Handball
Interview mit Rüdiger Lydorf, Trainer des SV 64 Zweibrücken
Herr Lydorf, wie bewerten Sie den bisherigen Saisonverlauf?
Es war klar, dass es eine schwere Saison wird. Wir mussten erneut einen großen Umbruch vollziehen, haben einige Spielerinnen mit viel Erfahrung verloren und spielen mit einer sehr, sehr jungen Mannschaft. Spielerisch bin ich – mit Ausnahme des Spiels in Budenheim – zufrieden. Dass es nicht mehr Punkte sind, hat verschiedene Ursachen.
Welche Ursachen sind das?
Die Liga ist in diesem Jahr sehr stark besetzt. Da macht sich die angesprochene fehlende Erfahrung stärker bemerkbar. Leider hat es mit der geplanten Rückkehr von Renata Wilga nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt hatten. Sie hätte diese fehlende Erfahrung mitgebracht. Ich bin aber sehr froh, dass sich Katrin Hoffmann entschieden hat, uns zu helfen und ihre Erfahrung einzubringen. Das tut der Mannschaft gut. Ein Problem ist, dass wir in fast allen Partien gut beginnen, zu viele Chancen liegenlassen und deshalb meist früh einem Rückstand hinterherlaufen müssen. Das kostet Kraft. Im Bemühen, diesen Rückstand aufzuholen, treffen die Spielerinnen nicht immer die richtigen Entscheidungen. Genau das hat mit fehlender Erfahrung und Ruhe zu tun. In beiden Spielen, die wir gewonnen haben, ist uns das nicht passiert. In diesen Spielen sind wir in Führung gegangen.
Gibt es weitere Gründe?
Handball hat viel mit Psychologie zu tun. Wir sind sehr gut gegen den Drittliga-Absteiger Marpingen gestartet, haben die folgenden Partien gegen Mundenheim und Wörth unglücklich verloren. Gewinnen wir die beiden Spiele, gewinnt die Mannschaft Selbstvertrauen und die Saison nimmt einen ganz anderen Verlauf. Das haben wir schon oft erlebt. Man muss an dieser Stelle aber festhalten, dass die Mannschaft viel Moral hat, nie aufgibt, immer viel probiert. Egal, wie groß der Rückstand ist.
Sie sind im achten Jahr Trainer beim SV, vollziehen im achten Jahr gefühlt den achten Umbruch im Team. Wie ist das als Trainer?
Ob es der achte Umbruch ist, weiß ich nicht, aber es waren ein paar (lacht). Ja, manchmal komme ich mir vor wie ein Jugendtrainer, der jede Runde, längstens jede zweite Runde, eine komplett neue Mannschaft trainiert. Im Jugendhandball ist man darauf eingestellt, im Aktivenbereich nicht. Aber es gibt immer wieder Dinge, die sich nicht beeinflussen lassen. Zum Beispiel, dass eine Spielerin wie Lucy Dzialoszynski, die fest eingeplant war, im Frühjahr aus privaten und beruflichen Gründen wieder in ihre Heimatregion zurückkehrt. Auch die Torhüterinnenposition traf es. Die war doppelt besetzt. Dann wurde wenige Tage vor dem geplanten Wechsel ein Bundesgesetz geändert, was es der zweiten Torhüterin, die aus Serbien gekommen wäre, unmöglich machte, bei uns zu spielen. Darauf hatte niemand eine Einflussmöglichkeit. Ich gebe zu, es wäre schön, wenn man mit einer Mannschaft mal bei 80 Prozent in die Vorbereitung starten könnte. Oft sind es viel weniger, weil viele Spielerinnen neu sind.
Aber es gibt positive Entwicklungen im Saisonverlauf?
Auf jeden Fall. Das Rückzugsverhalten hat sich gebessert. Die Deckung steht in vielen Teilen deutlich stabiler. Das eröffnet Kontermöglichkeiten. Dabei spielt unsere Torhüterin Annalena Zahm eine große Rolle. Sie hat sich enorm verbessert, hilft, das Spiel von hinten raus schnell zu machen.
Das macht Mut, den Klassenverbleib noch zu schaffen?
Wir sind zwar Tabellenletzter, aber punktemäßig nicht abgehängt. Zwei, drei Siege, dann sieht es tabellarisch schon ganz anders aus. Den Klassenverbleib können wir sicher noch schaffen, aber wir machen uns keinen Druck.
Erste Gelegenheit zu punkten ist am Sonntag im Kellerduell beim punktgleichen Tabellennachbarn HC Koblenz?
Das ist auf dem Papier ein wichtiges Spiel. Aber wir kommen zu den Dingen, die man nicht beeinflussen kann. Aktuell ist die Mannschaft stark von den grassierenden Erkältungskrankheiten betroffen. Wir mussten zuletzt ein Testspiel und eine Trainingseinheit absagen. Wer am Sonntag spielen kann, wird sich kurzfristig entscheiden. Ein paar Sieger-Selfies wollen wir in dieser Runde aber noch machen können. Vielleicht schon in eines in Koblenz.
ZUR PERSON: Rüdiger Lydorf
Seit der Saison 2015/16 trainiert Rüdiger Lydorf die Oberliga-Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken. Der Physiotherapeut hat gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Barbara Köhler Zweibrücken auch zu seinem Wohnort gemacht und hier ein Haus gekauft. Lydorf ist Leiter der Physiotherapie-Abteilung im Diakonie Klinikum Neunkirchen. Der 37-Jährige spielte vor seiner Trainerzeit selbst aktiv Handball, gehörte zu den besten Torhütern seines Jahrgangs in der Oberliga. Er stand erfolgreich zwischen den Pfosten in der Handball-Oberliga für die SGH St. Ingbert und die HSG Völklingen. Seine Spielerkarriere musste er nach zwei Kreuzbandrissen verletzungsbedingt früh beenden. Dem Handball blieb er treu, wechselte nach dem Ende seiner aktiven Spielzeit auf die Trainerbank. Aushilfsweise stand Lydorf – wenn es an Torhütern mangelte – in der jüngeren Vergangenheit auch mal im Tor der Herren II und Herren I des SV 64.
SV-Bilanz
Nach 13 von 28 Spielen: Platz 15, 4:22 Punkte, 300:366 Tore; zwei Siege, elf Niederlagen - Höchster Sieg: 31:24 beim TV Bassenheim - Höchste Niederlagen: 21:34 gegen Homburg, 22:38 gegen FSG Ketsch/Friesenheim 2 - Beste Torschützinnen: 1. Janine Baus 90/20, 2. Rebecca Knoll 48/9, 3. Lucy Hilz 33/1.