Hornbach / Zweibrücken Hieronymus-Bock-Jahr: Warum sich Thymian nicht einordnen lässt
Der Thymian, lateinisch: Thymus, ist ein hervorragendes Beispiel für die Schwierigkeit, Pflanzen zu bestimmen und einzuordnen. „Eine der heikelsten Gattungen der französischen Flora“, meint der junge Botaniker Yoan Martin vom lothringischen „Konservatorium für Botanik“ in Villers, einem Vorort von Nancy. Für die deutsche Flora gilt das Gleiche. „Heikel“ deshalb, weil bis heute nicht ganz klar ist, welche Arten, Unterarten, Varietäten es eigentlich gibt und wie man sie im Gelände „ansprechen“ kann.
Größere Blüten in Naturschutzgebieten
Vor fünfhundert Jahren war all das noch fast gar nicht erforscht. Da ist man versucht, der so lebendig wirkenden Puppe von Hieronymus Bock im Haus von Axel Mönch in Hornbach auf die Schulter zu klopfen. Bock sitzt dort am Tisch mit der Schreibfeder in der Hand. Und man möchte ihn fragen: „Du warst der Erste, der sich ernsthaft damit befasst hat. Was hast du damals aus dem Thymian gemacht, in deinem Buch ,von der kreütter Underscheid’?“ Der große Hornbacher Naturgelehrte würde uns erklären, dass es den Thymus im eigentlichen Sinne gibt, unseren Gartenthymian, und den Quendel, unseren Kriechthymian, in drei „Geschlechtern“ (Arten).
Diese Quendelarten kommen bei uns wild vor, aber nicht gleich häufig und nicht immer an den gleichen Stellen. Eine, offenbar etwas besondere mit größeren Blüten, wächst auf „alten Brachfeldern unnd ungebawten willerichen“. Mit dem Wort „willerich“ tut uns Bock keinen Gefallen. Die Bedeutung bleibt vage. Der Hinweis auf alte Brachen und die größeren Blüten passt allerdings gut zum Frühblühenden Quendel in den heute als Orchideenrasen bekannten Naturschutzgebieten des Zweibrücker Landes.
Eindeutiger ist die Beschreibung des Breitblättrigen oder Feld-Thymians. Auch dieser ist kriechend und damit ein Quendel. Der Höhepunkt der Blüte im August und bis in den September hinein erfreut Menschen und Bienen. Es ist die weitaus häufigste Art („gemein“, schreibt Bock, das heißt gewöhnlich). Ihm entspricht die Abbildung in Bocks Kräuterbuch. Der Behauptung, es gebe davon zwei Unterarten, je nach der Breite des Blattes, müssen wir allerdings widersprechen: Die Übergänge sind fließend.
Hieronymus Bock hat den Sand-Thymian als eigene Art erkannt: „Dises Thymus wachst uberaus vil im Bitscher gewäld / ein sandecht drucken erdtrich [sandiges trockenes Erdreich]“ – weiter werden Eguelshardt, Niederbronn und Mertzwiller erwähnt – schon damals ist das der Weg nach Straßburg durch die Nordvogesen. Heute kommt die Art dort nur noch extrem selten vor, auf kleinen Sanddünen im Militärgelände. In Brandenburg findet man Sand-Thymian noch häufiger.
Mehr dazu ist in der Ausstellung in der Bibliotheca Bipontina zu erfahren, in der französische Experten wie François Vernier (Nancy) und Serge Muller (Metz) mitgewirkt haben. Hieronymus Bock ist der früheste Botaniker nicht nur der Pfalz, sondern auch Lothringens. Wenn die Pflanzen sprechen könnten, wären sie von dem Wort „grüne Grenze“ sicher sehr erstaunt: Die Grenze ist gar keine Grenze, sondern ein Raum für grenzüberschreitendes Miteinander.
Die Serie
2025 ist ein Hieronymus-Bock-Jahr in Zweibrücken und Hornbach. Mehrere Veranstaltungen erinnern an den Botaniker und Kräuterbuchautor aus dem 16. Jahrhundert, der in Hornbach lebte und wirkte. Die RHEINPFALZ veröffentlicht monatlich einen Beitrag zu einer der 800 Pflanzen in Bocks Kräuterbuch. Wissenswertes über die Wegwarte finden Sie hier.
Der Autor
Otto Schäfer ist gebürtiger Zweibrücker. Als Biologe und evangelischer Theologe arbeitete er vor allem in Frankreich und der Schweiz (Flora und Vegetation, Naturphilosophie sowie Umweltethik). Im Ruhestand lebt er in den Südvogesen, widmet sich aber auch der Natur und Kultur seiner alten Heimat. Und das mit seinen eigenen „zwei Brücken“: deutsch und französisch, Naturwissenschaft und Theologie. Ein großes Anliegen ist ihm die Erhaltung der Bibliotheca Bipontina mit ihrem gewachsenen Gesamtbestand. Er findet: Der historische Altbestand gehört nicht nur zu Zweibrücken – er gehört nach Zweibrücken.
Das nächste Ereignis im Hieronymus-Bock-Jahr:
Otto Schäfer hält am Mittwoch, 17. September, um 19 Uhr einen Vortrag mit dem Titel „Neuere deutsch-französisch-schweizerische Forschungen zu Hieronymus Bock“ in der Karlskirche. Veranstalter sind der Historische Verein Zweibrücken, der Historische Verein Hornbach und die Pollichia (Hauptverein).