Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Evan Gordon ist der dritte US-Nationalspieler des SV 64 Zweibrücken

Linksaußen Evan Gordon (beim Wurf) machte seine Sache bei den Spielen der USA im U21-WM-Qualifikationsturnier in Mexiko gut.
Linksaußen Evan Gordon (beim Wurf) machte seine Sache bei den Spielen der USA im U21-WM-Qualifikationsturnier in Mexiko gut.

Sportsfreunde: Sein geplantes Debüt als US-Nationalspieler platzte erst mal wegen eines fehlenden Reisepasses. Doch dann bekam Handballer Evan Gordon vom SV 64 Zweibrücken eine zweite Chance. Die nutzte der 17-Jährige aus Maßweiler. Sie beschert dem Schüler der IGS Thaleischweiler jetzt möglicherweise einen prall gefüllten Terminkalender im Sommer.

Der Sommer 2023 könnte ein sehr sportlicher werden für Evan Gordon. Der A-Jugend-Handballer des SV 64 Zweibrücken ist seit Dezember Nationalspieler der USA und könnte für das US-Team gleich an zwei Weltmeisterschaften teilnehmen: im Juni an der U21-Weltmeisterschaft in Deutschland und Griechenland sowie im August an der U19-Weltmeisterschaft in Kroatien. „Ich glaube schon, dass ich gute Chancen habe“, sagt der 17-Jährige, der in Maßweiler zu Hause ist.

In Kaiserslautern geboren, wuchs Evan Gordon zunächst in Schönenberg-Kübelberg auf. Seine erste sportliche Liebe galt dem Basketball. Als die Familie nach Maßweiler zog, wollte Evan weiter Basketball spielen, „aber es gab in der Nähe keine Spielmöglichkeit im Verein“, erinnert er sich. Eine Freundin seiner Mutter gab den Tipp, es doch mal mit Handball zu probieren. Empfohlen, ausprobiert, geblieben. Beim TV Thaleischweiler lernte Evan Gordon, dass man Bälle nicht nur in Körbe, sondern auch in Tore werfen kann. Weil sich für ihn beim TVT keine passende Spielmöglichkeit mehr fand – es gab eine Spielgemeinschaft mit Dansenberg, aber nach Kaiserslautern zum Training zu fahren, war zu aufwendig – wechselte der junge Handballer nach Zweibrücken. Das war für seine Mutter, die die Fahrdienste zum Training leistet, besser zu erreichen.

Vom Basketball zum Handball

Mit einem amerikanischen Freund nahm Gordon unter anderem am Camp 64 in Zweibrücken teil. Seit dem zweiten D-Jugend-Jahr spiele er beim SV, berichtet Gordon, der in Thaleischweiler-Fröschen die elfte Klasse der Integrierten Gesamtschule (IGS) besucht. Englisch – schon im Camp 64 bewährte sich Evan Gordon für seinen Freund als perfekter Dolmetscher –, Biologie und Sozialkunde sind seine Leistungsfächer. Dass aus dem vom Basketball begeisterten Jungen mal ein Handballer und gar ein Nationalspieler werden würde, „damit hat niemand gerechnet – ich bestimmt nicht“, sagt Gordon lachend. Zumal er selbst noch nie in Nordamerika war. Sein Vater, durch den er auch die amerikanische Staatsbürgerschaft hat, ist US-Soldat und stationiert in Washington.

Er durchlief die Jugendteams beim SV 64, spielt aktuell mit der A-Jugend in der Oberliga und sammelte erste Erfahrungen im Männerbereich bei der zweiten Mannschaft in der Saarlandliga. Dort war zu Saisonbeginn Giona Dobrani noch ein Teamkollege. „Mit ihm habe ich mich mal über das Thema unterhalten“, erzählt Evan Gordon. Denn Giona Dobrani war bereits der zweite US-Nationalspieler in Reihen der Zweibrücker. Der erste war Gionas älterer Bruder Luca Dobrani, der 2015 als erster SV-Spieler das Trikot der US-Nationalmannschaft tragen durfte. Beide Dobranis haben sich wegen ihres Studiums inzwischen vom Handball verabschiedet.

Fehlender Reisepass zögert Debüt hinaus

Die Geschichten vom US-Nationalteam hätten sich für ihn „so interessant angehört“, dass er „Stefan Bullacher nach Kontaktadressen gefragt“ habe, erzählt Evan Gordon. Der Kontakt wurde hergestellt und mittels Videomaterial gezeigt, was der 1,80 Meter große Rechtshänder, der auf der linken Außenbahn zu Hause ist, so kann. Er überzeugte das US-Trainerteam und erhielt eine Einladung fürs US-Nationalteam, für das er die WM-Qualifikation bestreiten sollte.

Ursprünglich war besagte Einladung für die U19-Auswahl, berichtet Evan Gordon. Die spielte im November die Nordamerika/Karibik-WM-Qualifikation. Für Gordon klappte das aber nicht. Grund: „Mein Reisepass, den ich ja zum ersten Mal benötigte, wurde nicht rechtzeitig fertig.“ Der Traum vom Debüt 2022 im US-Nationaltrikot war allerdings trotzdem nicht ausgeträumt. Denn der Verband plante um und lud Gordon zum U21-Qualifikationsturnier ein. Im Dezember flog er nach Mexiko. An der sportbegeisterten IGS war er kurz vor Weihnachten für den einwöchigen WM-Qualifikationstrip freigestellt worden.

In Mexiko kurzerhand ins Hotel umgezogen

Es ging direkt nach Mexiko-City, wo die USA um die WM-Qualifikation kämpften. „Wir haben uns einen Tag vor dem Turnierstart getroffen, mal trainiert, dann ging es los“, erzählt Evan Gordon, der in Nepomuk Grabner, der in Österreich zu Hause ist und spielt, noch einen Deutsch sprechenden Teamkollegen hatte. Den Trip nach Mexiko hätte der US-Verband, der zum Team Olympia USA gehört, bezahlt. Aber die vorgesehene Unterkunft, eine Gemeinschaftshalle, sei „so schrecklich“ gewesen. „Da haben wir alle gesagt, dass wir dort nicht bleiben und lieber ins Hotel gehen“, berichtet Evan Gordon von seinem Mexiko-Abenteuer. Gesagt, getan. „Die Hotelkosten mussten wir dann selbst übernehmen. Das war es aber wert.“

Zu Hause hatten Mama Heike und Schwester Paula dem jungen Handballer ebenso die Daumen gedrückt wie die SV-Teamkollegen. Mit Erfolg. Gordon wurde von US-Nationaltrainer Danilo Rojevic wie in Zweibrückern als Linksaußen eingesetzt. Mit drei Toren gegen Grönland feierte er einen erfolgreichen Start in seine Nationalmannschaftskarriere. Dem Sieg gegen Grönland folgten der Sieg gegen Guadeloupe und das Halbfinale gegen Martinique. Auch hier steuerte Gordon zwei Treffer zum Sieg bei. Damit war die WM-Qualifikation geschafft. Ein Gordon-Treffer stand auch bei der 23:26-Niederlage im Finale gegen Kuba zu Buche. Dort konnte er die US-Nationalhymne perfekt mitsingen. „Beim ersten Spiel war das noch nicht so gut“, bekennt er lachend.

Chancen auf zwei WM-Teilnahmen

Er darf sich nun Chancen ausrechnen, im Juni in Magdeburg bei der U21-WM dabei zu sein – und als in Deutschland aufgewachsener Handballer ein Heimspiel zu haben –, wenn das US-Team auf drei schwere Gegner trifft: den Nachwuchs aus Frankreich, Polen und Kroatien. „Wenn es perfekt läuft, darf ich sogar zwei Weltmeisterschaften spielen“, sagt Gordon. Denn er ist jung genug, um auch in der U19-Auswahl der USA zu spielen. Die hat sich gleichfalls in Mexiko für die WM qualifiziert, die im August in Kroatien angepfiffen wird. Ein fehlender Pass steht einem WM-Einsatz jedenfalls nicht mehr im Wege.

So machen wir das: Evan Gordon (Mitte) im Gespräch mit US-Nationaltrainer des U21-Teams, Danilo Rojevic (links).
So machen wir das: Evan Gordon (Mitte) im Gespräch mit US-Nationaltrainer des U21-Teams, Danilo Rojevic (links).
Evan Gordon im US-Nationaltrikot.
Evan Gordon im US-Nationaltrikot.
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