Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Gäste zeigen ungewohnte Zweibrücker Schwachstellen auf

Auf dem SV-Halbrechten Niklas Bayer (mit Ball) lastete gegen Heilbronn viel Verantwortung, weil Spielmacher Tim Götz (hinten rec
Auf dem SV-Halbrechten Niklas Bayer (mit Ball) lastete gegen Heilbronn viel Verantwortung, weil Spielmacher Tim Götz (hinten rechts) kurz gedeckt wurde und Kreisläufer Kevin Knieps (links) nicht so gut zurecht kam, wie zuletzt im DHB-Pokalspiel gegen Nettelstedt.

Der gelungenen Generalprobe im DHB-Pokal vor einer Woche folgte eine verpatzte Premiere: Handball-Drittligist SV 64 Zweibrücken verlor am Samstag sein Saisonauftaktspiel. In ihrer Spielweise hatten die Zweibrücker Löwen an diesem Abend gegen die TSB Heilbronn-Horkheim eine Überraschung parat, auf die Trainer Stefan Bullacher gerne verzichtet hätte.

Mit 32:37 (13:19) unterlag das SV-Team den Heilbronnern und zeigte dabei ungewohnte Schwächen in der Defensive. „Wenn man 37 Gegentore kassiert, dann gewinnt man kein Spiel“, bilanzierte SV-Rückraumspieler Niklas Bayer. SV-Fans müssen lange zurückdenken, um ein Spiel zu finden, in dem sich die Zweibrücker Abwehr ähnlich löchrig präsentiert hatte: Am 5. November 2016 warf Balingen-Weilstetten II 38 Tore in der Westpfalzhalle und siegte.

Die Abwehrleistung, stellte auch der enttäuschte SV-Trainer Stefan Bullacher fest, „war der Schlüssel zu unserer Niederlage.“ Es passte nicht. Nicht vor dem Kreis, nicht auf der Torlinie und folglich nicht im Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torhütern. Luis Mönch und Nick Fröhlich im Heilbronner Rückraum spielten die SV-Abwehr gerade im Eins-gegen-Eins immer wieder aus. „Wir haben viel zu viele Gegentore zu einfach zugelassen“, analysierte Bayer, der am Samstag Zweibrückens bester Mann war. „In der Abwehr habe ich auch zu viele Fehler gemacht“, räumte er aber selbstkritisch ein.

Vom Anpfiff weg Manndeckung gegen Tim Götz

In der neunten Minute hatte Bullacher Bayer und den rechts neben ihm deckenden Tom Ihl an die Bank geholt und beide eingeschworen: „Ihr dürft euch nicht auseinanderbringen lassen“. Aber die Schnittstellen, die sich zwischen Bayer und Ihl in der Anfangsphase auftaten, gab es in allen Abwehrbereichen. Das nutzte Heilbronn-Horkheim. „Die waren einfach cleverer als wir“, erkannte Bayer an.

Dass diese Runde ein hartes Stück Arbeit wird, war klar; dass Heilbronn-Horkheim ein Top-Gegner ist, ebenso. Mega-stolz sei er auf seine Mannschaft, sagt TSB-Trainer Michael Schweikardt, dessen Team taktisch sehr diszipliniert spielte, und ein hohes Tempo vorgab. Das gingen die Zweibrücker mit. Es entwickelte sich eine ausgeglichene Anfangsphase, in der sich aber schon Probleme im SV-Angriff andeuteten. Kreisläufer Kevin Knieps und Philipp Kockler im linken Rückraum konnten nicht an die Leistung im DHB-Pokalspiel anknüpfen.

Rasantes Spiel

Weil sich SV-Spielmacher Tim Götz vom Anpfiff weg zudem einer Manndeckung gegenübersah – „wir wissen, dass Tim Götz im Zweibrücker Spiel eine entscheidende Rolle innehat“, sagte Schweikardt zu dieser taktischen Maßnahme – lastete viel Druck auf den Schultern von Niklas Bayer. Der hielt dem stand, traf zum 4:4, zum 7:7 in der 12. Minute. Letztmals remis, anschließend zogen die Gäste Tor um Tor weg.

Wie rasant die Partie teilweise war, welche Aufmerksamkeit erforderlich war, zeigten die elf Sekunden vor dem Halbzeitpfiff: Heilbronns Neuzugang Bruno Levak traf zum 18:12. Zwei Sekunden vor dem Abpfiff verkürzte Tom Grieser auf 13:18, aber mit dem besseren Gefühl gingen die Gäste in die Kabine, denn Rico Reichert antwortete postwendend zum 19:13.

Rot gegen SV-Torwart Ivankovic

Die Manndeckung gegen Götz „haben wir in der Anfangsphase gut gelöst“, bilanzierte Bullacher. Aber eben nicht über die gesamte Spielzeit. Florian Uhl war der Mann, der Götz bis Mitte der zweiten Halbzeit bewachte. Dann rückte Uhl auf andere Weise in den Blickpunkt des Geschehens. Als er von Rechtsaußen in den Kreis einsprang, kollidierte er mit dem ihm entgegenspringenden SV-Torwart Marko Ivankovic. Dessen Hand landete in Uhl Gesicht. Die Folge: Rot für Ivankovic. „Wir haben heute gesehen, woran wir arbeiten müssen“, meinte Niklas Bayer.

Dass seine Mannschaft viel besser verteidigen kann, „das weiß ich“, sagte Bullacher. Positive Akzente, die es im Spiel durchaus gab, „auf die werden wir sicher aufbauen“, bestätigte Bayer. Dazu gehörte zum Beispiel, dass die Zweibrücker ihre Chancen ins leer Tor alle nutzen konnten.

So spielten sie

SV 64 Zweibrücken: Ivankovic, Dörr (ab. 45.) - Bayer (5), Götz (3), Kockler (5) - Ihl (4), Huber (1) - Knieps (5/2) – Grieser (2), Hammann (1), Meister (1), Zellmer (5)

TSB Heilbronn-Horkheim: Hölzl, Gratwohl (ab 49.) - Foege (3), Mönch (7), Fröhlich (4) - Uhl (1), Niklas Matusik (2) - Reichert (6) – Grosser (1), Noah Matusik, Kuhnle, Bohnenstengel (7/6), Starz (3), Levak (3)

Spielfilm: 7:7 (12.), 7:9 (15.), 10:13 (21.), 12:16 (25.), 13:19 (Halbzeit), 17:25 (41.), 25:32 (51.), 30:35 (37.), 32:37 (Ende) - Zeitstrafen: 4:6 - Rote Karte: Ivankovic (45./grobes Foul) - Siebenmeter: 3/2 - 8/6 - Beste Spieler: Bayer - Mönch, Fröhlich - Schiedsrichterinnen: Senk/Kuschel (Ludwigshafen/Mannheim).

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