HOMBURG
Erlo Wagners CD: Klaviermusik zwischen Romantik und Pop
Was sofort auffällt, ist die klare Handschrift des Pianisten Erlo Wagner, der sich stilsicher zwischen Romantik- und Popballaden, zwischen Schumann und Beatles bewegt. Und hier und da kann man sich beim Zuhören auch an Filmmusik erinnert fühlen. Und doch sind seine „Lieder ohne Worte“ etwas ganz Eigenes, lautmalerisch und ausdrucksstark, doch nie plakativ.
Markant, aber völlig unaufdringlich lässt Wagner die Melodie in seinen Stücken aus seinen Klangwelten hervortreten, fast beiläufig - und dabei immer frappierend präsent und voll unmittelbarer Nähe.
Diese Stilmerkmale kommen bereits im ersten Lied seiner CD zur Geltung. „Verlier' die Hoffnung nie aus den Augen“ ist ein Titel, der gerade in der aktuellen Coronapandemie, die Kunstschaffende mangels Auftrittsmöglichkeiten besonders hart trifft, zum Programm werden kann. Kristallin hebt sich eine leise perlende Melodie aus einem dunkel-warmen Klangteppich ab, einfach und intensiv zugleich und gerade durch diese unprätentiöse Schnörkellosigkeit zutiefst berührend.
Eine Liebeserklärung an seine Frau ist „Für Marion“. Dezent vorwärts drängende Impulse, die durch kleine Pausen noch verstärkt werden, prägen diese zauberhafte Ballade. Eindringlich, aber nie aufdringlich zeigt sich Wagner hier wiederum als Meister der leisen Töne, der Gefühle zu Klängen werden lässt, die sich selbstvergessen verströmen und in Träumereien verlieren.
Auch in dem Titel „Zwischen Ebbe und Flut“ nimmt die Melodie immer wieder neue Anläufe, um doch immer wieder ins Ungewisse zu münden. Selbst wenn die Melodie zwischendurch Fahrt aufnimmt und schwungvoller wird, verläuft sie sich wieder in feinste Fragmente, ganz im Stil einer nostalgischen Ballade, bei der aber auch Popsongs Pate gestanden haben. In Wagners fesselndem, ausdrucksstarkem Spiel, das die klassische Schulung nicht verleugnet, steht hier jeder Ton wie eine eigene Welt und gerade diese Klarheit des Spiels betont die Fragilität der Formgebung.
Suchende Steigerungsprozesse, in denen sich vorwärts tastende Impulse sich immer wieder zu einer Melodie formieren wollen, prägen „Spuren im Sand“.
Impressionistische Klangmalerei in berührender Zartheit charakterisiert das Lied „Wenn Liebe anfängt“. Leise Akkorde klopfen an, ein verhaltener Herzschlag voll scheuem Bangen, ein Innehalten und sich Bewusstwerden. Leise, doch intensiv löst sich eine innige Melodie aus den Akkordfolgen heraus, die das Aufkeimen von Gefühlen in wolkig-leichten, nahezu unirdisch schwebenden farbigen Klangtupfen nachzeichnet und so lebendig werden lässt.
„Dem Alltag entfliehen“ besteht aus zwei gegensätzlichen musikalischen Themenwelten. Ein hartnäckig, fast schon nerviges immer wiederkehrendes Motiv wird überlagert von einer Melodie, die sich zunehmend etabliert und emanzipiert.
Aufbruchstimmung verströmt die im September 2019 während einer Hochzeit in der Zweibrücker Fasanerie spontan komponierte Ballade „Segel setzen“. Melodiewogen aus großen gebrochenen Akkorden finden sich hier immer wieder zusammen und bahnen sich einen Weg – ein Prozess, den Wagner spannend und in vielen feinen Ausdrucksnuancen ausformt, die immer einen erzählerischen Grundton behalten. Und mit dem nachdenklich-versonnenen „Heimweh“ klingt dieses zauberhafte Debütalbum in nostalgischen Tönen aus.
