Zweibrücken Jetzt geht’s erst richtig los

91-69932837.jpg

Drei Jahre hat Yann Loup Adam an seinem CD-Erstling „Carte de Visite“ gearbeitet. Die Mühe hat sich gelohnt. Die 17 Songs und Chansons aus eigener und fremder Feder, bisweilen auch mit der Unterstützung des Papas, dem Lothringer Chansonnier Marcel Adam, sind eine erste, gleichwohl beeindruckende Standortbestimmung eines jungen Künstlers mit viel Potenzial.

Die Qualität eines Künstlers mag man auch daran ermessen, welche Mitstreiter er rekrutieren kann. Das ist nicht unbedingt eine Kostenfrage, sondern eher eine der Wertschätzung. Natürlich ist der Vater dabei, aber auch Gitarristen-Größen wie Guido Allgaier oder Joscho Stephan, Christian Di Fantauzzi am Akkordeon, Sebastian Voltz am E-Piano oder Laurent Kremer als Gitarrist, Bassist und Sänger. Wer so viele gute Leute um sich versammeln kann, kann selbst kein ganz Schlechter sein. Yann Loup Adam ist mit seinen 22 Jahren schon ein richtig Guter. „Carte de Visite“ ist der zutreffendste Titel für diesen CD-Erstling. Nicht nur, weil das Titelstück selbst eine erste künstlerische Standortbestimmung thematisiert, die ganze CD ist als solche zu betrachten. Eigene Songs wie das touristische „New York Country“, das verstörende „Umzug aus dem Norden“, Fortschreibungen wie „J’aime la maman du bébé“, das sein Vater geschrieben hat und dem das nun erwachsene „bébé“ eine weitere Strophe angehängt hat, als Dankeschön und Unabhängigkeitserklärung zugleich. Zu hören sind Lieder von den Großen der Zunft, etwa „Né dehors“ (draußen geboren) und „La corrida“ von Francis Cabrel, „Là-bas“ (da drüben) von Jean-Jacques Goldman oder „Der Emigrant“, für das Yann Loup Adam die Musik zu einem Text seines Vaters beigesteuert hat. Dazu kommen Covers wie John Mayers „You’re Body Is A Wonderland“ oder der 60er-Jahre-Hit „Aline“ von Daniel Bevilacqua alias „Christophe“. Französisch, Deutsch, Englisch, Adam bedient sich vieler Sprachen und Stile. Die meisten der Titel hat Yann Loup Adam schon seit einiger Zeit in seinem Bühnenprogramm, das dem hiesigen Publikum aus mehreren Auftritten im Haus am Lindenbrunnen in Vinningen präsent ist, wo Adam als Begleiter seines Vaters oder zusammen mit dem fabelhaften Gitarristen Guido Allgaier spielte. „Carte de Visite“ offeriert eine gewaltige Bandbreite an Stimmungen und Stilen, ist mal ernsthaft, mal traurig, immer mal wieder kauzig. Bei jedem Ton hört man die bereits beträchtliche Bühnenroutine des jungen Künstlers heraus, der von seinen Mitmusikern, allen voran Manouche-Jazz-Zauberer Joscho Stephan, als exzellenter und zuverlässiger Begleitgitarrist gelobt wird. Am erstaunlichsten ist aber, dass dieser Mix an Stilen und künstlerisch so gewichtigen Liedern nicht als wahlloses Kraut-und-Rüben daherkommt. „Carte de Visite“ ist das selbstbewusste Statement eines jungen Künstlers, der inzwischen in Saarbrücken lebt und uns durch die Blume mitteilt: „Hört her, das alles kann ich, und jetzt geht’s erst richtig los.“ CD Yann Loup Adam: „Carte de Visite“, 17 Tracks, 70 Minuten, Leico Records. www.yannloup.de

x