Pro und Contra RHEINPFALZ Plus Artikel Kleiderordnung an Schulen: Erziehung oder Entwicklungsverhinderung?

Bauchfrei zum Unterricht? Das soll es an den Mannlich-Realschule nicht mehr geben.
Bauchfrei zum Unterricht? Das soll es an den Mannlich-Realschule nicht mehr geben.

Markus Meier, Rektor der Mannlich-Realschule hat mit einem Elternbrief, in dem er an die strenge Kleiderordnung an seiner Schule erinnerte, für Furore gesorgt. Sind solche Regeln sinnvoll? RHEINPFALZ-Mitarbeiter Paul Helmut Kreiner und Julie Maurer sind geteilter Meinung.

Pro

Schule bedeutet Bildung. Und diese Bildung besteht nicht nur aus dem allgemeinen Schulstoff rund um mathematische Kurvendiskussionen und dem Periodensystem. Auch das passende Verhalten im Alltag, ein selbstsicheres, ordentliches Auftreten gehören zur Schulbildung dazu. Und damit auch ein Dresscode.

In der Schule sollen junge Menschen auf das Erwachsenenleben vorbereitet werden, auf die Jobsuche, auf eine erfolgreiche Karriere. Schon Gottfried Keller wusste es ganz genau: Kleider machen Leute. Bei einem Vorstellungsgespräch, im Job und sonstwo in der Öffentlichkeit macht es absolut kein gutes Bild, taucht man mit schlabbriger Jogginghose, ausgewaschenem T-Shirt samt dämlichem Spruch und am besten noch ausgelatschten Schuhen auf. Dass Rektor Markus Meier anständige Kleidung in seiner Schule von seinen Schützlingen erwartet, ist daher absolut nachvollziehbar.

Drehen wir den Spieß um: Wird den Schülern kommuniziert, dass es egal ist, ob sie schludrig daherkommen oder nicht, wird ihnen eine gewisse Respektlosigkeit beigebracht. Auch eine Respektlosigkeit vor dem Lehrer, seinem Unterricht, vor der Institution Schule und somit auch vor dem Bildungssystem. Klar sind Jogginghose und Sweatshirt bequem. Doch stehen in der Schule immer noch Bänke und Tische aus Holz, keine Sofas und Couchtische.

Ein anderer Aspekt: Aufreizende Kleidung bei jungen Schülerinnen muss nicht leger aussehen. Doch sie ist in der Schule ebenfalls absolut fehl am Platz. Jugendliche sind im mittleren Schulalter vor allem eines: hormongesteuert. Als junger Bursche kann es stimulierend sein, wenn die hübsche Klassenkameradin heute ein besonders knappes Oberteil trägt. Nicht zu vergessen ist hierbei aber die unmittelbare „Gefahr“, dass der Jugendliche dann – von seinen Pubertäts-Hormonen gesteuert – vielleicht nicht mehr im Unterricht aufpasst. Zugegeben das geringere Übel, da es nur sein eigenes Vorankommen in der Schule negativ beeinflusst. Schlimmer wäre, wenn er meint, seine „Männlichkeit“ lautstark zu beweisen. Das wiederum stört dann den Unterricht – unnötigerweise – für alle anderen Schüler. Ebenso ist möglich, dass sich gleich mehrere Jungen von dem knappen Outfit angesprochen fühlen, die Folge: Streit und womöglich körperliche Auseinandersetzungen, um sich gegenseitig zu beweisen, wer der „männlichste“ ist.

Contra

Als Schülerin sollte ich ein Recht darauf haben, selbst entscheiden zu dürfen, was ich anziehen möchte und was nicht. Die Schule würde mir verbieten, mich über meine Kleidung und meinen Stil auszudrücken. Somit wird die Entfaltung und die Entwicklung meiner Persönlichkeit gestört. Ich verstehe natürlich, dass eine Kleiderordnung gut gemeint ist und Schülern helfen soll, falsche Entscheidungen zu vermeiden. Jedoch helfen mir Verbote nicht dabei, meine eigenen Erfahrungen zu machen. Falls meine Kleiderwahl wie eine Jogginghose oder ein bauchfreies Top tatsächlich ein Fehler sein sollte, kann ich daraus lernen und nächstes Mal eine bessere Entscheidung treffen. Verbote stacheln vor allem Jugendliche meist eher dazu an, über die Grenzen hinauszugehen und auch dagegen zu rebellieren. Wie ich an meiner Schule selbst erlebe, führt diese gewollte Einschränkung der Schülerrechte zu Konflikten und Diskussionen zwischen einigen Schülern und Lehrern. Es stimmt vielleicht, dass Erwachsene durch ihre eigenen Erlebnisse oft besser einschätzen können, was gut für Kinder ist, aber dadurch werden wir unserer eigenen Erlebnisse beraubt, die wichtig für unser Leben wären. Und nur, weil wir jung sind, heißt das nicht automatisch, dass wir keine Ahnung von der Wirkung unserer Kleidung haben.

Beispiel: Ja, wenn ein Schüler eine Jogginghose und einen Oversize-Pullover trägt, kann das anhand der bequemen Kleidungswahl symbolisieren, dass der Schüler keine Lust auf die Schule hat und sich nicht anstrengen möchte – aber dann liegt das Problem nicht an der Kleidung, sondern an der grundsätzlichen Einstellung des Schülers. Ein Verbot zum Tragen dieser Kleidung würde dem Schüler nicht dabei helfen, diese Einstellung abzulegen, es würde das Ganze wohl nur noch schlimmer machen. Der Schüler würde versuchen, seinen Frust auf eine andere Weise zu präsentieren.

Ist es nicht vielleicht besser, das Problem nicht an der Kleidung der Schüler zu suchen? Statt einem Verbot könnte man Schülern auch erklären, was denn an der Art, wie wir uns kleiden, falsch ist. Somit können wir die Beweggründe besser verstehen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine Entscheidungsfreiheit Kinder verantwortungsbewusster handeln lässt, was ihnen im späteren Leben nicht nur bei dem Aspekt der Wahl von Kleidung helfen kann. Durch Einsicht werden wir auf jeden Fall mehr lernen können als durch Verbote.

x