Zweibrücken Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt zu

Polizisten werden bei Einsätzen auch mal zum Opfer. 26 Delikte meldete die Zweibrücker Polizei bis Ende September 2021.
Polizisten werden bei Einsätzen auch mal zum Opfer. 26 Delikte meldete die Zweibrücker Polizei bis Ende September 2021.

Seit 2012 sind Gewalttaten gegen Polizeibeamte bundesweit um 20 Prozent gestiegen. Polizisten werden zunehmend in Ausübung ihres Jobs zum Opfer. Ist diese Entwicklung auch in der Westpfalz und speziell in Zweibrücken festzustellen?

Die Statistik des Polizeipräsidiums Westpfalz spiegelt die bundesweite Entwicklung bis ins Jahr 2020 in etwa so wider. 273 Delikte, bei denen Polizeibeamte das Opfer waren, listet die Pressestelle des Präsidiums in Kaiserslautern für das Jahr 2020 in der Westpfalz auf – ein Anstieg um 51 Fälle gegenüber dem Jahr zuvor. In 234 Fällen kam es dabei zum Widerstand gegen Polizisten oder gar zu einem tätlichen Angriff. Erfreulicherweise seien die Zahlen für 2021 (bis Ende September wurden 125 Fälle registriert) im gesamten Präsidium rückläufig, so die Pressestelle.

Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Zweibrücken, der die Stadt Zweibrücken und das Gebiet der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land umfasst, sieht dies jedoch etwas anders aus. Hier nimmt die Anzahl der Delikte gegen Polizisten deutlich zu und übertrifft 2021 bereits nach drei Quartalen die Zahlen aus den Vorjahren. Nach 18 (2019) und 21 Fällen (2020) vermeldet die Inspektion bis September 2021 bereits 26 Fälle von physischer und psychischer Gewalt gegen ihre Polizeibeamten. Wie der Zweibrücker Polizeichef Matthias Mahl erklärt, fallen unter den Begriff Opferdelikte alle Straftaten gegen Polizeibeamte – neben Widerstand und tätlichen Angriffen beispielsweise auch Beleidigungen jedweder Art, denen sich Polizisten ausgesetzt sehen.

Friedliche Landbewohner

Es fällt auf, dass sich die meisten Vorkommnisse in der Stadt ereignen, 2020 und 2021 sogar ausschließlich. Dass in der Stadt etwa doppelt so viele Personen leben wie in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, ist eine mögliche Erklärung dafür. Der Leiter der Polizeiinspektion sieht aber noch zwei andere Erklärungen: „Das hängt mit der Einsatzdichte zusammen und mit den Freizeitmöglichkeiten in der Stadt“, meint Mahl. Auch andere Straftaten würden in einer Stadt häufiger auftreten.

Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte sind nach Auskunft der Pressestelle des Präsidiums oft ein Konglomerat mehrerer Straftaten. Ein tätlicher Angriff oder Widerstand ist oft mit Körperverletzung, Beleidigung oder Bedrohung verbunden. Dass einer eine Waffe mitführt, ist eher selten. Die Kriminalstatistik für die Westpfalz weist letztmals für das Jahr 2019 einen Fall von Widerstand und tätlichem Angriff aus, bei dem der Angreifer eine Waffe dabei hatte. Für 2021 liegen hierzu noch keine neuen Daten vor.

Neuer Höchstwert 2021

Für 2019 weist die Polizeiinspektion Zweibrücken 18 Fälle physischer und/oder psychischer Gewalt gegen Polizeibeamte aus, darunter zwei Fälle von Widerstand gegen Polizisten – einmal mit, einmal ohne Körperverletzung. In acht Fällen kam es zu einem tätlichen Angriff mit versuchter oder vollendeter Körperverletzung, und in acht Fällen wurden Polizisten beleidigt beziehungsweise bedroht. 2020 stieg die Anzahl der Fälle von Gewalt auf 21. In fünf Fällen leisteten Personen Widerstand, dreimal verletzten sie dabei Polizisten, in zwei Fällen bedrohten und beleidigten sie die Beamten. Bei tätlichen Angriffen wurden Polizisten in sechs Fällen verletzt, zehnmal blieb es bei Drohungen und Beleidigungen.

Fürs vergangene Jahr 2021 vermeldet die Polizei bereits bis Ende September einen neuen Höchstwert von 26 Delikten, bei denen körperliche und psychische Gewalt gegen Beamte angewendet wurde. In je sechs Fällen wurde Widerstand mit und ohne Körperverletzung geleistet, bei tätlichen Angriffen kam es fünfmal zu versuchter oder vollendeter Körperverletzung. Elfmal blieb es dabei, dass Polizisten bedroht und beleidigt wurden.

Wenn die Blutentnahme eskaliert

Polizeichef Mahl nennt typische Situationen, bei denen es am häufigsten zu Widerstand gegen die Polizei kommen kann: „Das passiert oft bei einer bevorstehenden Blutentnahme, wenn sich jemand dagegen wehrt. Das muss er aber erdulden.“ Wenn sich einer wehre und es komme zu einer Rangelei mit Beamten, dann werde das als Körperverletzung eingestuft.

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