Zweibrücken
Es wird nichts mit der Zweibrücker Soccerhalle
„Wir haben schon Banden und Tore gekauft, das ist alles da“, sagt der selbstständige Baugutachter Sebastian Steinmanis, der nebenberuflich seit 2022 die Fußballschule Volltreffer betreibt. Im November vergangenen Jahres wurde bekannt, dass Steinmanis die ehemalige Fehrentz-Getränkehalle am Etzelweg vom Besitzer, dem Bauunternehmer Miroslav Gruchlik, mieten will. Steinmanis wollte daraus eine Soccerhalle, also eine Fußballhalle, machen. Doch vor knapp einem halben Jahr habe er Reißleine gezogen und sein Herzensprojekt beerdigt, wie Steinmanis jetzt sagt.
Dies habe verschiedene Gründe. Zum einen seien die bürokratischen Hürden zu hoch gewesen. „Ich hätte eine Nutzungsänderung zur Sportstätte beantragen müssen, die schon nicht einfach ist. Dazu kamen hohe Brandschutzhürden. Da standen in einem Gespräch rund 100.000 Euro alleine für den Brandschutz im Raum“, erinnert er sich. Eine Summe, die nach nicht refinanzierbar sei durch die geplante Soccerhalle. Denn die ehemalige Getränkehalle biete nur Platz für ein einziges Spielfeld mit Kunstrasen.
Gestiegene Grundsteuer als Hemmschuh
„Da sollten feste Banden rein, und bei Kindergeburtstagen und ähnlichen Veranstaltungen hätte man in der Mitte flexibel abtrennen können, mit einer mobilen Bande. Trotzdem hätte man ein großes Feld für erwachsene Mannschaften gehabt“, erläutert Steinmanis die ursprünglichen Pläne. Ein weiterer Hemmschuh sei die massiv gestiegene Grundsteuer für Gewerbetreibende in Zweibrücken gewesen. „Wenn man ein 600 Quadratmeter großes Grundstück gemietet hat, kann man sich ja ausrechnen, dass sich das nicht mehr rentiert.“
Die Grundsteuer treffe zwar zuerst den Eigentümer, der diese aber zu hundert Prozent auf den Mieter umlegen kann. Dazu seien die errechneten Personal- und Betriebskosten gekommen – alles in allem Kosten, die einen rentablen Betrieb der Soccerhalle nicht zugelassen hätten. „Nebenberuflich ist das nicht zu machen. Ich habe eine eigene Firma, betreibe eine Fußballschule, bin ehrenamtlich Fußballtrainer im Verein und habe sechs Kinder. Und hauptberuflich kann man von so was schon gar nicht leben.“
Sebastian Steinmanis kommt aus der Baubranche, betreibt ein Gutachterbüro für Bauschäden, Energieberatung und Bauüberwachung. Doch in Sachen Bürokratie sei auch er an seine Grenzen gekommen. „Ich wollte den Holzbau im linken Teil, wo früher Kasse und Büros waren, mit Brandschutztüren abtrennen vom Sportbereich. Doch auch in letzterem gelten wohl verschärfte Brandschutzvorkehrungen. Aber was soll an einem mit Sand abgestreuten Kunstrasen brennen? Dort wird Sport getrieben“, bleibt für den verhinderten Fußballhallenbetreiber so manche Vorschrift ein Geheimnis.
Anfragen aus Frankreich
Für seine 2022 gegründete Fußballschule hätte er mit der Halle gerne ganzjährige Flexibilität gehabt. Er hätte sie aber auch zu Sonderkonditionen heimischen Vereinen zur Verfügung gestellt, wie er sagt. Über das Sommerhalbjahr dürfe er sich zwar mit der Fußballschule im Westpfalzstadion einmieten, aber die Vereine hätten immer Vorrang. Zumal ein einziger Kunstrasenplatz zu wenig sei für sieben oder acht Vereine, die dort trainierten. Auch deshalb wäre eine Soccerhalle mit Kunstrasenspielfeld eine Bereicherung für die Stadt und Sportgemeinde Zweibrückens gewesen, meint Steinmanis. Sogar aus dem nahen Frankreich habe er bereits Buchungsanfragen bekommen, denn dort gebe es solche Soccerhallen weit und breit nicht.
„Nach dem Aus der Getränkehalle als Standort habe ich mir zwei, drei andere Hallen in der Stadt angesehen, unter anderem auf dem Flugplatzgelände. Aber die sind alle zu klein, ein freies Spielfeld von 20 auf 30 Meter muss es schon sein.“ Eine Chance gebe es noch für die Fußballhalle am Etzelweg: einen Investor. Der sei aber bislang nicht in Sicht. Zwar sei ihm Hallen-Eigentümer Miroslav Gruchlik bei vielem entgegengekommen, aber auch Gruchlik sei schließlich Geschäftsmann und könne nicht drauflegen.