder waren unterhaltsam: In ungezwungenem Plauderton beglückwünschte der Sänger einen Kollegen zum 30. Geburtstag am Vortag und wandte sich ans Publikum: „Jetzt haben wir aber mal was zum Kuscheln für euch. Holt eure Feuerzeuge raus, eure Handys, alles was leuchtet, und natürlich könnt ihr mitsingen. Ja, das könnt ihr, da bin ich mir ganz sicher“, machte er dem Publikum Mut.
Eindringlich beschwor er die Gefühle für seine Geliebte in Peter Maffays „Du bist das Mädchen, das zu mir gehört“ in der malerischen Ballade, doch im Refrain schlug die Stimmung um: Rockiger Sound begleitete den Appell „Du allein kannst mich versteh’n“, in den alle einstimmten.
Dann begann es zu nieseln
Röhrenden Rock präsentierte die Band mit einem Klassiker von Johnny Cash aus den 60er Jahren, dem „Ring of Fire“. Die kehlig-raue Stimme des Sängers und der immer schneller werdende Beat ließen alle die zunehmende Abendkühle vergessen.
Das musikalische Feuer konnte den mit leichtem Nieseln beginnenden Regen nicht löschen. Als sich dann noch der Himmel immer mehr verdunkelte, beschloss die Band aus Sicherheitsgründen, gegen 21.30 Uhr das Konzert abzubrechen. Die Zuschauer akzeptierten diese Entscheidung mit Bedauern und „Zugabe“-Rufen, machten sich aber sehr diszipliniert auf den Weg zu ihren Autos.