zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel „Früher wollte man aggressive Hunde haben“

Von links: Hugo Haas, der den Hund Hasso von Opel Rasp führt, der erste Vorsitzende Richard Bittes und Herr Buschmann (Vorname u
Von links: Hugo Haas, der den Hund Hasso von Opel Rasp führt, der erste Vorsitzende Richard Bittes und Herr Buschmann (Vorname unbekannt) Anfang der 50er Jahre.

Der Schäferhund ist im Wandel. Waren früher Beißer gefragt, will man heute Familienhunde. Der Schäferhundeverein Zweibrücken steht nach 100 Jahren allen Hunderassen offen.

Das können auch Peter Gundacker, Hans Haas und Thorsten Gries von der Zweibrücker Ortsgruppe des Vereins für Deutsche Schäferhunde berichten. Ihr Verein mit eigenem Heim und Gelände in der Gersbergerhofstraße 100 in Niederauerbach feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag.

„Das war weit und breit der beste Hund, der Hasso von Opel Rasp. Mein Vater war sein Ausbilder und Ausführer“, erzählt Hans Haas und zeigt auf das Foto mit drei Männern und drei Schäferhunden, das im Vereinsheim hängt. Aufgenommen wurde es Anfang der 50er-Jahre; nach dem Krieg wieder zusammengekommen waren die Schäferhunde-Freunde anno 1948. Von seinem Vater Hugo Haas weiß Hans Haas um die Anfänge des Vereins 1922 auf der Rennwiese – zunächst hinter der Tribüne, dann hundert Meter weiter Richtung Freibad. Später zog der Verein nochmals um. Seit 1976 ist er auf dem Lohr oberhalb von Niederauerbach heimisch.

„Gebrauchsschäferhunde“

Knapp 50 Mitglieder zählt der Verein, weiß Peter Gundacker, der seit 2010 den Vorsitz innehat. „Die Zahlen sind rückläufig, die Jugend fehlt uns“, berichtet Gundacker von Nachwuchssorgen. Mittlerweile habe man sich „für alle Hunderassen geöffnet“, man sei „kein reiner Schäferhundeverein mehr“, so Gundacker. Früher hätten auch Zoll und Polizei das Übungsgelände für ihre Ausbildung genutzt, die letzten Jahre seien aber keine Behörden mehr gekommen.

Die Hunde im Verein seien „Gebrauchsschäferhunde“, erklärt Gundacker. Sie hätten einen anderen Körperbau als Hochzucht-Hunde. „In den späten 80er-Jahren fing das an, dass man die Hunde so sehen wollte, mit hinten abfallender Rückenlinie. Das ließ sich besser vermarkten, man verdiente mehr Geld damit.“ Peter Gundacker, selbst Züchter, betont, dass er diese Art Körperbau, die das Tier häufig erkranken lasse, nicht anstrebe.

Keine „Schärfe“ mehr

„Früher wollte man die aggressiven Hunde, die sogenannten Beißer. Heute will man einen Familienhund. Diese Schärfe, das wollen die Leute nicht mehr“, sagt Hans Haas. Nach dem Krieg waren im Verein oft Geschäftsleute, die Schäferhunde als Wach- und Schutzhunde nutzten. Auch wenn jemand aus dem Gefängnis ausbrach, seien die Hunde zum Einsatz gekommen: „Da wurden Hundeführer mit guten Suchhunden angefordert und auf die Fährte angesetzt.“

Thorsten Gries erinnert sich, „dass große Firmen bis noch vor 20 Jahren nach ausgebildeten Hunden fragten für ihr Wachpersonal“. So hätten sie sich die Ausbildung gespart. Drei Ausbilder hat der Verein derzeit. Beim Schäferhundeverein könne man auch die Begleithundeprüfung ablegen, so Gries. Angesichts der neuen städtischen Gefahrenabwehrverordnung wirbt Gries dafür, „dass möglichst viele Hundebesitzer diesen Führerschein machen“.

Wie kleine Esel vor dem Karren

Gundacker und Haas ist es wichtig, dass der Verein „auch was für die Geselligkeit macht“. Dazu gehören Feiern, von denen man für das Jubiläumsjahr einige geplant habe. Ein Ereignis, bei dem sich der Verein in besonderer Weise in der Öffentlichkeit zeigte, ist dem 77-jährigen Hans Haas in Erinnerung geblieben: Zur 600-Jahrfeier der Stadt 1952 liefen die Hundeführer zu Fuß beim Umzug mit und hatten ihre Hunde wie Esel vor kleine Karren gespannt. „Die Hunde zogen die Wägelchen, das hat sich mir eingeprägt“, sagt Haas. Sowohl er als auch Gundacker kommen aus Familien, in denen Hunde einfach dazugehörten. Heute sind es Gundackers Tochter Julia und seine Nichte Aaliyah, die sich für die Deutschen Jugendmeisterschaften qualifiziert haben und die Tradition fortführen.

Grundsätzlich sieht Gundacker „die Kinder heutzutage aber eher am Handy als mit einem Hund“.

Ein aktuelles Foto: Annette Heil trainiert mit ihrem Hund auf dem Vereinsgelände.
Ein aktuelles Foto: Annette Heil trainiert mit ihrem Hund auf dem Vereinsgelände.
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