Zweibrücken Energiepark wird Forschungspark

Mitglieder des Umweltausschusses des Mainzer Landtags besuchten am Dienstag die Biogasanlage im Pirmasenser Stadtteil Winzeln; S
Mitglieder des Umweltausschusses des Mainzer Landtags besuchten am Dienstag die Biogasanlage im Pirmasenser Stadtteil Winzeln; Stefan Dröge (links) vom PFI erläutert die Technik.

Das Pirmasenser Prüf- und Forschungsinstitut (PFI) will zusammen mit der Hochschule Kaiserslautern in Pirmasens und Winzeln mit zwei Neubauten bis 2021 rund 14 Millionen Euro investieren. Die Studiengänge „Bioverfahrenstechnik“ und „Bioraffinerietechnik“ sollen 2020 und 2021 in Pirmasens starten.

Bei der Sitzung des Umweltausschusses des Landtags am Dienstag im Internationalen Schuhkompetenzzentrum in Pirmasens informierte die Leiterin des PFI, Kerstin Schulte, zusammen mit Hochschuldekan Thomas Stumm die Abgeordneten über die Ausbaupläne im Zusammenhang mit den Biotechnologieaktivitäten des Instituts im Winzler Energiepark. Laut Schulte soll neben dem Gebäudekomplex des PFI auf der Husterhöhe ein Lehr- und Forschungszentrum Bioraffinerietechnik entstehen. 5,9 Millionen Euro wird das Projekt kosten und auf einer Fläche von 1250 Quadratmetern Büros, Labore, Technikräume und Seminarsäle schaffen, die nicht allein vom PFI genutzt werden könnten. Die neue Technologie solle bereits zum Heizen des Hauses mit Biogas genutzt werden. Das PFI will laut Schulte damit seine Forschung im Bereich Fermentation, chemische Analytik und Biotechnologie erweitern. Außerdem soll in dem Neubau Platz für die Gründung von neuen Unternehmen sein. Dazu kommt der schon bekannte Neubau des dritten Moduls für den Energiepark Winzeln neben der dort schon stehenden Biogasanlage und der Power-to-Gas-Komponente. Für die sogenannte Bioraffinerie zur stofflichen und energetischen Verwertung von Stroh hat das PFI eine Investition von acht Millionen Euro kalkuliert. In einem mehrstöckigen Neubau zwischen dem Biogasreaktor und dem Windgasturm würden Forscherbüros, eine Leitwarte und die Fermentationsanlage unterkommen. Daneben soll zudem ein weiterer Kolonnenturm entstehen. In der Bioraffinerie will das PFI, vereinfacht dargestellt, Stroh in einer Art Schnellkochtopf aufschließen und es dadurch einerseits zur Verarbeitung in einer Biogasanlage fähig machen, aber auch chemische Grundstoffe gewinnen, die als rein biologische Kunststoffe wie beispielsweise Polyhydroxybuttersäure vielfältig einsetzbar sind. Unter anderem spielt das PFI mit dem Gedanken, einen aus biologisch abbaubaren Stoffen hergestellten Schuh zu entwerfen, der nach dem Tragen in eine Biogasanlage wandern könnte. Die weltweiten Probleme mit Kunststoffmüll im Meer würden damit irgendwann der Vergangenheit angehören. „Das sind nicht nur Präsentationen“, warb Institutsleiterin Schulte vor dem Landtagsausschuss. Mit den konkreten Plänen wolle das PFI Mitte des Jahres beginnen. Das Forschungszentrum auf der Husterhöhe solle zwischen 2018 und 2020 realisiert werden. Für die Bioraffinerie hat Schulte den Zeitrahmen von 2019 bis 2021 skizziert. Gekoppelt an die weiteren biotechnologischen Aktivitäten des PFI will die Hochschule Kaiserslautern den Standort Pirmasens mit neuen Studiengängen ausbauen. Zum Sommersemester soll laut Dekan Stumm der Studiengang Bioverfahrenstechnik starten und die Bioraffinerietechnik im Wintersemester 2021. „Die Prüfungsordnung dafür ist schon auf dem Weg und soll in zwei Wochen beschlossen werden“, kündigte Stumm an. Die Bioverfahrenstechniker könnten schon im Wintersemester diesen Jahres starten. Schulte und Stumm nutzten die Ausschusssitzung, um bei den Abgeordneten um Zuschüsse für ihre Projekte zu werben. Ein erster Zuschussantrag für die Bioraffinerie sei abgelehnt worden. Schulte hoffe auf eine Zuteilung durch das Efre-Programm (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung).

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