Handball
Janine Baus mischt im Zweibrücker Rückraum munter mit
Groß zu sein ist im Handball von Vorteil. Mit ihren 1,85 Metern überragt Janine Baus in der RPS-Oberliga nicht nur ihre Teamkolleginnen beim SV 64 Zweibrücken, sondern auch die meisten ihrer Gegenspielerinnen. Das wird auch am Sonntag so sein, wenn Baus mit den Zweibrückerinnen die VTV Mundenheim empfängt (Anwurf: 16 Uhr, Ignaz-Roth-Halle). Das Hinspiel gewannen die damals stark ersatzgeschwächten Zweibrückerinnen unter anderem dank der acht Treffer, die Baus zum 21:20-Erfolg beisteuerte.
Ersatzgeschwächt sind die Zweibrückerinnen auch im Rückspiel. „Es wird sich kurzfristig entscheiden, wer spielen kann und wie lange die Kraft jeweils reicht“, sagt SV-Trainer Rüdiger Lydorf mit Blick aufs sein auch coronabedingtes Lazarett. Dass im rechten Rückraum Janine Baus für Tore sorgt, darauf hofft er.
Treffsichere Linkshänderin
Baus’ Körpergröße allein reicht aber nicht, um gut Handball zu spielen. Die Heiligenwalderin bringt auch Sprungkraft, Technik, Tempo, taktisches Verständnis und Zweikampfstärke mit. Sie weiß, „dass ich noch viel lernen kann, lernen muss“. Das will sie. „Handball ist mein liebster Sport“, sagt sie, und sie möchte so hochklassig wie möglich spielen.
Nach 18 Partien bisher ist die 20-Jährige mit 98 Toren aktuell die erfolgreichste Zweibrücker Angreiferin. Gespielt wurden tatsächlich aber nur 17 Begegnungen. Für das Spiel beim Tabellenführer Kandel, das wegen Coronafällen auf beiden Seiten abgesagt wurde, fand sich im engen Spielplan kein passender Nachholtermin. Denn die Zweibrückerinnen haben noch zwei weitere Nachholspiele und stehen auch im Final-Four des Saar-Pokals stehen. Die Punkte gingen deshalb kampflos an Kandel.
Handball-Gene in die Wiege gelegt
Dass aus Janine Baus eine Handballerin wurde, war ihr ein bisschen in die Wiege gelegt. Die Gene von Mama, die selbst Handballerin war, setzten sich durch. „Papa hat Fußball gespielt“, erzählt die Linkshänderin, die sich im rechten Rückraum am wohlsten fühlt. „Meine Lieblingsposition“, sagt sie. Auch bei Papa Baus die Hände oft am Ball – er war Torwart. Janine wollte aber schon immer Bälle lieber ins gegnerische Tor werfen.
„Ich liebe Sport“, sagt die hochgewachsene junge Frau, die in der Jugend eine erfolgreiche Leichtathletin im Trikot der LG Saar 70 war. Sie war mehrfach Saarlandmeisterin, stark im Mehrkampf und Hochsprung. In der Altersklasse W15 war sie im Hochsprung 2015 Siebte bei den Deutschen Meisterschaften. 1,61 Meter übersprang sie damals, steigerte sich zwei Jahre später auf ihre Bestleistung 1,66 Meter. Danach entschied sie sich endgültig für den Handball. „Weil es ein Mannschaftssport ist“, sagt sie.
Beim TV Heiligenwald begann sie als Mini mit dem Handballspielen, wechselte nach Merchweiler. Ihr älterer Bruder Philipp spielte damals in Illtal. Das habe dazu geführt, „dass wir tatsächlich einmal gegeneinander gespielt haben“, erzählt Baus, die beim Regionalverband Saarbrücken ein Duales Studium zur Diplom-Verwaltungsassistentin absolviert. Nach dem Abitur am Rotenbühl-Gymnasium in Saarbrücken hatte sie zunächst ein Studium der Finanzmathematik begonnen. Der Studienbeginn fiel direkt in die Coronazeit. „Da habe ich nach wenigen Tagen gemerkt, dass das in dieser Form nichts für mich ist“, erzählt sie. Sie wollte mit Menschen zu tun haben, nicht allein im Zimmer sitzen und online studieren. Sie wechselte zum Regionalverband. Impfzentrum und Job-Center hat sie in der praktischen Ausbildung bereits durchlaufen. Aktuell ist sie beim Jugendamt. Die Theorie, das Studium, findet in Göttelborn statt.
Übers Camp 64 zum Verein
Der Weg der Baus-Geschwister mit dem guten linken Arm führte handballerisch nach Zweibrücken. Philipp Baus, der mit den Zweibrückern in der A-Jugend-Bundesliga etliche Erfolge feierte, durfte altersmäßig zuerst am Camp 64 teilnehmen. „Das hat ihm so gut gefallen, dass er nach Zweibrücken wechselte“, erzählt Janine. Als sie alt genug war, um selbst beim Camp mitzumachen, war sie so begeistert wie ihr Bruder.
Seit der C-Jugend spielt sie inzwischen für den SV 64. Dieses frühere C-Jugend-Team sollte jetzt sukzessive in die Oberliga reinschnuppern, gehört aber mittlerweile fest zum Team, wie unter anderem auch Lea Bullacher, Lucy Hilz und Hannah Müller. Die Spielerinnen bilden auch die dritte Mannschaft des SV 64, spielen noch in der Bezirksliga. „Hier Meister zu werden, ist schon unser Ziel“, sagt Baus. Oberste Priorität habe aber, „dass wir mit der ersten Mannschaft in der Oberliga den Klassenverbleib schaffen“, ergänzt sie.