Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Pianist Erlo Wagner zeigt, wie man dem Alltag entflieht

Spielte nachts seine CD ein: Erlo Wagner.
Spielte nachts seine CD ein: Erlo Wagner.

„Ich bin der, der spielt, bevor die Band kommt.“ So beschreibt der in Kusel geborene und heute in Homburg lebende Musiker und Komponist Erlo Wagner (41) seine Tätigkeit als Dinner-Pianist bei die er hauptsächlich bei Hochzeiten und Firmenfeiern ausübt. Er war Schüler des Zweibrücker Organisten Helge Schulz.

Öffentlich Klavierspielen konnte er im Coronajahr 2020 nur wenig. „Corona ist Scheiße für Musiker“, bringt er die Stimmung vieler Künstler auf den Punkt. „Im ersten Lockdown hat das angefangen, die Sorgen.“ Doch Wagner, der hauptberuflich als Prokurist in einer Werbeagentur arbeitet, hatte eine Idee. „Da muss man etwas tun, den Leuten geht’s emotional sehr schlecht. Ich wollte immer mal was auf einem Youtube-Kanal machen, habe es aber auch immer wieder vor mir hergeschoben.“

Zum Auftakt hat er den Hit „A Million Dreams“ am Keyboard eingespielt, sich selbst nachts gefilmt und das hochgeladen. „Nach zwei, drei Tagen haben sich das mehrere hundert Leute angeschaut, verschiedene Leute haben sich weitere Musikstücke von mir gewünscht. Aber man filmt sich dabei immer zu Hause, und bei mir war der Wunsch nicht mehr da, weitere solche Videos zu posten.“

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Erlo Wagners erste CD erschien kurz vor Weihnachten. Das Coverfoto entstand in der Zweibrücker Fasanerie.
HOMBURG

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Idee zur CD kam von früherer Klassenkameradin

Das änderte sich im August, als Erlo Wagner die Messenger-Nachricht einer ehemaligen Klassenkameradin erreichte, die bei ihrer Arbeit als Diätassistentin im Krankenhaus immer wieder mit Corona-Erkrankten konfrontiert ist. „Deine Musik berührt mich,“ hatte sie geschrieben. „Magst du keine CD machen? Ich möchte deine Musik gerne mitnehmen ins Auto – und verschenken.“

So kam Erlo Wagner auf die Idee, eine CD mit eigenen Stücken aufzunehmen. „Ich gehe dieses Wagnis ein und probiere aus, ob es ein Feedback auf meine eigenen Melodien gibt. Als Deadline hatte ich mir kurz vor Weihnachten gesetzt.“ Nachdem dieser Entschluss gefasst war, hat er sich oft nachts in seinem Studio zu Hause eingeigelt. Schon da hatte er eine erste positive Resonanz: „Als ich ,Wenn Liebe anfängt’ eingespielt hab’, hatte meine 15-jährige Tochter Tränen in den Augen: Das ist einfach so schön, was du da spielst, sagte sie.“

Leute erreichen, die nicht im Netz unterwegs sind

So entstand die CD „Geschichten, die das Klavier erzählt“, die Erlo Wagner in Homburg-Erbach aufgenommen hat. Zwar war er sich bewusst, dass man Musik im Netz mit starken Videobildern noch eindringlicher gestalten kann, aber er entschied sich schließlich doch für eine CD. „Das war eine Impulsentscheidung. Ich wollte auch Leute erreichen, die nicht im Netz unterwegs sind. Das geht besser mit einer klassischen CD, einem Album mit zwölf Liedern.“

Wagner drehte ein Youtube-Video mit E-Piano auf dem Homburger Schlossberg. „Es war saukalt da oben, irgendwann gingen die Hände nicht mehr so richtig“, erzählt er. „Wir haben mit einfachen Mitteln gedreht und gepostet, aber das Video ist schon ein paar tausend Mal angeschaut worden.“

Musikalisches Elternhaus in Kusel

Der Werbefachmann, der 1979 im westpfälzischen Kusel geboren wurde, kam schon früh mit Musik in Berührung. „Ich war sechs Jahre alt, da hat mich meine Mutter bei einer Yamaha-Musikschule angemeldet“, erinnert er sich. „Sie hat wohl eine musikalische Begabung gesehen.“

In seinem Elternhaus gehörte Musik einfach dazu. „Mein Vater war evangelischer Pfarrer in der Vorderpfalz und bei uns war immer Musik zu Hause. Zu Weihnachten haben wir immer alle ums Klavier gesessen, mein Bruder hat Trompete gespielt, meine Mutter Gitarre.“ Erlo Wagner erhielt zunächst klassischen Klavierunterricht. „Mit Mozart, Bach und Beethoven bin ich groß geworden. Bis ich ein Teenager war, fand ich das schrecklich, ich wollte nie üben.“

Mit 16 begann er zu komponieren

Dann kamen Musiksender wie MTV in sein Leben. „,I Do Anything for Love'’hab' ich da gehört. Das hab' ich versucht nachzuspielen und in der Schule dann gemerkt: Da fahren die Mädels drauf ab.“

Einen großen Einfluss übte auch sein Lehrer Harald Frego aus Schönenberg-Kübelberg aus, denn 1991 war der Vater nach Homburg versetzt worden, wo Erlo Wagner das Mannlich-Gymnasium besuchte. „Er hat mich dazu gebracht, mich weiterzuentwickeln. Als ich so 15, 16 Jahre alt war, meinte er: Komm, jetzt machen wir auch Kompositionsunterricht. Es ist wichtig, dass jemand, der spielt, auch versteht, was er tut.“

Kirchenmusikprüfung als Organist abgelegt

Parallel beschäftigte sich Erlo Wagner mit Kirchenmusik und legte 1997 mit 18 Jahren die C-Prüfung zum nebenberuflichen Organisten ab. Unterrichtet wurde er von Helge Schulz, dem Kantor der Zweibrücker Alexanderkirche. Nach der Schule zog er ein Studium zum Toningenieur in Erwägung, brach das jedoch wieder ab, da er seine spätere Frau kennenlernte, heiratete, 2000 nach Mettlach zog und anfing zu arbeiten. Seit 2015 lebt er mit seiner Familie wieder im Homburg.

Auf die Frage nach seinen Vorbildern lacht Erlo Wagner. „Ich schreibe Musik, damit Leute, denen es schlecht geht, mal eine Auszeit bekommen, aufatmen und ausatmen können.“

Über den Dächern von Homburg entstand Erlo Wagners Musikvideo.
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Bietet abwechslungsreiche Aufnahmen: das Muskvideo „Wenn Liebe anfängt“.
Bietet abwechslungsreiche Aufnahmen: das Muskvideo »Wenn Liebe anfängt«.
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