Zweibrücken
Handball: Zweibrücker Herren gewinnen Abwehrschlacht
Ergebnistechnisch betrachtet war das Spiel des SV 64 Zweibrücken bei der HSG Bingen eine Partie aus den 1980er oder 1990er Jahren. 19 Tore hier, 17 Tore da – ganz schön wenig. Beide Defensivreihen, inklusive Torhütern, überboten sich in klasse Abwehraktionen. Aber SV-Keeper Ivankovic machte den Unterschied.
BINGEN. Das Dutzend ist voll. Im zwölften Spiel der Saison gelang Oberliga-Primus SV 64 Zweibrücken am Sonntag der zwölfte Sieg. Mit 19:17 (8:8) gewannen die Zweibrücker Handballer bei der HSG Rhein-Nahe Bingen. Es war ein hartes Stück Arbeit für die Zweibrücker, erst der Treffer von Tom Grieser in den Schlusssekunden erlöste die Gäste.
Beide Mannschaften traten am Sonntag den Beweis an, dass Abwehrarbeit im Handball alles andere als langweilig ist, und eine von überragenden Defensivleistungen geprägte Partie hochspannend sein kann. Bestnoten verdienten sich SV-Torwart Marko Ivankovic, der wieder über 40 Prozent gehaltene Bälle verzeichnete, und sein Gegenüber im Binger Tor, Niklas Weißbrod. „Wir sind fast an ihm verzweifelt“, lobte SV-Trainer Stefan Bullacher den jungen gegnerischen Keeper. 20 Fehlversuche auf SV-Seite sagen dazu alles. Es war vor allem Weißbrod geschuldet, dass sich Bingen nach zwischenzeitlichen Drei-Tore-Rückständen immer wieder heranspielen konnte. Bullacher sparte aber auch nicht mit Lob für seinen Schlussmann Ivankovic: „Er hat heute wieder den Unterschied gemacht“.
Heiße letzte sechs Minuten
Sechs Minuten vor dem Abpfiff läutete Bingens Martin Schieke mit seinem Treffer zum 16:16 die spannenden Schlussminuten ein. Die Zweibrücker, die vor allem von den Außenpositionen, aber auch bei Gegenstößen Probleme hatten, Weißbrod im HSG-Tor zu überwinden, gaben Gas. Marc-Robin Eisel zum 17:16 und Niklas Bayer zum 18:16. Noch etwas mehr als vier Minuten waren da zu spielen. Max Grethen traf zum zehnten Mal für die Gastgeber, verkürzte auf 17:18. Der SV verlor den Ball. Bingen hatte die Chance, nahm eine Auszeit. Ivankovic parierte, Auszeit Zweibrücken. Ein Tor vor, Ballbesitz, noch wenige Sekunden Spielzeit. Jetzt nur nicht den Ball verlieren. Bingen ging zur offenen Manndeckung über. Kian Schwarzer, nach Verletzungspause wieder zurück, sah Tom Grieser am Kreis, passte – und der Abwehrchef machte drei Sekunden vor dem Abpfiff alles klar.
„Was in der Abwehr gespielt wurde, das war hervorragend“, analysierte Bullacher. Nicht nur sein Torwart, auch der offensiv ausgerichtete Abwehrriegel vor Ivankovic, lief in Bingen zu großer Form auf. Für die HSG-Angreifer gab es nur selten ein Durchkommen, und Max Grethen benötigte für seine übliche zweistellige Trefferzahl, dieses Mal auch fünf Strafwürfe. Seine Rückraumwürfe hatte die SV-Defensive inklusive Ivankovic gut im Griff.
Pechvogel: Huber knickt wieder um
In die Freude über den zwölften Sieg mischte sich ein Wermutstropfen. Rückraumspieler Christopher Huber, nach mehrwöchiger Verletzungspause in Bingen erstmals wieder dabei, avanciert zum Pechvogel der Saison. Freude herrschte, als er mit dem Treffer zum 8:6 (25.) bewies, dass er das Tore werfen nicht verlernt hat. Das 16:13 erzielte gleichfalls der Rückraumschütze. Aber die Landung nach dem Sprungwurf rief Sorgenfalten bei den SV-verantwortlichen hervor: Huber landete unglücklich auf einem gegnerischen Fuß, knickte mit dem gerade genesenen Sprunggelenk wieder um und beendete die Partie vorzeitig mit schmerzverzerrtem Gesicht. „Wir müssen die Diagnose abwarten“, sagte Bullacher bedauernd.
So spielten sie
SV 64 Zweibrücken: Ivankovic - Bayer (3), Schaller (3), Eisel (4) - Hammann (3, Zellmer (2/1) - Grieser (2) - Schwarzer, Alt, Huber (2)
Spielfilm: 1:3 (7.), 4:5 (17.), 8:8 (Halbzeit), 13:16 (47.), 16:16 (54.), 17:18 (56.), 17:19 (Ende) - Zeitstrafen: 1:1 - Siebenmeter: 6/5 - 3/1 - Zuschauer: 150 - Schiedsrichter: Vasek/Esdar (Hunsrück).