Sportsfreunde
Helena Noll, die stabhochspringende Polizistin aus Großsteinhausen
Eigentlich hätte sie an diesem Freitagnachmittag im Westpfalzstadion stehen und trainieren sollen, doch das klappt diesmal nicht. Bernhard Brenner, der Stabhochsprung-Trainer von Helena Noll beim LAZ Zweibrücken, ist beruflich verhindert. Daher hat die 19-Jährige Zeit für ein Gespräch.
Erst kurz zuvor ist sie mit dem Auto aus Büchenbeuren zurück nach Zweibrücken gedüst. Denn dort liegt die neue Heimat der Großsteinhauserin – zumindest beruflich. Seit Anfang Mai ist Helena Noll Kommissaranwärterin und absolviert an der Hochschule der Polizei direkt neben dem Flughafen Hahn ein duales Bachelor-Studium. „Das wollte ich machen, so lange ich denken kann“, sagt Helena Noll. Kein Wunder, ein bisschen ist das Nesthäkchen der Familie Noll in dieser Hinsicht familiär „vorbelastet“: Papa Matthias ist Dozent an der Polizei-Hochschule, Bruder Julian ist bei der Kriminalpolizei und ihr jüngerer Bruder Niklas ist gerade mit der Ausbildung fertig geworden und arbeitet nun bei der Polizei in Pirmasens.
Keine Zweifel am Traumberuf
Als im September 2021 die Zusage kam, dass es mit der Ausbildung bei der Polizei klappt (noch lange vor dem Ende ihrer Schulzeit), „war das super schön“, sagt Noll. Alternativ hätte sie irgendwas in Richtung Medizin gemacht, aber es klappte ja mit ihrem Traumberuf.
Aber wie ging es ihr als jungem Mensch und ihrer Familie mit der Entscheidung nach den Polizisten-Morden Anfang Januar bei Kusel? „Das war ein großer Schock. Ich habe mir intensiv Gedanken gemacht, und wir haben auch innerhalb der Familie ausführlich darüber gesprochen“, sagt Helena Noll. „Ich weiß, das ist ein gefährlicher Job und kein Zuckerschlecken. Aber letztlich darf man solchen Menschen nicht nachgeben“, unterstreicht sie, bezogen auf die Täter.
Ganz viel neuer Input auf dem Campus Hahn
Am 1. Mai ist sie angereist auf dem Hahn – und fühlte sich sofort wohl. Tags darauf erhielt sie ihre Ernennungsurkunde, nun liegen bis 2025 drei Jahre Ausbildung vor ihr. „Es ist ein sehr großer Campus hier – und sehr abgelegen“, erzählt sie lachend. Sie wohnt in einer Wohngemeinschaft, zusammen mit vier anderen Frauen, und genießt die Vollverpflegung in der Mensa. „Am ersten Tag war das Eis schon gebrochen, wir verstehen uns sehr gut“, berichtet sie vom Zusammensein mit ihren Kolleginnen.
Das Weg-von-Zuhause-sein war erst mal etwas ungewohnt, weil sie sehr an ihrer Familie hängt, „aber wir schreiben und telefonieren viel“. Und dann die Ausbildung: „Ich bin positiv überrascht, das ist am Anfang ganz viel Input und Neues.“ Es sei sehr viel Stoff zu lernen, in den Gesetzbüchern teils in einer ganz anderen, ungewohnten Sprache. „Es ist sehr anspruchsvoll, schreckt mich aber nicht ab.“ An der Ausbildung hatte sie gerade auch der Wechsel zwischen Lernen und Praktika, die sie in der Westpfalz absolvieren wird, gereizt. Und vom Lernen her war es quasi ein fließender Übergang aus der Schule an die Polizei-Hochschule.
Von Coubertin-Preis überrascht
Im März hatte Helena Noll ihr Abitur am Zweibrücker Hofenfels-Gymnasium in den Leistungsfächern Deutsch, Sport und Biologie (Note Abischnitt: 2,6) abgelegt. Jahrelang war für ihre Schule beim Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ am Start, engagierte sich auch beim LAZ Zweibrücken als Gruppenleiterin. Dennoch kam der Pierre de Coubertin-Abitur-Preis im Fach Sport für sie überraschend. „Ich hab’ mir gedacht, dass ich vielleicht dafür vorgeschlagen werde, aber mein Sportlehrer Michael Dorda hat nichts verraten bis zur Abiturfeier“, meint sie schmunzelnd.
Angefangen mit der Leichtathletik hat alles, als eine Freundin sie mal mit zum LAZ nahm. Dort hat sie dann schon früh Raphael Holzdeppe bewundert und wollte ihm einfach nacheifern. „Ich war fasziniert von der Disziplin“, sagt die Stabhochspringerin. Ein heutiges Ziel: mal an den süddeutschen oder deutschen Meisterschaften der Altersklasse U21 teilnehmen, auch es wenn es bis zur Norm („Ich glaube, so um die 4,00 Meter“) bei ihrer Bestleistung 3,50 Meter noch ein Stück ist.
Studium und Sport unter einen Hut bringen
Ihrem Sport und Verein will die Dritte der deutschen U16-Meisterschaften im Jahr 2017 („Mein größter Erfolg“) trotz der neuen beruflichen Aufgabe treu bleiben, ein- bis zweimal pro Woche weiter in Zweibrücken springen und mit Bernhard Brenner an der Technik feilen. „Ich will im Studium am Ball bleiben, aber beides unter einen Hut bringen.“ Sport kann sie auf dem Hahn-Campus zur Genüge machen, und ab Oktober steht im Grundlagentraining in Edenkoben ohnehin den ganzen Tag Sport auf dem Programm.