Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Homburg-Einöd: Wo Dieter Thomas Heck, Cindy & Bert und die Saarlodris gut bei Stimme waren

Kurt Doll mit dem Original-Keyboard, das einst die Lieder der Saarlodris begleitete. Foto: Moschel
Kurt Doll mit dem Original-Keyboard, das einst die Lieder der Saarlodris begleitete.

Seit Mitte Juli wird das Saarbrücker Stadtbild durch einige äußerst originelle Fußgängerampel-Männchen bereichert: Diese Signalfiguren wecken die Erinnerung an die Saarlodris aus dem Werbefernsehen des Saarländischen Rundfunks. Eine der Geburtsstätten dieser einst populären Zeichentrick-Helden befindet sich in Berlin, eine zweite in Homburg-Einöd.

Es dauert ein Weilchen, bis man in einer versteckten Seitenstraße in einem Einöder Wohngebiet das Haus von Kurt Doll entdeckt. Außen verrät kein Schild oder Schriftzug, dass sich hier ein einst führendes Musikaufnahme- und Tonstudio im Südwesten verbirgt. Dieter Thomas Heck hat hier gearbeitet, Wolfgang de Benki, später der Ex-Scorpions-Schlagzeuger Herman Rarebell – und Cindy & Bert. Was das alles mit den Saarlodris zu tun hat? Dazu gleich mehr.

„Früher hatte ich in Zweibrücken gewohnt und dort bei den US-Truppen als Fernmeldetechniker gearbeitet“, berichtet Kurt Doll, der auch gelernter Elektriker ist. Der heute 72-Jährige hatte schon immer ein Faible und ein gutes Händchen für Ton- und Bühnentechnik. „Irgendwann hatte ich mir daheim ein kleines Studio mit Achtspur-Mixer aufgebaut“, erzählt Doll. Damals, Mitte der 1970er Jahre, dauerte es nicht lange, bis sich dort wichtige Köpfe der Zweibrücker Musikerszene die Klinke in die Hand gaben – angefangen bei Otto Nunold und Wolfgang de Benki, die bei den Revengers dem Rock ’n’ Roll frönten.

Bier-Reklame mit Dieter Thomas Heck

Die Dienstleistungen, die Kurt Doll in seinem Studio anbot, sprachen sich herum. „Eines Tages stand der ,Hitparade’-Moderator Dieter Thomas Heck bei mir auf der Matte – der hat ja in Frankenholz bei Bexbach gewohnt.“ Mit dem populären Fernseh-Showmaster entspann sich eine Zusammenarbeit, die zunächst darin gipfelte, dass Heck unter Dolls kundiger Ägide Langspielplatten produzierte und einige Radio-Werbespots für die Neunkircher Biermarke „Schloss Privat Pilsener“ einspielte.

Teddybären für Michael Jackson

„Schnell habe ich damals gemerkt, dass viele Künstler heilfroh sind, wenn sie in kleinen Studios auf dem Land in aller Ruhe arbeiten können – abseits vom Schuss“, schildert Kurt Doll. Dies sei sein Vorteil etwa gegenüber dem großen Frankfurter Europasound-Studio gewesen, dessen Ein- und Ausgänge rund um die Uhr von Reportern und Paparazzi umlagert waren. Ähnlich war’s beim Elversberger Boney-M-Gründer Frank Farian oder im Kölner Reich der Produzenten-Legende Dieter Dierks: Im Lauf der Jahrzehnte hat Kurt Doll sie alle kennengelernt. Da sind ihm auch Begebenheiten nicht verborgen geblieben wie damals bei Dieter Dierks: „Michael Jackson hat dort mal ein paar Songs aufgenommen. Da mussten die Helfer extra eine komplette Lkw-Ladung mit Teddybären rankarren. Der Herr Jackson wollte das halt so haben.“

Immer wieder sonntags

„Mitte der 1970er Jahre zogen Cindy & Bert nach Zweibrücken“, setzt der Einöder seine Story fort. Es sei Dieter Thomas Heck gewesen, der das erfolgreiche Schlagerduo („Immer wieder sonntags“) mit Kurt Doll bekannt machte. Für den Musikfachmann war dies der Startschuss für eine sehr intensive Zusammenarbeit: Unter tatkräftiger Mitarbeit des Sängers Bert baute Doll die Anlagen in seinem Einöder Wohnhaus weiter aus. „Bert hat das riesige Mischpult finanziert; ich vermietete ihm die Räume.“ Und weil man mitten im Einöder Wohngebiet keine Nachbarn stören durfte, selbst wenn ein Drummer nachts um 1 Uhr sein Schlagzeug bearbeitete, stattete Doll seine Studioräume mit schweren Beton-Verstärkungen und umfangreicher Dämmung aus.

Denn längst hatte er sich einen guten Ruf als Tontechniker mit seinem Black-Rose-Studio gemacht. „Der Name war Berts Idee“, erzählt er: Die Sache mit der schwarzen Rose sei als Hommage an den Zweibrücker Rosengarten zu verstehen.

Fortan engagierte sich Doll als Toningenieur für die Plattenaufnahmen von Cindy & Bert und begleitete das Duo auf dessen Tourneen, wo er bei Liveauftritten das Mischpult bediente.

Werbespots und kleine grüne Männchen

„Anfang der 80er ist der Saarländische Rundfunk an Bert herangetreten“, berichtet Doll: „Es hieß, dass da was mit Zeichentrick-Männchen fürs Werbeprogramm geplant ist – ob Bert da nicht mit seiner Stimme mitmachen wollte.“

Bert wollte. Der Musiker brachte nicht nur seine Ehefrau Cindy mit ins Black-Rose-Studio: Mit im Gepäck hatte er die quirlige Saarlodri-Familie, die der Grafiker Gerhard Hahn in Berlin erfunden hatte – im Auftrag des SR. „Bert war es auch, der die Texte und Lieder der Spots geschrieben und die männlichen Saarlodris gesprochen hat“, berichtet Kurt Doll. Und Cindy konnte ihre Stimme derart verblüffend verstellen, dass der Fernsehzuschauer wohl nicht im Traum auf die Idee gekommen wäre, dass die fröhlichen Sprüche des kleinen Saarlodri-Mädchens und dessen Mama der bekannten Sängerin zu verdanken sind.

Rasch wurden die Saarlodris zum Sympathieträger des SR. Doch nach einem guten Jahrzehnt Dauerpräsenz im Regionalprogramm fielen die beliebten grünen Männchen zunehmend Änderungen im Sendeschema zum Opfer – bis sie spätestens 2008 endgültig vom Bildschirm verschwanden. Zu dieser Zeit ging auch das Schlagerduo Cindy & Bert längst beruflich wie privat getrennte Wege. 1995 kaufte Kurt Doll seinem bisherigen Mieter Bert Berger die Tontechnik ab, die in seinem Einöder Studio installiert ist.

Ein etwas anderes Rentnerhobby

Und mit dieser Technik ist der Einöder auch als Rentner noch immer sehr aktiv – „aber nur noch hobbymäßig“, wie der seit 53 Jahren verheiratete Vater eines Sohnes und zweifache Großvater anmerkt. Hobbymäßig? Im Moment schlägt sich Kurt Doll regelmäßig die Nächte um die Ohren, wenn er am Computer sitzt, um in Echtzeit die Musikaufnahmen einer US-Rockband zu betreuen. Diese spielt aktuell im texanischen El Paso eine Platte ein. „Die legen großen Wert auf analoge Instrumente und Aufnahmetechnik. Ich habe ihnen genau gesagt, welches Equipment ich hier in Einöd stehen habe – die in Texas haben sich dort genau dasselbe besorgt. Und deshalb klappt das mit der technischen Übertragung und dem Kontakt über Skype bestens.“

Stichwort: Saarlodris

„Mir sinn die Saarlodris, do gugge ’ner, aijo. Die Mama, de Babba –unn ich bin aah noch do“: Mit Liedern wie diesem wuselten die grünen, platt-schwätzenden Zeichentrickfiguren zwischen 1984 und 2008 durch das regionale Werbefernsehen des Saarländischen Rundfunks (SR). Mit ihren Comic-Sketchen füllten die nur mit Blättern bekleideten Fabelwesen die kurzen Pausen zwischen den Werbespots. Erfunden hat sie der Grafiker Gerhard Hahn von der Berliner Hahn Film AG, die auch Zeichentrickfilme mit Werner, Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen produzierte. Zum Mundart-Sprechen und Singen gebracht wurden die Saarlodris von Cindy & Bert. Das Schlagerduo sprach seine Tonaufnahmen im Einöder Black-Rose Studio von Kurt Doll ein. Die Lieder der Saarlodris wurden von Cindys langjährigem Duo-Partner Bert Berger komponiert, getextet und eingespielt. Den Namen der Comic-Familie ermittelte der SR bei einem Wettbewerb unter seinen TV-Zuschauern. Alternativ-Vorschläge wie „Wusselcher“, „Mäckesjer“ oder „Schlipp-Schlapp-Schluhri“ blieben damals auf der Strecke. Zur Blütezeit ihrer Popularität zierten die Saarlodris T-Shirts, Spielzeugfiguren, Trainingsanzüge und vor allem Senfgläser der Firma Amora aus St. Ingbert-Rohrbach. (ghm)

Der Saarlodri-Nachwuchs: Der Bub und das Mädchen.  Grafik: SR
Der Saarlodri-Nachwuchs: Der Bub und das Mädchen. Grafik: SR
Saarlodri-Ampeln gibt es in Saarbrücken am Staatstheater, am St.?Johanner Markt und am Halberg. Foto: BBL
Saarlodri-Ampeln gibt es in Saarbrücken am Staatstheater, am St.?Johanner Markt und am Halberg.
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