Zweibrücker Wochenend-Kolumne Ich bin der Meinung, dass Notunterkünfte als Notunterkünfte geeignet sein sollten.
Februar 2016: Auf dem Gelände neben dem Zweibrücker Flugplatz-Terminal setzt ein Betonwerk vorgefertigte Betonteile mit Hilfe eines Krans zusammen, eine Firma bringt Schotter auf, eine andere verlegt Versorgungskabel. Aufgebaut werden 42 Doppelhäuschen, entwickelt vom Bonner Ingenieur Peter Görgen als Alternative zu Metallcontainern und Zelten – als Notunterkunft. Schnell aufzubauen, schnell abzubauen, wenn sie an anderer Stelle benötigt werden, so hatte das Land die Häuschen gepriesen, die es für 2,3 Millionen Euro aufbauen ließ.
Dass sie erst fertig wurden, als schon so gut wie keine Flüchtlinge mehr da waren – geschenkt. Dass das Land sie danach anbot wie Sauerbier, aber niemanden fand, der sie haben wollte – geschenkt. Dass sie schließlich 2018 der Bundespolizei geschenkt wurden, die sie offensichtlich so nötig braucht wie Magen-Darm-Grippe, nämlich gar nicht – auch geschenkt.
Doch was sich dann im vergangenen Sommer nach der Flutkatastrophe an der Ahr abspielte, toppt alles. Nach fünf Jahren hätte die Häuschen endlich mal jemand gebraucht, und zwar dringend. Und da war es nicht möglich, sie auf kurzem Dienstweg dahin zu bringen, wo Flutopfer und Helfer sehnsüchtig darauf warteten. Private Helfer hatten alles vorbereitet, Transport, Untergrund, Aufbau, Ausstattung, bekamen die Notunterkünfte aber nicht, weil das Anliegen irgendwo in den Amtsstuben versickerte.
Als das Versagen bekannt wurde, schoben Land und Bundespolizei sich erst mal gegenseitig den Schwarzen Peter zu, und als man schon meinte, jetzt kann es absurder nicht mehr werden, kam diese Woche auf nochmalige Nachfrage der RHEINPFALZ diese bemerkenswerte Mitteilung vom Land: Die Notunterkünfte für Flüchtlinge vom Zweibrücker Flugplatz seien als Notunterkünfte für Flutopfer an der Ahr gar nicht geeignet gewesen. Notunterkünfte, die nicht als Notunterkünfte geeignet sind? Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Man könnte auch sagen: Mit Verlaub, geht’s noch?