Zweibrücken / Yorktown
Historiker sagt: „Die Zweibrücker sind Teil der Weltgeschichte geworden“
„In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 1781 sind die Zweibrücker sozusagen Teil der Weltgeschichte geworden“, erzählt Robert Focken. Der Historiker, der im Vordertaunus lebt, stieß bei den Recherchen zu seinem Buch „Fangt den Washington“ über den Unabhängigkeitskrieg der USA auf die Zweibrücker. Die kämpften nämlich fleißig mit. Etwa 1100 Männer und sechs Ehefrauen aus dem Zweibrücker Regiment Royal Deux Ponts waren bei der entscheidenden Schlacht von Yorktown dabei. Für Focken sind die Zweibrücker „die unbekanntesten Helden von Yorktown“.
Besonders die Aufzeichnungen eines Zweibrückers hätten Focken wertvolles Material geliefert, das er anfangs kaum glauben konnte, wie er uns erzählt. Soldat Georg Daniel Flohr habe in seinem Kriegstagebuch etwa über die Schlacht in Yorktown geschrieben: „So voll mit Toten, dass man auf ihnen laufen musste.“ Damit habe Flohr, der aus einem kleinen Dorf bei Annweiler am Trifels stammte und sich für acht Jahre verpflichtet hatte, klargemacht: „Es war eine Schlacht um Leben und Tod und der Höhepunkt seines Kriegseinsatzes. Er hätte dabei zu Tode kommen können“, erzählt Focken.
Zweibrücken kämpfte mit: „Das ist ja irre!“
„Für mich waren 80 Prozent neu, von allem, was ich da las“, erzählt der Autor. Zu der „verrückten deutschen Expedition nach Amerika“ habe er schon immer was schreiben wollen. Als er bemerkte, dass das bald 250 Jahre ist, begann er mit der Recherche.
Für Focken ist die Beteiligung Zweibrückens am Unabhängigkeitskrieg der USA „ein Geschenk. Das ist ja irre“. Georg Daniel Flohr war auch bei der Schlacht um Yorktown dabei, als die Zweibrücker die strategisch extrem wichtige britische Befestigungsanlage, die sogenannte Redoute 9, stürmten. Fünf Tage nach diesem Überraschungsangriff kapitulierten die Briten, und der Krieg war entschieden.
Abscheu über Sklaverei
Nach Kriegsende war Flohrs Truppe noch eine Weile im US-Bundesstaat Virginia stationiert gewesen. Er schrieb etwas, das auch andere Deutsche vor Ort beschrieben hätten – „mit genau demselben Schaudern, demselben Ekel“. Er sei sehr schockiert von der Sklaverei gewesen – und von der Art, wie mit den Menschen damals umgegangen wurde – etwa, dass sie nackt waren.
Dieser Abscheu über die Sklaverei ziehe sich durch alle deutschen Aufzeichnungen. Flohr ging 1789 nach Paris, um Medizin zu studieren. Als die Revolution ausbrach und der König 1793 hingerichtet wurde, floh Flohr wieder nach Amerika, wo er Theologie studierte und lutherischer Pastor wurde.
Autor kommt vielleicht im Herbst nach Zweibrücken
Vielleicht sei Robert Focken im Herbst auch in Zweibrücken und mache eine Lesung vor Ort. Der Ehrgeiz hat ihn gepackt, sagt Focken. Doch sicher sei noch nichts. Wenn er da ist, könne er der Rosenstadt ja seine Meinung darlegen. Denn: „Die Zweibrücker könnten vielleicht mehr draus machen“, findet Focken – quasi als Aushängeschild der Stadt. Seine Heimat selbst bejahen, das finde er gut. Auch dieser Teil der Geschichte gehöre zur „städtischen Identität. Die Zweibrücker haben quasi den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mitgewonnen. Die Zweibrücker haben mal einen Zipfel der Weltgeschichte gepackt. Warum sollte man nicht darauf stolz sein?“