Zweibrücken Feinschliff für den Ring

Intensive Einheit: Kickboxer Jakob Styben (rechts) beim Training gegen die Pratzen, die sein Coach Pavel Yevtushenko in den Händ
Intensive Einheit: Kickboxer Jakob Styben (rechts) beim Training gegen die Pratzen, die sein Coach Pavel Yevtushenko in den Händen hat.

«HOMBURG.» „Bamm, bamm, bamm“ – laut hallen die Tritte und Schläge von Kickboxer Jakob Styben von den Wänden der Trainingsräume des Fight Clubs Homburg wider. Der Dietrichinger macht nach einem längeren Traininglager in der Ukraine diese Woche kurz Station in der alten Heimat – auf dem Weg zu einem sehr wichtigen Kampf am Samstag in Straßburg.

In Frankreich kämpft Styben erstmals für Glory: Bei der renommierten Kickboxing-Organisation hat er kürzlich einen Vertrag unterschrieben. „Das ist eine holländische Organisation. Die organisieren weltweit Kämpfe, das ist für uns sowas wie die Champions League im Fußball“, verdeutlicht der 27-Jährige. Um 14 Uhr am Dienstag kamen Styben und sein neuer Trainer Pavel Yevtushenko (seit vier Monaten) – in Personalunion Coach des ukrainischen Nationalteams, wie sein Shirt mit der Aufschrift „Captain Ukraine“ unschwer verrät – aus Odessa in Frankfurt an, danach ging’s gleich nach Homburg. „Wir haben vor 15 Jahren hier in Homburg schon zusammen trainiert, waren auch beide Fußballspieler in der Jugend des FC Homburg und haben uns danach nie aus den Augen verloren“, erklärt Stefan Kaufmann, Trainer und Vorstandsmitglied im Fight Club, warum es den Europameister im Muay-Thai-Boxen 2018 für sein Abschlusstraining gerade ins Homburger Gym verschlagen hat. Nach einigen Runden Schattenboxen und dem zwischenzeitlichen Bandagieren seiner Hände ist Styben beim Pratzentraining mit seinem Coach angekommen. „Bamm, bamm, bamm.“ Eine aufmerksame Zuschauerin meint lapidar: „Bei uns knallt das nicht so laut.“ Drei Minuten fordert Yevtushenko seinen Schützling pro Runde, gibt die Serien der gewünschte Schläge und Tritte genau vor. Auf Russisch. Kein Problem für Styben, er ist ja in Russland geboren, hat die Sprache als Kind gelernt. Und liest schon mal Dostojewski in der Landessprache, damit er nicht einrostet. Immerhin: Der Gong am Ende der Runde ist nicht mehr analog, sondern kommt vom Handy. Zwischen den Runden, die stramm aussehen, dehnt Styben sich ausgiebig. Der Kickboxer unterstreicht aber, dass dieses Programm mitnichten heftig sei. In dem mehrwöchigen Trainingslager stand zuletzt – neben der Analyse des Kampfstils seines türkischen Gegners Ertugrul Bayrak – deutlich mehr auf dem Programm. Fünf Kilometer Laufen, zwölf Runden Sparring, sogar gegen einen früheren Sparringspartner von Vitali Klitschko, drei Runden Schattenboxen, drei Runden Pratzenboxen inklusive Championsrunde. „Und die ist wirklich heftig“, beschreibt Styben, seit etwa anderthalb Jahren Vollprofi, diese drei Minuten unter Volllast. Das alles täglich, außer donnerstags und sonntags. Diese Tage dienen der Regeneration, mit Sauna und Massage. Das Trainingslager sei so anstrengend gewesen, dass er schon mal den Coach gefragt habe: „Wann wird’s einfacher, ich bin schon langsam durch?!“ Yevtushenkos trockene Antwort: „Nach dem Kampf!“ Am Dienstag hastete er vom Training zum Übernachten nach Hause zu Mama Tatjana, Papa Vladimir und den zwei jüngeren seiner vier Geschwister. Gestern ging’s per Auto nach Straßburg, wo heute Interviews, Fotoshootings und Regelbesprechungen anstehen. Die Familie kommt am Samstag nach. Bis zum offiziellen Wiegen am Freitag muss er aber noch 3,5 Kilogramm Gewicht machen für den Start in der Mittelgewichtsklasse bis maximal 85 Kilogramm. Nervös ist der in Rommerskirchen (Nordrhein-Westfalen) lebende Styben vor dem Kampf gegen Nummer fünf der Rangliste nicht, auch wenn der Kampf dem Vernehmen nach in etwa 80 Länder übertragen wird. „Ich hab’ einen erfahrenen Trainer an meiner Seite, bin positiv eingestellt und sehr gut vorbereitet“, meint die aktuelle Nummer elf. Sein Ziel für Samstag im Ring: „Der Gegner soll mein Spiel spielen, nicht ich seins.“

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