Zweibrücken Jede Stunde ein Telefonat von Zweibrücken in die Ukraine
Die Zweibrückerin Nataliya Leshchuk, die aus der Ukraine stammt, hält engen Kontakt zu ihren Eltern, die trotz des Krieges in der Heimat bleiben wollen, in Lwiw, dem ehemaligen Lemberg in der Westukraine. Ihre Schwester mit Familie ist indes schon in Zweibrücken angekommen, weitere Menschen aus der Ukraine sind hierher unterwegs.
Für alle, die noch kommen werden, möchte Leshchuk eine Anlaufstelle bieten. Im Café Antares am Schlossplatz sollen die Fäden zusammenlaufen. Dort fand vor wenigen Tagen auch die Gründungsversammlung für eine deutsch-ukrainische Gesellschaft als Teil der Paneuropa-Union statt. Außerdem soll ein Spendenkonto eingerichtet werden. Leshchuk erhofft sich Hilfe von der Zweibrücker Bevölkerung.
Auf Matratzen in Hauseingängen
Über Kontakte in die Heimat weiß sie um die Lage in den einzelnen Regionen, sieht Lwiw ganz im Westen, nur 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, noch als „relativ ruhig“ an. Auch der Flugplatz sei noch intakt. Das berichteten ihre Eltern, die auf keinen Fall aus der Stadt rauswollten. Dennoch: Die Leute hätten Angst vor Raketenbeschuss aus Belarus; mehrmals am Tag gebe es Warnungen. Lwiw sei voller Flüchtlinge aus dem Osten, die dort Station machten auf dem Weg in den Westen. Leshchuk: „Sie kommen erschöpft in Lwiw an, schlafen auf Matratzen in Hauseingängen, die ihnen die Bewohner hinlegen. Sie ruhen sich kurz aus, bevor sie über die Grenze nach Polen gehen.“
Wenn sie ihre Eltern – im Stundentakt – in Lwiw anruft und diese einmal nicht direkt ans Telefon gehen, macht sich Leshchuk sofort Sorgen. Ihre Schwester, ihr Schwager und die beiden Kinder haben sich sehr früh von Lwiw auf den Weg in den Westen, nach Zweibrücken, gemacht und sind jetzt bei ihr untergekommen. Sie brachten Geschichten mit von Frauen, die keinen Führerschein haben und deren Autos deshalb von freundlichen Grenzbeamten über die Grenze gelenkt wurden, weil die Männer an der Grenze kehrtmachen mussten. Manche ließen ihr Auto auch einfach stehen. Männer von 18 bis 60 Jahren dürfen das Land nicht mehr verlassen, sondern müssen es verteidigen.
„Bis jetzt denke ich, ich träume“
Weitere Personen aus der Ukraine, mit denen sie in Kontakt stehe, seien derzeit unterwegs und würden schon bald in Zweibrücken eintreffen, erzählt Leshchuk. Neben Unterstützung für die Neuankömmlinge sei sie auch gerade dabei, medizinische Hilfstransporte für ihre Heimat zu organisieren, und stehe im Gespräch mit mehreren Kliniken: „Die Hilfstransporte müssen im Land dann dahinkommen, wo die Hilfe am dringendsten benötigt wird, in die stark vom Krieg betroffenen Städte wie Charkiw, Odessa und Mariupol.“ Was gerade in ihrer Heimat passiert, könne sie immer noch nicht richtig fassen, sagt Leshchuk, „bis jetzt denke ich, ich träume“.
Info
Die deutsch-ukrainische Gesellschaft ruft für Mittwoch, 17 Uhr, zur Demonstration für Frieden auf dem Schlossplatz auf.