Zweibrücken
Festnahme nach Streit im Langental: Zeugen berichten von aggressiven Polizisten
Die 47-Jährige und der 28-Jährige stehen derzeit vorm Zweibrücker Amtsgericht. Der Vorwurf: Sie sollen am 21. August 2022 in der Ixheimer Langentalstraße bei einem Tumult samt Geschrei und Geschimpfe mitgemischt haben. Zwei herbeigerufene Polizisten, so die Anklage, seien von dem Pärchen attackiert und beleidigt worden. Als die Beamten das Paar des Hofes verwiesen, hätten die Angeklagten weiter um sich geschlagen und getreten − bis sie von den Beamten zu Boden gebracht, gefesselt und später im Polizeiauto in die Pirmasenser Psychiatrie gebracht wurden. Einer der Polizisten berichtete vor Gericht, dass die 47-jährige Angeklagte ihn sogar in Handschellen am Boden sitzend noch getreten habe, sodass der Beamte einen Kapsel- und Bänderriss am Mittelfinger und eine Kratzwunde an der Hand davongetragen habe. Der zweite Polizist bestätigte vor Gericht am Mittwoch das aggressive Auftreten der beiden Angeklagten. Es habe Tritte gegeben, die Beamten hätten sogar mit dem Taser gedroht. Der zweite Polizist sei am Kopf und am Knie getroffen worden.
Polizist soll Angeklagte übel beleidigt haben
Die für den zweiten Verhandlungstag geladenen Zeugen schilderten den Vorfall anders. Eine 44-jährige Anwohnerin sagte, dass sie das Geschrei vor dem Polizeieinsatz mitbekommen habe. Eine Nachbarin habe mal wieder provoziert – unter anderem die 47-jährige Angeklagte. Auch das Eintreffen der Polizeistreife habe die Zeugin beobachtet. Das angeklagte Pärchen habe sich vollkommen friedlich verhalten, vielmehr habe die Polizei ein aggressives Verhalten an den Tag gelegt, so die Zeugin. Zudem habe einer der Polizisten zur Angeklagten gesagt, sie solle erst einmal richtig Deutsch lernen.
Die Aussagen der zweiten Zeugin – die Tochter der 44-Jährigen – deckten sich mit den Schilderungen ihrer Mutter. Auch sie sagte, dass sich die Angeklagten friedlich verhalten hätten, die Polizisten hingegen seien „respektlos“ gewesen. Einer habe die Angeklagte sogar übel beleidigt, berichtete die Zeugin. Zudem zeigte sie ein Video, das sie am Tatabend aufgenommen hatte. Es wurde als Beweismittel zu den Akten hinzugefügt. Viel zu erkennen war wegen der Dunkelheit zu später Stunde jedoch nicht.
Die letzte Zeugin am zweiten Verhandlungstag wurde in Handschellen und Gefängniskleidung in den Gerichtssaal gebracht. Sie sitzt derzeit eine Haftstrafe ab. Die 24-Jährige sagte aus, dass die Polizisten aggressiv aufgetreten seien. Viel wisse sie jedoch vom Tattag nicht mehr, weil sie betrunken gewesen sei. Bei der Aussage der letzten Zeugin platze Oberamtsanwältin Gabriele Haas der Kragen. Sie erinnerte alle drei Zeugen an ihre Wahrheitspflicht vor Gericht. Dass plötzlich die Polizisten aggressiv waren und nicht das angeklagte Pärchen, glaubt Haas nicht.
Gutachten: Alkohol und Drogen im Spiel
Ein Urteil fällte Richterin Helen Klotz am zweiten Verhandlungstag noch nicht. Es sollen weitere Zeugen gehört werden, das beantragte die Verteidigung. Vorgelesen wurde dafür das toxikologische Gutachten der beiden Angeklagten: Zum Tatzeitpunkt standen beide unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen − Cannabis und Amphetamin. Die 47-jährige Angeklagte hatte einen Blutalkoholwert von 1,7 Promille, der 28-Jährige einen Wert von 1,1 Promille.
Der 28-Jährige wurde erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen. Dort saß er eine Haftstrafe, unter anderem wegen des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, ab. Die 47-jährige Angeklagte blickt seit ihrem sechsten Lebensjahr auf umfangreiche Erfahrungen mit immer exzessiverem Alkohol- und Drogenkonsum zurück. Ein Sachverständiger bescheinigte ihr am ersten Verhandlungstag einen „sozialen Abstieg“ angesichts anhaltender Suchtprobleme, einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und häufigen Gefängnisaufenthalten, der schließlich zur Arbeits- und Wohnungslosigkeit geführt habe.