Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Kein Freund schreiender Architektur

„Bei uns in der Familie gab’s nur Architekten und Lehrer“, sagt Horst Grub schmunzelnd zu seiner Berufsfindung.
»Bei uns in der Familie gab’s nur Architekten und Lehrer«, sagt Horst Grub schmunzelnd zu seiner Berufsfindung. Foto: sai

Denkt man sich alle Bauwerke weg, die Horst Grub in einem langen Berufsleben in seiner Heimatstadt Zweibrücken verwirklicht hat, gäbe es in der Stadt einige Lücken. Oder Objekte, die sich deutlich weniger ansehnlich präsentierten als derzeit. Heute wird der Architekt und altgediente VTZ-Handballer 80 Jahre alt – und geht immer noch täglich ins Büro.

Eigentlich wollte er ja schon nach seinem 70. Geburtstag sein berufliches Engagement deutlich runterfahren, aber er kann nicht anders. „Ich halte es einfach nicht aus ohne ...“, erläutert Horst Grub lachend, warum er doch jeden Tag für etwa fünf Stunden in sein Architekturbüro in der Gutenbergstraße 16 kommt. Wenn Sohn Martin, ebenfalls Geschäftsführer, in Urlaub ist, durchaus auch mal noch das ein oder andere Stündchen länger. Horst Grub ist eben Architekt und Baumeister mit Leib und Seele. Zehn Mitarbeiter hat die Firma heute plus drei Extra-Mitarbeiter, die für Haustechnik zuständig sind.

Familiär geprägt

„Bei uns in der Familie gab’s nur Architekten und Lehrer“, verdeutlicht er schmunzelnd, wie es ihn Anfang der 60er in diesen Berufszweig verschlug. Der Vater war Bauingenieur bei Dingler, der vier Jahre ältere Bruder Siegfried wurde ebenfalls Architekt. „Ich habe schon immer sehr gerne gezeichnet, da war eine Veranlagung“, erzählt er weiter. Das tue er im Übrigen heute noch gerne, hin und wieder im Urlaub, schränkt aber gleich ein: „Nur wenn ich gut drauf bin und die nötige Ruhe habe. Das kommt selten genug vor.“

Nach dem Besuch des Naturwissenschaftlichen Gymnasiums in Zweibrücken studierte Grub erst an der Ingenieurschule für Hochbau in Kaiserslautern, dann an der Technischen Hochschule in München. Nach dem Diplom 1967, dem Jahr, in dem er auch seine Frau Inge heiratete, arbeitete er zunächst in der Firma seines Bruders mit. 1972 half ihm dann nach eigener Aussage ein Glücksfall, sich selbstständig zu machen. „Da sollte das Evangelische Krankenhaus neu gebaut werden. Das beauftragte Architekturbüro Krauß war aber nicht spezialisiert auf den Neubau eines so großen Krankenhauses mit Kosten von 51 Millionen Mark.“ Krauß, Siegfried und Horst Grub gründeten daher eine projektbezogene Architekturgemeinschaft und stemmten den Neubau gemeinsam. „Welcher junge Diplomingenieur hat denn sonst die Chance, in so ein Projekt einzusteigen?“, staunt Horst Grub heute noch.

Sechs Jahre dauerte der Bau des Krankenhauses, es folgten viele weitere öffentliche Bauten. „Wir haben uns danach gleich um Folgeaufträge bemüht, uns den Wettbewerben gestellt und viele auch gewonnen“, erinnert sich Horst Grub. Das erste eigene Firmendomizil stand in der Petristraße 1; dort, wo Sohn Andreas heute noch wohnt. Im Jahr 2000 zog die Firma dann an ihren jetzigen Standort in der Gutenbergstraße.

Rathaus, Festhalle, Rosengarten

Das neue Verwaltungsgebäude des Umwelt- und Servicebetriebs in der Oselbachstraße, die Feuerwehrwache, der Kubus am Eingang zum Rosengarten, natürlich die Festhalle – das Zweibrücker Schmuckstück – der neue Sitzungssaal im Rathaus: Horst Grub hat in all den Jahren viele Projekte auf den Weg gebracht. Dass das Krankenhaus inzwischen nicht mehr genutzt wird, tut ihm weh, „für den Erhalt der Himmelsbergkapelle kämpfe ich daher“.

„Mir ging es nie um schreiende Architektur, es sollte dem Bauherrn nutzen“, erklärt er seinen Arbeitsstil. Und: Architekten seien bildende Künstler, die an den Kosten und Terminen gemessen werden. Das war bei der Festhalle so, beim Rathaus, das zum Schwarzbach hin über seine ganze Länge elf Zentimeter geneigt war und aufwendig stabilisiert werden musste, oder auch bei den 15 Toilettenhäuschen quer über rheinland-pfälzische Autobahnen. Diese Verquickung in die Realität fand er immer besonders schön und spannend an seinem Beruf, aber auch die Denkmalpflege wie zum Beispiel beim ehemaligen Benediktinerkloster St. Fabian in Hornbach.

Handballer mit Leib und Seele

Heute gratulieren ihm seine Frau Inge, die Söhne Martin und Andreas mit ihren Ehefrauen und die vier Enkel ebenso wie die große Handballerfamilie der VT Zweibrücken. Denn auch dort ist Horst Grub nicht wegzudenken. Der Ehrenamtler des Jahres 2008 der Saar-Handballer, Ehrenmitglied der VTZ und der VTZ Saarpfalz, gehört immer noch als Stellvertreter dem Vorstand der VTZ Saarpfalz an. „Ich habe das Gefühl, dass ich immer noch gebraucht werde“, meint der umtriebige Jubilar schmunzelnd. Es geht ihm gesundheitlich gut, riesige Träume habe er nicht mehr. Aber: „Es ist schon spannend, den Werdegang der Enkel in der Schule, beruflich oder im Handball zu verfolgen.“

Reisen würde er gerne mal wieder, vielleicht nach Griechenland oder auf die dortigen Inseln. Die antike Architektur hatte es ihm schon immer angetan. Dafür müsste er allerdings mal ein paar Tage Pause im Büro einlegen.

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