Zweibrücken Kein Bedarf für Flüchtlingshäuschen
Mit der Ankunft erster Kriegsvertriebener aus der Ukraine waren die für 2,3 Millionen Euro vom Land Rheinland-Pfalz errichteten Notunterkünfte wieder in den Blickpunkt geraten. Anlass seiner Bemerkung, so Wosnitza, seien noch immer nahezu stündlich bei der Stadt über verschiedene Kanäle eintreffende Anfragen, ob denn die der Bundespolizei gehörenden Einfachunterkünfte, sogenannte Shelter, nicht jetzt zur Unterbringung von Ukrainern zu nutzen seien. Derzeit sei man gut in der Lage, die bisher 349 in Zweibrücken angekommenen kriegsvertriebenen Ukrainer in festen Wohnungen unterzubringen, und habe auch noch einen Puffer, sagte Wosnitza. Man habe dennoch die Häuschen am Flughafen begutachtet und eine Kostenschätzung veranlasst. Ergebnis: Alleine, um die auf die Unterbringung von vier Personen ausgelegten Wohncontainer beziehbar zu machen, müsste die Stadt mehrere 100.000 Euro aufbringen. Hinzu käme die Einrichtung von Sanitäranlagen und Versorgungseinheiten. Toiletten und Kochnischen gehören nicht zur Ausstattung der Beton-Shelter. „Ich hoffe, dass wir nie in eine Situation kommen, auf die Häuschen zurückkommen zu müssen“, sagte der Oberbürgermeister am Montag. Sollte sich die Lage zuspitzen, müsste der Bund als Eigentümer zunächst einmal über eine Freigabe befinden.
Rotes Kreuz: Shelter nur in größter Not eine Option
Auch Hans Prager, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes, will nur in allergrößter Not auf die Option am Flugplatz zurückgreifen. Auch beim DRK werde ständig nach den Häuschen gefragt. Prager erinnert daran, dass in der Krise 2015 zunächst das ehemalige Terminal des Flughafens belegt war und die Einfachunterkünfte auf dem ehemaligen Parkplatz danach erst als vorsorgliche Ergänzung errichtet wurden. Sie wurden letztlich nur für wenige Wochen genutzt, und nie ganz. Weil die Behörden von einer zentralen zu einer dezentralen Unterbringung der damals vor alle aus Syrien Geflüchteten übergehen konnten, eine Verteilung auf die Gemeinden gelang. Die immer wieder die Häuschen Ansprechenden müssten verstehen, dass es für eine Unterbringung mit den Containern nicht getan sei. „Herzstück damals war ein großes Versorgungszelt. So etwas einzurichten und zu betreiben, ist sehr aufwendig, das muss man wissen. Ich halte die jetzige Lösung der Unterbringung in den Wohnungen der Gewobau für optimal“, sagte der DRK-Kreisgeschäftsführer.
In der Ontariostraße hat das DRK einen sogenannten „Care-Point“ eingerichtet. Dort, in einer überlassenen Wohnung der Gewobau, stehen DRK-Mitarbeiter für Fragen und Ansprache der im selben Gebäude oder der Nachbarschaft wohnenden Geflüchteten bereit; zum Teil findet Kinderbetreuung statt; und zwei Ärzte, ein Internist und ein Kinderarzt, wollten in Kürze dort Sprechstunden abhalten. Das Angebot der Ärzte richte sich nicht nur an die in der Canadasiedlung Untergebrachten, sondern an alle nach Zweibrücken geflüchteten Ukrainer.
Prager: Sehen schwer traumatisierte Menschen
Laut Hans Prager seien die Angekommenen besonders schutzbedürftig, nicht nur, weil es sich bei mehr als einem Drittel um Kinder und Jugendliche handele. „Wir haben es mit schwer traumatisierten Menschen zu tun, die zum Teil in einem desolaten Zustand ankamen. Ihr größtes Bedürfnis ist zu schlafen, ohne von Bomben bedroht zu sein.“ Er selbst sei Zeuge einer tiefen Verstörung der Menschen geworden. „Wenn einmal ein Rettungshubschrauber über die Canadasiedlung fliegt, ducken sie sich, suchen Deckung“, berichtet Hans Prager. Der DRK-Kreisverband stehe in engem Austausch mit dem ukrainischen DRK. Das sei in dieser Situation, wo Vertrauen gewonnen werden muss, eine große Hilfe.