Zweibrücken
Es geht, wenn man will
Der Unfall am Freitagnachmittag in Mittelbach ist der zweite schwere innerhalb von zwei Jahren. Im August 2019 raste ein Franzose mit einem Mercedes durchs Dorf und krachte in ein anderes Fahrzeug und an eine Haustreppe. Die Polizei kam anschließend zweimal nach Mittelbach und maß mit einer Laserpistole die Geschwindigkeit. Es gab eine Bürgerversammlung mit reger Anwohnerbeteiligung. Und die Gemeinde ertüchtigte die zwei Mittelbacher Geschwindigkeits-Messtafeln. Sonst passierte erst mal nichts.
Die beschlossene Änderung des Parkkonzeptes in der Ortsdurchfahrt, das den Verkehr verlangsamen soll, lässt weiter auf sich warten. Bei der Unfallaufnahme am Freitag sagte ein Polizist, man habe doch zwei Messtafeln, die auch aufzeichnen und mit deren Daten man bauliche Maßnahmen untermauern könne, um künftige Unfälle zu vermeiden.
Nun war der Unfall am Freitag vermutlich nicht auf zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen, doch er hat gezeigt, dass in der Ortsdurchfahrt bislang nur mit viel Glück nicht mehr passiert ist als Blechschaden. Und er hat bei den Anwohnern Erinnerungen an den Raserunfall 2019 geweckt. Die Anwohner verlangen zu Recht mehr als hohle Phrasen und aufgeschobene Planungen. Und auch mehr als nur die sinngemäße Auskunft: „Die Altheimer Straße ist eine Landesstraße, da kann man nichts machen“.
Wie schwer es ist, auf einer Landesstraße etwas zu ändern – aber auch, dass immer erst etwas geändert wird, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist oder angefahren wurde – hat man beim Übergang am Netto in der Steinhauser Straße in Zweibrücken gesehen. Aber ebenso, dass es geht, wenn man nur will.
Die Statistiken der Geschwindigkeits-Messtafeln sind allerdings kontraproduktiv. Sie gaukeln in Mittelbach vor, dass die Situation nicht so schlimm sein kann, weil sich ja mehr als 99 Prozent der rund 2500 täglichen Autofahrer an die Geschwindigkeit halten oder diese nur gering überschreiten. Nur geschätzt zwei Autofahrer alle zwei Wochen fahren schneller als 80 Stundenkilometer durch Mittelbach, hauptsächlich abends und nachts. Doch genau diese zwei Raser werden früher oder später Unfälle mit Verletzten oder gar Toten verursachen, wenn sich baulich nichts ändert oder kein fester Blitzer aufgestellt wird, wie er im Saarland vor nahezu jedem Kindergarten steht. Dann spielen die anderen 99 Prozent oder hochgerechnet geschätzt 13 000 braven Autofahrer pro Woche keine Rolle mehr, auch wenn sie statistisch gesehen großes Gewicht haben. Die Zahlen aus den Tafel-Messungen sind Augenwischerei und nicht brauchbar.