Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Helmand Mohammad: Student, Unternehmer und ein ganz feiner Kerl

Zwölf- bis 14-Stunden-Tage kommen schon mal vor: Helmand Mohammad (rechts, hier im Spiel gegen die SG Maßweiler/Höhmühlbach) ist
Zwölf- bis 14-Stunden-Tage kommen schon mal vor: Helmand Mohammad (rechts, hier im Spiel gegen die SG Maßweiler/Höhmühlbach) ist Student und Unternehmer. Beim A-Klasse-Klub SVN Zweibrücken belebt der Fitnessliebhaber die rechte Außenbahn.

Sein Trainer bezeichnet ihn als „feinen Kerl“, auch fußballerisch hat sich Helmand Mohammad beim SVN Zweibrücken längst etabliert. Dabei schien ihm das Talent nicht unbedingt in die Wiege gelegt worden zu sein.

Helmand Mohammad gehört zu den dienstältesten Spielern des SVN Zweibrücken. Denn bislang streifte sich der 25-Jährige kein Trikot eines anderen Vereins über. Mehr als 15 Jahre kickt er mittlerweile für den Klub von der Hofenfelsstraße. Dabei war bei seinen Anfängen in den Jugendmannschaften lange nicht absehbar, dass er irgendwann mal ein fester Bestandteil der ersten Mannschaft werden könnte.

Bewusst für Fußball entschieden

„Mein Jugendtrainer Rainer Seibert sagt heute noch öfter, wenn wir uns unterhalten, dass er damals froh war, wenn ich den Ball überhaupt getroffen habe“, erinnert sich Helmand Mohammad lachend daran zurück. Der gebürtige Homburger lebt seit seinem dritten Lebensjahr mit seinen Eltern und den beiden weiteren Brüdern - er ist der mittlere - in Niederauerbach. Als Kind habe ihm sein Vater aufgetragen, sich einen Sport zu suchen. „Welcher, das war ihm egal. Hauptsache, wir machen etwas Sportliches, betätigen uns in der Freizeit. Da fiel meine Wahl gezielt auf Fußball, einen Mannschaftssport.“

Das ist ihm ganz wichtig zu betonen, denn dieses Zusammengehörigkeitsgefühl lebt er wie kaum ein anderer vor. „Helmo ist immer da, das ist bei der heutigen Generation leider keine Selbstverständlichkeit“, sagt sein aktueller Trainer Andreas Hergert über Mohammad. „Selbst wenn er verletzt ist, kommt er ins Training, hilft dabei Spielformen auf- und abzubauen, ist bei jeder Kabinensitzung dabei. Er ist immer einer der letzten, der nach Hause geht. Wohlgemerkt, er trinkt dabei keinen Tropfen Alkohol. Für so einen feinen Kerl lohnt es sich, Trainer zu sein“, lobt Hergert seinen Schützling in höchsten Tönen.

Student und Unternehmer

Das mit dem Alkohol ist aber nur eine Randnotiz und kein wirkliches Problem. Weder für ihn noch für seine Mitspieler, wie der 25-Jährige selbst erklärt. „Ich bekomme natürlich immer etwas angeboten. Das ist der Standardwitz bei uns in der Kabine, aber das war es dann auch schon.“ Und es ist mitnichten so, dass seine mannschaftsinterne Beliebtheit dadurch entstanden wäre, dass er die nicht mehr fahrtüchtigen Kollegen als „Taxifahrer“ heimbringt. „Ich wohne nur fünf Minuten vom Westpfalzstadion entfernt, ich komme nie mit dem Auto. Da muss schon jeder selbst aufpassen, wie viel er trinkt“, sagt Mohammad.

Er ist Student der Betriebswirtschaftslehre (BWL), eingeschrieben an der Uni in Düsseldorf, er besucht allerdings die Vorlesungen an der Uni in Saarbrücken. Seit 2021 ist er zusätzlich Unternehmer: Zusammen mit seinem älteren Bruder Ja-Ghorbet Mohammad hat er das Container-Unternehmen Amboss übernommen. Neben dem Containerdienst bieten sie ihre Dienste auch im Schwerlast- und Busverkehr an. Helmand ist seit kurzem im Besitz der LKW-Fahrerlaubnis und saß gerade nach dem Hochwasserunglück öfter „auf dem Bock“, um Container anzuliefern und abzuholen. Neben Fußball, Studium und der Arbeit in der Firma geht er noch dreimal pro Woche ins Fitnessstudio. Zwölf- bis 14-Stunden-Tage sind zwar keine Regelmäßigkeit, kommen aber ab und zu durchaus vor.

Neuer Anlauf im nächsten Jahr

„Meine technischen Defizite hab’ ich schon immer durch meine Fitness ausgeglichen“, verrät Helmand Mohammad. Mit Zeit, Trainingsfleiß und Ehrgeiz hat er sich zum gestandenen Spieler entwickelt, der mit der Kugel umzugehen weiß und Vorbereiter wie Torschütze ist. Auf der rechten Außenbahn wird er offensiv eingesetzt, obwohl er gelernter Stürmer ist und gerne zentraler spielen würde. „Wenn du aber einen Stürmer wie Stephan Grauer im Team hast, der auch noch besser ist, dann weichst du gerne auf eine andere Position aus“, gibt der BWL-Student zu.

Die Chance auf die Relegationsspiele zur Bezirksliga haben die Niederauerbacher zuletzt in Lemberg hergeschenkt, wie er findet. „Es war insgesamt eine turbulente Saison, unser Kader ist sehr klein. Wir hatten einige Ausfälle, auch ich bin mit Muskelfaserriss, Fußbruch und Außenbanddehnung im Knie immer wieder ausgefallen, so dass der Schwung öfter raus war.“ Dadurch kam es seiner Ansicht nach immer wieder zu überraschenden Ergebnissen, bei denen der SVN ohne Punktgewinn blieb. „Gegen den FK Clausen wollen wir uns mit einem Sieg verabschieden, unsere Lehren aus der Saison ziehen, denn auch diese hat uns einen Schritt nach vorne gebracht“, sagt er vor dem Heimspiel zum Rundenabschluss am Samstag um 16 Uhr. Sein Ziel für nächste Runde: „Aufstieg und hoffentlich 20 persönliche Tore.“

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