Zweibrücken
Gute Vorsätze: „Corona hat uns den Spiegel vorgehalten“
Die RHEINPFALZ trifft direkt eine Fachfrau für süße Verführungen: Tiziana Rosi, die gemeinsam mit ihrem Mann Tino Cabras das Eiscafé Cantonati führt, nimmt sich immer vor, mehr zu laufen. „Auf der Arbeit haben wir zwar immer genug Bewegung. Aber da ist es hektisch.“ Einfach für sich selbst spazieren gehen, würde ihr guttun – „dass man den Kopf freibekommt“. Wenn sie sonntagmorgens zur Eisdiele fährt und Leute sieht, die joggen oder Rad fahren, „dann denke ich immer: Ach, wäre ich eine Stunde früher aufgestanden, hätte ich das auch machen können.“ Auch mehr Zeit für sich selbst will sich Rosi nehmen. „Aber wegen der Arbeit ist das eher ein bisschen schwierig“, bedauert die Stambacherin. Es hapert also an der Zeit.
Darsow: Gute Vorsätze halten nicht lange
Erika Darsow dagegen nimmt sich nie gute Vorsätze vor. „Ich mache so weiter, wie die ganze Zeit auch“, sagt die Zweibrückerin. Warum? „Weil es mir eigentlich ganz gut geht dabei. Ich habe meinen eigenen Weg – und es funktioniert!“ Das macht sie schon immer so – gute Vorsätze, findet sie, halten sowieso nicht lange. Dieses kurze Vorsatz-Verfallsdatum hat sie auch früher bei Bekannten gesehen. „Ihre Vorsätze waren meistens nach ein oder zwei Wochen schon vorbei. Das bringt es nicht.“
Aus der Vorderpfalz, genauer gesagt, aus Neustadt an der Weinstraße, kommt Claudia Rheinwald. Zusammen mit ihrem Mann besucht sie Zweibrücken. Sie meint: „Ich möchte einfach wieder mit Leuten in Kontakt treten. Das Positive zu haben, mit Leuten zusammen.“ Genau das hatten sie am Tag zuvor. Da waren sie bei einer Weinverkostung mit Essen im Zweibrücker Storchennest. Der persönliche Kontakt zu Freunden hat ihr in der letzten Zeit Corona-bedingt gefehlt. Außerdem möchte sie nachhaltiger leben und regionaler einkaufen. „Corona hat schon ein bisschen den Spiegel vorgehalten: Was ist wirklich wichtig, was braucht man?“ Diese Nachhaltigkeit möchte sie vor allem in Sachen Kleidung und Lebensmitteln umsetzen und ihren „kleinen Teil“ zur Plastikvermeidung beitragen.
Kleber: Man muss auch an andere denken
Michael Kleber aus Zweibrücken möchte sich dieses Jahr nicht mehr so viel aufregen – und zwar „über die allgemeine Dummheit. Und einfach akzeptieren, dass es mehr dunkle als helle Kerzen auf der Torte gibt.“ Auch beim Corona-Thema sieht er das. „Impfverweigerer sind für mich Egoisten. Und ich denke, Egoismus ist der Bruder der Dummheit. Man muss doch auch ein klein bisschen an andere denken.“ Auch abnehmen und mehr Sport machen möchte er. Für ihn „das Übliche. Das ist jedes Jahr dasselbe. Aber da bin ich schon gut dabei.“ Konkret läuft er gerne an den Wochenenden schon mal zehn, 20 Kilometer.
Mica Baumann hat sich zwar keine konkreten Vorsätze vorgenommen. Aber der Zweibrücker möchte „positiv und konstruktiv mit Veränderungen umgehen. Ich möchte einfach offen sein für alles, was kommt, und sich dem mit einem positiven Vibe entgegenstellen.“ Er kennt auch ein paar Leute, die gute Vorsätze haben. Da geht es um das Übliche – „abnehmen, mit dem Rauchen aufhören, weniger trinken.“
Althoff: Weniger von Corona ablenken lassen
Ganz konkret formuliert hat Thomas Althoff seine Vorsätze. „Ich möchte mich weniger von Corona ablenken lassen. Dass man wieder mehr Mut hat, sich überhaupt Vorsätze zu machen – und dass man nicht sagt, es hat sowieso keinen Wert, weil man nicht weiß, wie sich Corona entwickelt.“ Was meint er damit? „Ein paar Kilo abnehmen, wieder mehr Sport. Und öfter meine Meinung laut sagen.“ Momentan sieht er den Trend, dass „freie Meinung gar nicht mehr gefragt ist. Eigentlich zählt nur noch die Regierungsmeinung. Und wenn man seine Meinung frei äußert, dann wird sie sehr schnell etikettiert.“ Deswegen wünscht sich der Zweibrücker, dass die Leute untereinander mehr auf den Inhalt einer Meinung hören. Nur so könne eine Diskussion entstehen.