Zweibrücken
FDP stellt Kandidaten auf – und verrät danach nur die halbe Wahrheit
Die FDP hat ihre Stadtratskandidaten bereits am 25. Januar im Sportheim des SV Niederauerbach aufgestellt. Die Presse war dazu nicht eingeladen worden. Absichtlich nicht, wie die Stadtverbandsvorsitzende Erika Watson einräumt: „Das war für mich ein bisschen ’ne heiße Kiste“, sagte sie am Mittwoch im Gespräch mit der RHEINPFALZ. An dem Abend gab es mehrere Gegenkandidaturen, und Ulrich Schüler (70) verließ irgendwann die Sitzung, nachdem er drei Abstimmungen verloren hatte – teilweise gegen deutlich jüngere und politisch völlig unbekannte Kandidaten. Davon steht nichts in der Pressemitteilung, die Erika Watson knapp zwei Wochen nach der Sitzung der Presse zugeschickt hat.
Stattdessen steht dort: „Die Liste für die Kommunalwahl ist von Aufbruchstimmung und mutigem Neuanfang geprägt.“ Der Stadtverbandsvorstand bedanke sich bei Ulrich Schüler für dessen langjährige Arbeit für die Freien Demokraten im Stadtrat. Und: „Er wollte sich nicht mehr zur Verfügung stellen.“
Schüler: „Das ist sowieso hoffnungslos“
Ulrich Schüler stellt das anders dar: „Ich hätte gerne noch mal kandidiert.“ Er wäre gerne bereit gewesen, noch einmal im Stadtrat mitzuarbeiten und von einem aussichtsreichen Listenplatz aus anzutreten. Aber im Laufe des Abends habe er gesehen: „Das ist sowieso hoffnungslos.“ Schüler wurde für die Plätze 3, 4 und 5 vorgeschlagen, verlor aber alle Abstimmungen. Erst gegen Christian Glahn, der sich im Bauern- und Winzerverband engagiert und im Ortsbeirat Mörsbach sitzt. Danach gegen die 19-jährige Abiturientin Lara Lauer und gegen den Mitte-30-jährigen IT-ler Steven Peter, zwei politische Neulinge. „Ich wollte mich dann auf Platz 6 nicht noch mal ablehnen lassen“, sagt Ulrich Schüler.
Platz 6 war laut Erika Watson der Platz, für den Schüler vorgesehen war. Sie bewertet das Ganze auch anders: Seit September habe der Vorstand offen über die Vorschlagsliste gesprochen und dann einen Beschluss gefasst. Der Vorstand habe Ulrich Schüler angeboten, auf Platz 6 als bekanntes Zugpferd zu kandidieren. „Das wollte er nicht“, sagt sie. Die FDP hat derzeit zwei Sitze im Stadtrat. Ulrich Schüler ist als Zahnarzt bei vielen Zweibrückern bekannt und hat bei früheren Wahlen oft mehrere Plätze gut gemacht. So schaffte er es, auch von weiter hinten gelegenen Plätzen in den Stadtrat einzuziehen oder später nachzurücken.
Kampfabstimmung um den Spitzenplatz
Auf der Vorschlagsliste sei sie selbst auf Platz 1 vorgesehen gewesen, sagt die Stadtverbandsvorsitzende. Dort kandidiert sie nun auch, aber auch sie hatte eine Gegenkandidatin: Anne Oberle, die vor einem Jahr in den Stadtrat nachrückte. Bei der Abstimmung um Platz 1 siegte Watson mit einer Stimme Vorsprung. 13 stimmberechtigte Mitglieder waren anwesend. Auf Platz 2 wurde dann Anne Oberle einstimmig und ohne Gegenkandidaten gewählt. Dass all das nicht in der Pressemitteilung über die Listenaufstellung steht, begründet Erika Watson damit, dass sie „keine schmutzige Wäsche waschen“ und „kein böses Blut“ wolle.
Sowohl im Gespräch als auch in der Mitteilung betont die Vorsitzende die hohe Anzahl an jungen Kandidaten und an Frauen auf der Liste. Die ersten zehn Personen hätten ein Durchschnittsalter von 36 Jahren. Unter den ersten 13 Bewerbern seien drei jünger als 24 Jahre. Sechs der ersten zehn Listenplätze würden von Frauen besetzt. Watson, 47 Jahre, spricht von einer „etwas verkleinerten, aber deutlich verjüngten Liste mit einem breiten Querschnitt der Bevölkerung“. Das sei auch das Ziel gewesen: „Es sind Stimmen für einen Generationenwechsel lauter geworden.“ Deshalb sei Ulrich Schüler auch nicht weiter vorne vorgesehen gewesen.
Ulrich Schüler behält seinen Ratssitz
Vor fünf Jahren war Ingrid Kaiser, die Anfang 2023 verstorbene Fraktionsvorsitzende, Spitzenkandidatin vor Erika Watson und Ulrich Schüler. Der sagte am Donnerstag gegenüber der RHEINPFALZ, er werde seinen Sitz bis zum Ende der Wahlperiode behalten: „Warum sollte ich die letzten drei Monate ausscheiden?“, fragte er. Würde er seinen Sitz aufgeben, wäre Erika Watson die erste Nachrückerin. Sie landete bei der Wahl 2019 auf Platz 4 bei der FDP.
Die Kandidaten
Die Zweibrücker FDP schickt eine 28-köpfige Kandidatenliste ins Rennen – in dieser Reihenfolge: Erika Watson, Anne Oberle, Christian Glahn, Lara Lauer, Steven Peter, Florian Winter, Rebecca Peter, Laura Blinn, Christian Hitschler, Carmen Watson, Martina Lauer, Björn Baser, Maximilian Burckhardt, Tobias Müller, Andreas Michel, Lea Lauer, Stefan Strobel, Annemarie Selke, Jürgen Vollmar, Martin Iwanski, Ursula Töns, Marc Sand, Hartmut Glahn, Gerhard Kerfin, Silas Watson, Dieter Franck, Bernd Helbing, Reinhard Bock.