Zweibrücken Filter vor den Augen

Titellose schemenhafte Frau von Zezo im Mannlichhaus,
Titellose schemenhafte Frau von Zezo im Mannlichhaus,

Es gibt Künstler, die einen Teil ihrer Kreativität durchaus praktischen Bereichen widmen. So auch der aus Bulgarien stammende Zwetan Dinekov, besser unter seinem Künstlernamen Zezo bekannt. Neben rein künstlerisch motivierter Malerei und Grafik ist ein wichtiger Teil seines Schaffens der Entwurf von Bühnenbildern und Kostümen. Das gibt ihm auch eine ganz eigene Perspektive auf alle seine Arbeiten, wie die aktuelle Ausstellung im Zweibrücker Mannlichhaus aktuell zeigt.

Menschen und ihre Interaktion haben es dem 1957 im bulgarischen Varna geborenen und heute in Köln lebenden Künstler angetan. Ausgebildet wurde er sowohl als Maler als auch als Bühnenbildner. Beide Genres haben handwerkliche Schnittmengen, sind jedoch von ihrer Intention grundverschieden. Als Maler kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen, als Bühnenbildner ist man engen Vorgaben verpflichtet. Da ist zum einen die Stückvorlage, zum anderen die Vorstellungen der Regie, in welche Richtung die Inszenierung gehen soll. Zezo findet in beiden Arbeitsweisen seine Leidenschaft. Die zeigt sich auch in einer Vielzahl von Techniken, die der Maler verwendet. Öl, Gouachen oder Mischtechnik. Auf handgeschöpftem Papier, auf Fotos oder Filtermaterial. In allen Bereichen beweist er handwerkliche Meisterschaft und punktgenaue Verarbeitung, jeweils dem genutzten Material angepasst. Viele der in Zweibrücken ausgestellten Bilder zählen zur gegenständlichen Kunst. So findet man vielfältige Porträts von Einzelpersonen und Gruppen. Doch obwohl das Motiv klar erkennbar ist, scheinen die Bilder weit entfernt von fotografischer Genauigkeit. Vielmehr sind sie verfremdet, so als sein ein Filter vor den Augen des Betrachters. Ausdrucksstark sind die dargestellten Personen von ihrem Gestus. Etwa, wenn zwei Frauen in inniger Unterhaltung gegenüberstehen. Dennoch bleiben die Figuren gesichtslos, verschwimmen in ihrer Umgebung. Scharfe Konturen sucht man auf den Arbeiten von Zezo vergebens. Verblüffend, dass der Betrachter jederzeit zu wissen scheint, was die Portraitierten denken und fühlen. Zudem die Arbeiten von einer hohen Ästhetik erfüllt sind. Auswahl der Farben und die Harmonie der Formen wirken auf eine spannende Art dekorativ und sind von einer transparenten Leichtigkeit geprägt. Zezos Darstellungen sind niemals statisch im Sinne eines inszenierten Porträts. Vielmehr sind es Szenen, die sich in der Fantasie des Betrachters zu ganzen Geschichten ausweiten können. Dabei ist es immer wieder die dramatische Pose, die den Künstler bei seinen Beobachtungen fesselt. Es geht um die Selbstdarstellung der gezeigten Menschen, von denen manche auf der Bühne zu stehen scheinen. Eine Tänzerin in ausladender Bewegung fesselt den Blick. Auf einem anderen Gemälde betont Zezo mit ironischem Augenzwinkern, wie wichtig sich der Mensch nimmt, der stolz und farbenfroh neben nur noch schemenhaft gezeichneten Begleitern seinen Sonntagsspaziergang inszeniert. Der Umgang mit Strukturen und menschengeschaffener Ordnung ist ein weiteres Thema der Zweibrücker Ausstellung. So versieht Zwetan Dinekov etwa die Reproduktion bekannter Porträtköpfe mit geometrischen Linien und verleiht ihnen so neue Perspektiven. Andere Arbeiten erhalten ihre komplexe Struktur durch die Verwendung zahlreicher Symbole und Zeichen, die vor, um und in verschiedenfarbigen Rechtecken verteilt sind. Wie Collagen wiederum wirken einige andere Arbeiten auf Papier, die sowohl Szenen menschlichen Zusammenlebens als auch sorgsam positionierte Zahlen enthalten, die vor vermeintlich willkürlich geformten Hintergrundflächen stehen. Der Künstler scheint hier in fantastische Welten abzugleiten, in denen das wirkliche Leben nur noch schemenhafte Erinnerung ist. Den Betrachter nimmt er mit auf diese spannende Reise. Da ist man doch gerne Begleiter. Ausstellung Zezo: Malerei und Bühnenbilder, bis 28. Mai, Zweibrücken, Förderkreis Park Galerie im Mannlichhaus, Herzogstraße 8, geöffnet: Freitag bis Sonntag 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Informationen: Egon Kirmse, Telefon 06332/49472.

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