Zweibrücken
Komponist Dieter Mack schreibt für ein ganz besonderes Duo
Das Stück „Eclat“ von 2022, das Mack eigens für das Duo schrieb, ist schon so etwas wie ein Klassiker, das Duo spielt es am Samstag zum elften Mal, so Sebastian Voltz, Musiklehrer am Zweibrücker Hofenfels-Gymnasium. Das ist für ein so junges Stück etwas Außerordentliches. Inzwischen ist auch Voltz’ Duopartner Max Riefer Musiklehrer in Zweibrücken, am Helmholtz-Gymnasium. Doch in erster Linie sind beide versierte Interpreten zeitgenössischer Musik, die weltweit agieren – wie der 1954 in Speyer geborene Komponist Dieter Mack.
Ruhe und Explosion
„Eclat“ war schon in Pirmasens, Kaiserslautern, Saarbrücken, zu hören, nun kommt es nach Zweibrücken. Doch warum heißt es „Eclat“? Dieter Mack, der am Samstag um 18 Uhr im Medienraum neben dem Herzogsaal in das Konzert einführt, erklärt es im Gespräch: „Der Titel ist eine Reminiszenz an die beiden Musiker, für die ich das Stück geschrieben habe. Und es gibt eine Stelle, die wie ein Eklat im Verlauf wirkt: Nach einer ganz ruhigen Passage, wenn man denkt, das Stück endet, explodiert es plötzlich. Die beiden rasen dann über vier Seiten in einem rhythmischen Unisono. Insofern ist der Titel auch symbolisch im Stück angelegt, der Ursprung ist aber der Name des Ensembles. Je öfter sie es spielen, desto mehr freue ich mich. Oft werden Stücke von mir gespielt, ohne dass ich davon weiß. In diesem Fall wusste ich es, weil wir drei privat eng befreundet sind – auch durch die Asienkontakte.“
Es gibt eine Aufnahme des Stücks von Voltz und Riefer aus Indonesien, Jakarta. „Das war bei einem Komponisten zu Hause“, erläutert Sebastian Voltz. Dort hat das Duo auch andere Werke gespielt, die am Samstag in Zweibrücken zu hören sind: „Through the Fog, Dancing“ von der Komponistin Joey Tan (Singapur) und „Zeuvi“ von dem Amerikaner Peter Edwards.
Im Kern nur eine Melodie
Zurück zu „Eclat“. Voltz mag das Stück, es sei „extrem interessant, superfarbig und und zum Spielen eine absolute Herausforderung.“ Mack beschreibt es so: „Es basiert im Kern auf einer einzigen Melodie, Melodie in Anführungszeichen. Es gibt eine Einleitung und eine Art Ausklang, ansonsten sind es Variationen über diese Melodie. Die Variationen sind so auseinandergezogen und rhythmisch verzerrt, dass man sie bewusst nur bedingt als solche wahrnimmt. Es ist dennoch immer wieder die gleiche Melodie, die durchgeht – im Eklat-Teil dann komprimiert und so schnell wie möglich.“
Wie viele zeitgenössische Werke jenseits der üblichen klassischen Hörgewohnheiten ist es kurz, etwa 13 Minuten lang. Länger wäre auch nicht gut, meint Voltz, „der Anspruch an die Zuhörer ist ein bisschen heftiger als bei einer Mozartsonate.“
Klavier und Schlagzeug
Mack schreibt häufig kurze Stücke, was ist der Clou bei „Eclat“? „Mich hat interessiert, mit sehr begrenztem Material sehr unterschiedliche Wirkungen zu erzielen. Zweitens ist mir die enge Kooperation der beiden Spieler wichtig: Sie sind so ineinander verzahnt, dass man sie kaum unterscheiden kann. Manchmal klingt das Schlagzeug fast wie ein Klavier und das Klavier wie Schlagzeug“, meint Mack zu seinem Stück.
Er hat es Riefer und Voltz gewidmet, weil er sie schon länger kennt und schätzt. 2011 lernte Mack Max Riefer kennen. „Er studierte Schlagzeug in Freiburg, ich unterrichtete in Lübeck und war am Wochenende zuhause in Freiburg. Der Schlagzeugprofessor rief mich an und meinte, Max macht heute Abend sein Abschlusskonzert und spielt mit seinem Partner ein Stück von mir. Die Aufführung war dann eine der besten, die ich von diesem Stück je gehört habe – ein frühes Werk von 1983 mit dem Titel ,Lalangan’. Wir blieben in Kontakt. Ich hatte ein Ensemble mit zwei Saxofonen, Flöte und Klavier gegründet, brauchte einen Schlagzeuger und fragte Max. Dann ging Max für fünf Jahre nach Malaysia. Ich bin Indonesien-Spezialist, habe insgesamt über zehn Jahre in Indonesien gelebt. So ergab eines das andere. Als wir beide wieder zurück waren, haben Max uns Sebastian Voltz glücklicherweise wieder zusammengefunden.“
Zwölf Jahre Pause
Max Riefer, 1983 in St. Wendel geboren, und Sebastian Voltz, 1980 in Neunkirchen geboren, gründeten ihr Duo mit dem ungewöhnlichen Namen Les éclats du son bereits 2002, es wuchs zwischenzeitlich sogar zum Oktett bis 2010 Voltz sich dem europäischen Modern Jazz zuwandte und Riefer nach Südostasien ging. Nach zwölf Jahren Pause feierte das Duo 2022 Comeback mit einem Konzert und einer Liveübertragung mit Fokus auf Neuer Musik in Südostasien beim Saarländischen Rundfunk Saarbrücken. 2024 gingen sie mit Werken von Peter Ivan Edwards, Dieter Mack, Joey Tan und weiteren jungen Komponisten aus Südostasien, auf Konzerttournee durch Singapur, Indonesien und Malaysia, eins dieser Konzerte kann man auf Youtube sehen und hören.
Mack verrät, dass er zurzeit in Spirkelbach bei Hauenstein weilt. Dort hat er eine Ferienwohnung gemietet - zum Komponieren. „Das passt gut zu den Konzerten in Zweibrücken. An den beiden Zweibrücker Gymnasien mache ich Workshops zum Konzert und über balinesische Musik“, sagt der muntere Komponist und emeritierte Musikprofessor, der so gar nichts Elitäres an sich hat. Zu Hause in Freiburg zu komponieren, sei nicht so einfach. Seine Frau ist Pianistin und wenn sie spielt, kann er nicht konzentriert komponieren. „Ich muss allein sein und meinen Rhythmus leben können: nachts um vier aufstehen, mittags hinlegen, spazieren gehen. Der kompositorische Prozess ist sehr familiär“, sagt er und lacht.
Er schreibt die Noten zuerst mit der Hand. „Das war auch Pflicht für meine Studierenden. Danach kann man es in ein Notensatzprogramm übertragen. Der erste Schritt muss analog sein – sonst komponiert der Computer mit. Das ist gefährlich. Gerade in Asien ist das populär.“
Macks neue Werke
Gerade hat er ein Stück für Orchester und Solo-Sopran fertiggestellt („eine größere Sache, an der ich lange gearbeitet habe“). Als Nächstes steht ein Trio für die ungewöhnliche Besetzung Posaune, Klavier und Schlagzeug an, ein Auftragswerk. Der Posaunist ist Soloposaunist im SWR-Sinfonieorchester, der Schlagzeuger sein ehemaliger Lübecker Kollege, und der Pianist Dozent an der Musikhochschule Freiburg. „Die drei spielen seit rund 20 Jahren zusammen und machen sehr originelle Programme“, meint Mack – wie das Duo Les éclats du son denkt man sofort. Das hat das ihm gewidmete Stück von Mack und weitere auch im Studio aufgenommen für eine CD, die wohl noch im Sommer erscheint, wie Sebastian Voltz verrät.
Konzerte
Zweibrücken, Herzogsaal, Herzogstraße 9, 18. April, 19.30 Uhr: „Thridhama“, Werke von Dieter Mack, Peter Ivan Edwards, Joey Tan und freie Improvisationen, Karten: ticket-regional.de
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