Abseits
Hattrick, am Wochenende mal ohne Seltenheitswert
An und für sich ist der Hattrick im Fußball eine ganz besondere Leistung. Sie erfordert, dass ein Spieler drei Tore in Folge erzielt und das in einer Halbzeit. Seinen Ursprung hat die Bezeichnung im Kricket. So soll anno 1858 ein Spieler drei aufeinanderfolgende Würfe in ein Wicket umgewandelt haben. Als besondere Auszeichnung für diese sportliche Leistung sei ihm ein Hut (englisch: hat) überreicht worden. In Verbindung mit dem englischen Wort „trick“ für ein Kunststück entwickelte sich daraus der Hattrick.
Ohne diese Leistung abzuwerten: Am zweiten Spieltag der Saison 2021/22 im Fußballkreis Pirmasens/Zweibrücken war ein Hattrick fast schon an der Tagesordnung. Noch am Samstag galt der Spielertrainer der SG Rieschweiler II, Daniel Preuß, mit seinen drei Toren als herausragender Akteur des Fußballwochenendes. Da konnte nicht viel dazwischen kommen für die in den vergangenen Jahren doch öfter mal gebeutelten Akteure der SGR II. Die Schwächen des SV Herschberg waren beim 7:1-Sieg der SGR schon offenkundig, es stimmte zumindest im Defensivbereich nicht allzu viel bei den Herschbergern.
Der gedachte Spieltags-Held wurde aber schnell überflügelt. Am Sonntag machte Tobias Früauf vom B-Klassen-Klub TV Althornbach auf sich aufmerksam. 7:2 gewann sein TVA beim durchaus als Aufstiegsanwärter geltenden SV Hermersberg II. Es gab mal einen Profi des 1. FC Köln namens Dieter Müller, der sechs Buden in einem Bundesliga-Spiel schoss. Eine Parallele: Dieses Spiel endete ebenfalls 7:2. Damals gelang Müller schon in der ersten Spielhälfte ein lupenreiner Hattrick innerhalb von 20 Minuten. Früauf schaffte das erst in der zweiten Spielhälfte. Er schnürte seinen Dreierpack spät zwischen der 81. und 86. Minute.
Torjäger, mit langem Geduldsfaden
Da hat er es in dieser Woche doch noch geschafft: Am Sonntag gewann sein SC Stambach mit 4:1 beim SV Bottenbach. Dreimal traf dabei auch SCS-Stürmer Pascal Wallad. Bei der knappen 2:3-Niederlage im Verbandspokal gegen Landesligist FC Fehrbach war ihm am Dienstag der dritte Treffer bei ungünstiger Vorteilsauslegung noch abgepfiffen worden. Da herrschte ordentlich Frust bei Wallad. Der dürfte sich am Sonntag dann gelegt haben. Das zeigt: Auch als Stürmer braucht man einen langen Geduldsfaden, der mal länger sein muss als 90 Minuten.
Gesprächsthema, mal höheren Orts
Freitagabend, Halbzeitpfiff in der Regionalliga-Partie zwischen dem FC Homburg und dem SSV Ulm. Während die gefrusteten Fans des früheren Saar-Bundesligisten ob der schwachen Leistung der Heimelf eilig an den Bratwurststand hasten, wird Werbung für anstehende Spiele gemacht. Unisono hört man dazu aus mehreren Fan-Ecken der Grün-Weißen in tiefstem Saarländisch: „Wieso spieln die geje Ixem?“ Gemeint war die Ankündigung des B-Junioren-Testspiels zwischen dem FCH und dem Team aus Ixheim, das von Patrick Bugarcici trainiert wird, auf dem Kunstrasen des nebenan liegenden Jahnplatzes. Der Bekanntheitsgrad des gerade wieder vom VB Zweibrücken geschiedenen SV Ixheim stieg rasant an unter den 1520 Zuschauern der Regionalliga-Partie.
Doch wie kam es, dass der kleine SVI plötzlich beim FC Homburg testet, während der eigentlich gegen die Saar-Größen des 1. FC Saarbrücken, Borussia Neunkirchen oder die SV Elversberg spielt? „Unser Trainer Patrick Bugarcici hat sehr gute Kontakte zu den saarländischen Vereinen“, erklärt der SVI-Vorsitzende Sascha Grimm, der gut damit leben kann, dass sein Verein während einer Regionalliga-Partie plötzlich Diskussionsstoff ist. Vielleicht folgen dann auch bald Partien gegen den 1. FC Saarbrücken und andere saarländische Vereine? „Tatsächlich hatte der B-Junioren-Trainer noch eine Partie gegen den SV Saar 05 Saarbrücken vereinbart“, meint Grimm lachend, der nun mit seinem Klub das Saarland aufmischen könnte.
So ganz fern ist der Gedanke gar nicht. „Wir hatten tatsächlich eine Anfrage, ob wir bei den A- oder B-Junioren mit Schwarzenacker eine Spielgemeinschaft bilden wollen“, erzählt Grimm. Die Verhandlungen hätten sich aber zerschlagen, weil die Mannschaft von der Römerstraße kurzfristig eine U23 gebildet habe. Bei den Damen gibt es zumindest eine Spielgemeinschaft mit den Einödern. Was bleibt vom Wochenende: Beide Herren-Teams des SVI hatten spielfrei und es dennoch höherklassig, sogar in der Regionalliga, zum Gesprächsthema gebracht.
Immer den Geduldsfaden in passender Länge für diese Arbeitswoche wünschen Benjamin Haag & Helmut Igel