Handball
Erst FSJ, dann BWL: Marc-Robin Eisel, Drittligaspieler beim SV 64 Zweibrücken
„Das Wort Kurzarbeit hat aus meiner Generation wahrscheinlich so gut wie niemand gekannt“, sagt Eisel. Er absolvierte gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim SV 64, als die Corona-Pandemie immer mehr Einschränkungen mit sich brachte. Der Handball-Spielbetrieb kam zum Erliegen. Das traf Eisel als Spieler im Männer-Oberligateam und als Co-Trainer der Oberliga-Handballerinnen des SV. Es traf ihn aber auch als FSJler. Kein Jugendspielbetrieb mehr, keine Turniere, kein Camp 64 an Ostern, die Schulen geschlossen, folglich auch kein Handball in der Schule mehr. So lernte Eisel das Wort Kurzarbeit kennen, war selbst davon betroffen. Bis dahin, resümiert er, hatten für ihn eher die Worte Vollbeschäftigung und Facharbeitermangel zum Thema Wirtschaft gehört.
Mathe und Statistik
Wirtschaft ist ein Thema, mit dem er sich seit Beginn dieses Wintersemesters akademisch intensiver beschäftigt. An der Technischen Universität in Kaiserslautern hat er ein Studium der Betriebswirtschaftslehre (BWL) begonnen. „Mit den Kindern zu arbeiten, das hat mir Spaß gemacht und später mal etwas in diesem Bereich tun, das kann ich mir vorstellen“, sagt er über seine FSJ-Erfahrungen. An der Canadaschule in Zweibrücken, sofern es Corona zuließ beziehungsweise wieder zulässt, hilft er manchmal im sportlichen Bereich aus. Aber das Lehramtsstudium wäre nichts für ihn gewesen, bekennt er. Und kann das auch vor dem Hintergrund beurteilen, dass Freundin Lucy Krein, die Spielmacherin der SV-Handballerinnen, in Landau ein Lehramtsstudium absolviert.
Sein BWL-Studium findet aktuell gleichfalls unter Corona-Bedingungen statt. „Vieles online, nur wenig im Präsenzstudium. Ich glaube, ich war nur drei-, viermal dort“, erzählt Eisel. Kommilitonen persönlich kennenlernen sei im ersten Semester also gar nicht so einfach. Einen Mitstudierenden kennt er aber ganz gut: Fabian Naumann, der im Saarlandligateam des SV spielt. In Jugendjahren spielten sie gemeinsam für die Zweibrücker. Mit Mathe und Statistik, die im ersten Semester auf dem Lehrplan stehen, dürfen sich die beiden Handballer nun beschäftigen.
Zu Läufern mutiert
Dass es mehr Spaß macht, sich mit dem Handball zu beschäftigen, „das stimmt“, unterstreicht der Homburger im SV-Dress. Auch wenn das Spielgerät zwischenzeitlich keine oder nur eine geringe Rolle spielte. „Wer hätte je gedacht, dass wir alle noch zu Läufern werden“, sagt er lachend mit Blick auf die Zeit, als außer Jogging kaum sportliche Möglichkeiten bestanden. Es sei richtig gut gewesen, „dass wir dann in Saarbrücken trainieren durften, der Ball wieder im Spiel war“.
An Masse zugelegt
Aber noch schöner sei, dass nach einer weihnachtlichen Handballpause nun wieder in den heimischen Zweibrücker Hallen trainiert werden kann. Die Zeit zuvor hat er genutzt, um ein paar Kilos zuzulegen. 90 Kilogramm bringt er aktuell bei 1,86 Meter Größe auf die Waage. „Es ist gar nicht so einfach, an Masse zuzulegen, ohne an Schnelligkeit zu verlieren“, hat er dabei erfahren. Und er habe auch nicht schlecht gestaunt, als er in den EM-Qualifikationsspielen der deutschen Nationalmannschaft den österreichischen Kreisläufer Tobias Wagner sah. Wagner, der vier Zentimeter größer ist als Eisel, bringt 128 Kilo auf die Waage. Gegen ihn hatten Eisel & Co in einem Drittligaspiel in der Westpfalzhalle gegen den HBW Balingen/Weilstetten gespielt. „Der war damals schon ein Kraftpaket. Aber jetzt hat er noch mal richtig zugelegt“, freut sich Eisel immer, wenn er im Fernsehen Spieler sieht, mit denen er gemeinsam gespielt oder gegen die er gespielt hat. „Es sind ja jetzt schon einige in der Ersten und Zweiten Bundesliga“, resümiert er. Bundesliga – das wäre auch sein Handballtraum.
Man habe sich gefreut, als Mannschaft wieder gemeinsam trainieren zu können, auch wenn vieles, was den Handball ausmache – Zuschauer, Emotionen, gemeinsam feiern - „derzeit nicht dazugehören kann“, bedauert Eisel. „Im Training habe ich nach der Pause auch noch jeden erkannt“, bestätigt er und schiebt schmunzelnd nach: „Beim ein oder anderen merkt man schon, dass der Friseur jetzt schon geraume Zeit geschlossen hat.“ Das Kapitäns-Duo Philip Hamann und Benny Zellmer hat daher auf die Ultrakurz-Variante umgestellt. Eisel: „So weit bin ich noch nicht.“
Corona-Tests sind Pflicht
Das Mannschaftstraining ist beim SV aber an Voraussetzungen geknüpft. Eine davon heißt Corona-Test. Wöchentlich werden die SV-Spieler getestet. Wer keinen Test absolvieren kann, „darf nicht mit der Mannschaft trainieren“, betont Eisel. Jürgen Knoch, Arzt in Pirmasens und Vorsitzender des SV, nimmt die Tests vor. „Ich habe das Gefühl, es macht ihm manchmal sogar ein bisschen Spaß“, sagt Eisel lachend zu der für die Spieler nicht angenehmen Testprozedur. Aber die nehmen der 21-Jährige und seine Teamkollegen gerne in Kauf, „wenn uns das ermöglicht zu trainieren und wieder zu spielen“, freut er sich über die Perspektive, dass zumindest im April und Mai noch einige Spiele stattfinden könnten.
Oberligasaison annulliert
Wann er wieder als Co-Trainer auf der Bank bei den Oberliga-Handballerinnen sitzen kann, „das muss man mal abwarten“, sagt Eisel. Die aktuelle Oberligasaison wurde am Donnerstag annulliert. Die Frauen des SV 64 könnten allerdings an einer Aufstiegsrunde teilnehmen.